Um Rhabarber richtig zu ernten und zu pflegen, sollten Sie diese Kernpunkte beachten:
Obwohl Rhabarber meist wie Obst verwendet wird, zählt er botanisch gesehen zum Gemüse. Der Rhabarberanbau hat in Schweizer Hausgärten eine lange Tradition, da die Staude äusserst robust und winterhart ist. Wer einmal Rhabarber pflanzen möchte, schafft sich eine langlebige Kultur an, die bei guter Führung bis zu zehn Jahre oder länger am gleichen Standort verbleiben kann. Das typische Frühlingsgemüse überzeugt durch seine feine Säure und die Vielseitigkeit in der Küche. Damit die Ausbeute im eigenen Garten reichlich ausfällt, ist das Wissen um die Bedürfnisse dieser besonderen Pflanze essenziell.
Wann genau Sie Rhabarber ernten sollten, hängt stark von der Witterung und der jeweiligen Rhabarbersorte ab. In milden Lagen der Schweiz zeigen sich die ersten erntereifen Stangen oft schon Mitte April. Ein sicheres Zeichen, dass die Stangen bereit sind, ist ihre Oberfläche: Wenn die Rhabarberstangen glatt sind und die Blätter sich vollständig entfaltet haben, ist der optimale Moment gekommen.
Die Rhabarbersaison ist jedoch zeitlich begrenzt. Die goldene Regel besagt, dass nach dem 24. Juni, dem sogenannten Johannistag, kein Rhabarber mehr geerntet werden sollte. Dies hat zwei Gründe. Zum einen steigt der Oxalsäuregehalt in den Stangen bei sommerlichen Temperaturen stark an, was sie weniger bekömmlich macht. Zum anderen benötigt die Rhabarberpflanze die Zeit ab Juli, um sich zu regenerieren. Sie lagert in dieser Phase Nährstoffe in ihrem Wurzelstock ein, damit sie auch im nächsten Jahr wieder kräftig austreiben kann.
Für die Rhabarberernte benötigen Sie erstaunlich wenig Werkzeug. Tatsächlich ist ein Messer im Beet eher kontraproduktiv. Zur Grundausstattung gehören:
Die Technik beim Ernten des Rhabarbers entscheidet darüber, wie gesund die Pflanze bleibt. Viele Anfänger begehen den Fehler, die Stangen mit einem Messer abzuschneiden. Dies hinterlässt jedoch Schnittflächen direkt über dem Boden, die leicht faulen können. Dringen Pilze oder Bakterien über diese Stümpfe in den Wurzelstock ein, kann die gesamte Rhabarberpflanze absterben.
Gehen Sie stattdessen wie folgt vor: Fassen Sie die gewünschte Rhabarberstange weit unten an der Basis an. Mit einer leichten Drehbewegung und einem kräftigen Ruck nach oben ziehen Sie die Stange aus der Erde. Sie sollte sich sauber von der Basis lösen. Falls ein kleiner Rest der weissen Haut an der Stange bleibt, ist das vollkommen normal.
Nachdem Sie die Stangen entfernt haben, sollten Sie die grossen Blätter des Rhabarbers sofort abtrennen. Diese enthalten die höchste Konzentration an Oxalsäure und entziehen der Stange nach der Ernte Feuchtigkeit. Die Blätter sind zwar nicht für den Verzehr geeignet, leisten aber im Garten als Mulchschicht noch wertvolle Dienste.
Eine gute Rhabarberpflanzung ist recht anspruchslos, freut sich aber über regelmässige Aufmerksamkeit. Da Rhabarber zu den Starkzehrern gehört, ist der Nährstoffbedarf hoch.
Bereits im zeitigen Frühjahr, bevor der erste Austrieb sichtbar ist, empfiehlt sich eine Gabe von Kompost oder Hornspänen. Diese organischen Dünger geben die Nährstoffe langsam ab. Nach dem Abschluss der Ernte im Juni ist eine zweite Düngung sinnvoll, um die Pflanze für die Regenerationsphase zu stärken.
Rhabarber bevorzugt einen sonnigen bis halbschattigen Platz im Nutzgarten. Ein Standort, der halbschattig liegt, hilft der Pflanze, die heissen Sommermonate nach der Erntezeit besser zu überstehen. Achten Sie auf eine gleichmässige Wasserversorgung. Besonders bei Trockenheit im Frühjahr wachsen die Stangen sonst nur spärlich und werden holzig.
Oft schiebt die Pflanze im Mai einen dicken, hohen Stängel mit einer grossen Blüte nach oben. Diese Rhabarberblüte sieht zwar dekorativ aus, kostet die Staude aber enorm viel Energie. Wenn Sie hohen Ertrag wünschen, sollten Sie die Rhabarberblüten so früh wie möglich ausbrechen oder herausschneiden. So fliesst die Kraft der Pflanze weiterhin in die Bildung der schmackhaften Blattstiele.
