Interview mit Produktmanagement der LANDI Schweiz AG

Unsere Herausforderung: die Anliegen der Landwirte erkennen, aufnehmen und umsetzten

Wie kommt ein Isolator oder eine Kettensäge ins Sortiment der LANDI und was steckt dahinter? Julia Breuning und René Burri geben im Interview Auskunft zu Ihrer Arbeit.

Was darf mach sich unter Produktmanagement vorstellen?

Julia Breuning: Im Produktmanagement begleite ich meine Artikel und trage die Verantwortung über diese von A-Z. Als erstes muss eine Idee zu einem Produkt entstehen. Wenn eine Idee steht, muss die rechtliche Lage zum Produkt geprüft werden. Danach beginnt die Evaluierung der Lieferanten, wobei ich diese, wenn möglich immer in der Schweiz oder in Europa suche. Ist ein geeigneter Lieferant gefunden, wird ein Muster bestellt, das ich oft gleich selbst teste. Wenn ich es für gut befinde, wird mit dem Lieferanten der Preis verhandelt. Anschliessend müssen alle Daten des Produktes aufbereitet und gesammelt werden, um es dann der Arbeitsgruppe «Farm-Erfa» vorzuschlagen und später den Verantwortlichen in der LANDI Schweiz AG. Wurde es von beiden Institutionen angenommen, muss die Beschaffung, der Transport und die Lagerung organisiert, sowie der Vorverkauf an die LANDI Läden an der LANDI Einkaufsmesse vorbereitet werden. Dazu gehört auch die Erarbeitung der Verpackung sowie Bedienungsanleitung, wenn nötig. Doch auch wenn das Produkt im Laden steht, geht die Arbeit weiter. Die Verkaufszahlen müssen beobachtet werden und eventuell Verbesserungsmassnahmen getroffen werden.

Die Arbeitsgruppe «Farm-Erfa» ist im Landwirtschaftssortiment der LANDI Schweiz AG ein zentrales Kontrollorgan. Wie funktioniert diese Zusammenarbeit?

René Burri: Neue Produktideen werden immer zuerst der Arbeitsgruppe «Farm-Erfa» vorgestellt, bevor die Produkte dem Entscheidungsgremium der LANDI Schweiz vorgeschlagen werden. Die Arbeitsgruppe testet die Produkte eingehend und bewertet diese. Die Zusammenarbeit gestaltet sich konstruktiv, gerade weil die Gruppe aus Fachpersonen besteht. Dank der Einführung der Arbeitsgruppe konnte die Kompetenz der LANDI im Landwirtschaftsbereich gefördert und stetig verbessert werden. Teilweise sind wir in unserer Entscheidungsfreiheit etwas eingeschränkt, doch dies nehmen wir in Kauf. Denn die sehr gute Resonanz, die wir von Seiten der Landwirte spüren, zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Wie kommt Ihr zu neuen Produkt-Ideen?

Julia Breuning: Für gute Ideen, die zeitgemäss sind und der Landwirtschaft einen Nutzen bringen, ist es wichtig, sich in der Branche fit zu halten. Dies mache ich, indem ich etwa regelmässig landwirtschaftliche Messen besuche oder auch Marktbeobachtungen und –analysen durchführe. Doch die meisten und besten Ideen kommen im Austausch mit Landwirten im privaten Umfeld zustande. So bin ich etwa aktiv in der Pferdezucht- wie auch in der Braunviehzuchtgenossenschaft und ein Mitglied der Landjugend. Viele gute Inputs erhalten wir zudem auch in den Sitzungen mit der «Farm-Erfa».

Welches sind die grössten Herausforderungen in Eurem Job?

René Burri: Gute Qualität zum besten Preis und Auswahl für den Kunden, nach diesem Ziel streben wir bei jedem Produkt. Mit diesen Zielen vor Augen das Sortiment optimal zu betreuen, stellt eine stetige Herausforderung dar. Wir wollen mit unseren Produkten immer Markt- wie auch Preisführer sein und gleichzeitig den Ansprüchen der Landwirtschaft genügen. Dies stellt sich besonders dann als knifflig dar, wenn sich die Ansprüche der Landwirte etwa zu einem Hobby-Handwerker unterscheiden. So hat beispielsweise ein Landwirt einen viel höheren Qualitätsanspruch an einen Bohrschrauber, als dies der Hobby-Handwerker hat, der diesen vielleicht zweimal jährlich gebraucht.

Julia Breuning: Doch gerade diesen unterschiedlichen Qualitätsansprüchen gerecht zu werden, ist zentral. Denn nur so gewinnen wir das Vertrauen unserer Eigentümer in uns als Unternehmen und in unsere Produkte. Die Anliegen der Landwirte bewusst erkennen, aufnehmen und umsetzen, auch dies gehört zu den grössten Herausforderungen in unserem Alltag.

Und zum Schluss: Wo liegt der Spassfaktor?

Julia Breuning: Die Verknüpfung von Einkauf und Landwirtschaft ist es, was mir an meinem Job viel Freude bereitet. Die gesamte Begleitung eines Artikels von der Idee bis er im Laden steht, ist wie einem Kind dabei zuzusehen, wie es erwachsen und selbständig wird.

René Burri: Genau, der ganze Weg des Produktes zu begleiten ist der interessanteste Teil unserer Arbeit. Am meisten Freude bereitet es natürlich, wenn der Artikel gute Zahlen aufweist und auch positives Feedback zum Produkt kommt. Dann wissen wir, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben.

Julia Breuning, Produktmanagerin LANDI Schweiz AG und Mitglied «Farm-Erfa»

Julia Breuning stammt aus Marthalen im Kanton Zürich. Nach Ihrer Ausbildung zur Landwirtin EFZ arbeitete Sie als Betriebshelferin auf diversen landwirtschaftlichen Betrieben. Als Aushilfskraft im Verkauf während der landwirtschaftlichen Ausbildung, fand Sie den Einstieg in den Detailhandel. Seit Februar 2017 arbeitet Julia Breuning als Produktmanagerin in der LANDI Schweiz AG, wo sie das Sortiment Landwirtschaft betreut. Wann immer die Zeit es zulässt, hilft sie auf dem Betrieb der Familie ihres Mannes mit. Neben dem Milchvieh und der Aufzucht befinden sich auf dem Hof auch die Stallungen mit einer kleinen Pferdezucht, die Julia Breuning betreibt.

René Burri, Produktgruppenmanager LANDI Schweiz AG und Mitglied «Farm-Erfa»

René Burri ist im Winzerdorf Ligerz am Bielersee aufgewachsen. Er ist ausgebildeter Landwirt und Agrokaufmann HF. Er arbeitete kurze Zeit in der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Changins in Nyon, danach über 20 Jahre im Agrochemiebereich. Seit vier Jahren arbeitet René Burri in der LANDI Schweiz AG. Als Produktgruppenmanager sind ihm vier Produktmanager unterstellt. Mit seinem Team ist er zuständig für die Sortimentsbereiche Landwirtschaft, Erden, Dünger, Pflanzenschutz, Steinwaren, Dekoartikel sowie Mobilität und Schmierstoffe.