Frisch geernteter Rhabarber hält sich leider nicht sehr lange. Am besten verarbeiten Sie ihn sofort. Ist das nicht möglich, wickeln Sie die Stangen in ein feuchtes Tuch und legen Sie sie in das Gemüsefach des Kühlschranks. So bleibt das Gemüse etwa zwei bis drei Tage knackig.
Für eine längerfristige Bevorratung bietet es sich an, den Rhabarber einzufrieren. Dazu waschen Sie die Stangen, schneiden sie in kleine Stücke und füllen diese in Gefrierbeutel. Ein Vorblanchieren ist nicht nötig. So können Sie das ganze Jahr über auf das aromatische Gemüse zugreifen, sei es für einen schnellen Kuchen oder ein fruchtiges Kompott. Auch das Einkochen als Konfitüre (oft kombiniert mit Erdbeeren oder Stachelbeeren) ist in der Schweiz eine beliebte Methode der Haltbarmachung.
Ein Thema, das beim Rhabarber immer wieder für Verunsicherung sorgt, ist der Oxalsäuregehalt. Oxalsäure ist ein natürlicher Inhaltsstoff, der in vielen Pflanzen vorkommt, zum Beispiel auch in Mangold oder Spinat. In grösseren Mengen kann sie jedoch die Aufnahme von Kalzium im Körper behindern und bei empfindlichen Personen die Bildung von Nierensteinen begünstigen.
Die Konzentration der Säure ist in den Blättern am höchsten, weshalb diese keinesfalls gegessen werden dürfen. In den Stangen nimmt der Gehalt im Laufe der Wachstumsperiode zu. Deshalb schmeckt der frühe Rhabarber im April milder als der späte im Juni. Durch das Kochen wird ein Teil der Säure ins Wasser abgegeben; das Kochwasser sollte man daher wegschütten. Die Kombination mit kalziumreichen Lebensmitteln wie Milch, Joghurt oder Vanillesauce hilft zudem, die Säure zu binden und sie für den Körper unschädlich zu machen.
Rhabarber ist ein dankbares und unkompliziertes Gemüse für den Gemüseanbau im Gemüsegarten. Wenn Sie den Rhabarber richtig behandeln, die Erntezeit bis zum Johannistag respektieren und die Stangen fachgerecht herausdrehen, werden Sie viele Jahre Freude an Ihren Pflanzen haben. Ob als klassisches Kompott, feiner Kuchenbelag oder in Kombination mit anderen Früchten – die Mühe im Garten lohnt sich bei diesem vielseitigen Frühlingsgemüse immer.
Nein, eine zweite Erntewelle im Spätsommer oder Herbst ist nicht empfehlenswert. Nach dem 24. Juni sollte die Pflanze unangetastet bleiben. Die Blätter, die sich danach bilden, dienen der Fotosynthese und der Einlagerung von Reservestoffen für das kommende Frühjahr. Wer die Pflanze im Herbst erneut beerntet, riskiert, dass sie im nächsten Jahr nur noch dünne, schwache Stangen hervorbringt.
Die klassische Erntezeit dauert etwa acht bis zehn Wochen. Sie beginnt je nach Witterung Mitte bis Ende April und endet am 24. Juni. In sehr hohen Lagen der Schweiz kann sich dieser Zeitraum um ein bis zwei Wochen nach hinten verschieben, doch der Johannistag bleibt der wichtigste Orientierungspunkt.
Wird der Rhabarber zu spät geerntet, werden die Stangen zunehmend faserig und holzig. Zudem steigt der Gehalt an Oxalsäure so stark an, dass das Gemüse einen sehr scharfen, unangenehmen Beigeschmack bekommt und die Bekömmlichkeit leidet. Für die Pflanze selbst bedeutet eine zu späte Ernte Stress, da sie nicht mehr genügend Zeit hat, sich auf den Winter vorzubereiten.
Ja, Rhabarber einfrieren ist die beste Methode, um das Aroma zu konservieren. Schneiden Sie die geputzten Stangen in mundgerechte Stücke. Sie können diese direkt in Gefrierbeuteln oder Dosen einfrieren. Der Rhabarber ist tiefgekühlt etwa 10 bis 12 Monate haltbar, sodass Sie ihn bis zur nächsten Saison verbrauchen können.
Im ersten Jahr nach der Rhabarberpflanzung muss sich das Gewächs am neuen Standort etablieren. Die Blätter produzieren Energie, die in den Ausbau des Wurzelstocks fliesst. Würde man diese Blätter samt Stielen bereits im ersten Jahr entfernen, hätte die Pflanze keine Chance, eine ausreichende Vitalität für die Folgejahre aufzubauen. Im zweiten Jahr darf man meist schon vorsichtig einige wenige Stangen ziehen, die volle Ernte beginnt ab dem dritten Jahr.
Ja, die Rhabarberblätter können problemlos auf den Kompost gegeben werden. Die darin enthaltene Oxalsäure wird während des Rotteprozesses von Mikroorganismen abgebaut und schadet dem fertigen Kompost nicht. Alternativ können Sie die grossen Blätter auch als Mulch direkt unter die Rhabarberpflanzen legen, um den Boden feucht zu halten.
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