Frische Kartoffeln aus dem eigenen Garten sind ein kulinarisches Highlight. Der Geschmack einer selbst geernteten Knolle, die ohne lange Transportwege direkt auf dem Teller landet, ist mit gekaufter Ware kaum zu vergleichen. Ob im grossen Gemüsegarten, im modernen Hochbeet oder in praktischen Pflanzsäcken – der Kartoffelanbau ist für Hobbygärtner und Selbstversorger gleichermassen attraktiv und mit der richtigen Anleitung unkompliziert umsetzbar. In diesem Ratgeber erfahren Sie alles, was Sie wissen müssen, wenn Sie Kartoffeln pflanzen und eine reiche Ernte einfahren möchten.
Bevor wir in die Tiefe gehen, hier die essenziellen Etappen für alle, die Kartoffeln setzen möchten:
Die Kartoffel ist eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel in der Schweiz. Sie ist vielseitig, nahrhaft und im Anbau erstaunlich dankbar. Wer sich für die Selbstversorgung interessiert, kommt an der "Erdknolle" nicht vorbei. Wenn Sie im Frühjahr Kartoffeln setzen, legen Sie den Grundstein für eine Vorratshaltung, die bis in den Winter reichen kann. Dabei ist es egal, ob Sie viel Platz zur Verfügung haben oder nur einen Balkon besitzen – das Pflanzen von Kartoffeln lässt sich fast überall realisieren.
In der Schweiz haben wir optimale klimatische Bedingungen für den Kartoffelanbau. Die Vielfalt an verfügbaren Saatkartoffeln erlaubt es, für jeden Geschmack und jeden Bodentyp die passende Variante zu finden. Vom festkochenden Klassiker bis zur mehligkochenden Sorte für den perfekten Stocki ist alles dabei.
Ein erfolgreicher Kartoffelanbau beginnt mit der Planung. Zuerst sollten Sie entscheiden, welche Kartoffelsorten Sie bevorzugen. Man unterscheidet primär nach der Reifezeit:
Berücksichtigen Sie bei der Planung auch die Kocheigenschaften. Möchten Sie Salzkartoffeln, Pommes Frites oder Kartoffelstock herstellen? Jede Kartoffelknolle hat ihre Bestimmung. Wenn Sie verschiedene Sorten anbauen, verlängern Sie zudem die Ernteperiode.
Um professionell Kartoffeln pflanzen zu können, bedarf es keiner riesigen Maschinenflotte, aber ein paar Werkzeuge erleichtern die Arbeit im eigenen Garten erheblich:
Kartoffeln lieben lockeren, humosen Boden. Da sie zu den Starkzehrern gehören, entziehen sie dem Boden viele Nährstoffe. Bereiten Sie das Beet bereits einige Wochen vor dem Pflanzen der Kartoffeln vor, indem Sie Kompost oder organischen Dünger einarbeiten. Vermeiden Sie jedoch frischen Mist unmittelbar vor dem Setzen, da dies Krankheiten fördern kann. Der Boden sollte nicht zu nass sein; Staunässe führt unweigerlich zum Faulen der Mutterknolle.
Ein entscheidender Tipp für einen guten Start ist das Vorkeimen. Legen Sie Ihre Pflanzkartoffeln etwa vier bis sechs Wochen vor dem geplanten Auspflanzen in Eierkartons. Stellen Sie diese an einen hellen Ort bei etwa 10 bis 15 Grad Celsius. Durch das Licht bilden sich kurze, kräftige, grüne Lichtkeime. Vorgekeimte Kartoffeln haben im kalten Boden einen deutlichen Zeitvorteil, sind widerstandsfähiger gegen Krautfäule und bringen oft einen höheren Ertrag. Wenn Sie so Ihre Kartoffeln setzen, verkürzen Sie die Zeit bis zur ersten Ernte um bis zu zwei Wochen.
Wann ist der richtige Zeitpunkt? In der Schweiz gilt die Faustregel: Wenn die Kirschbäume blühen oder der Boden eine Temperatur von mindestens 8 bis 10 Grad erreicht hat (meist ab Mitte April), können Sie Ihre Kartoffeln pflanzen.
Ziehen Sie mit einer Hacke etwa 10 bis 15 cm tiefe Furchen. Der Abstand zwischen den Reihen sollte bei etwa 60 bis 70 cm liegen. Dies gibt Ihnen später genug Platz zum Anhäufeln.
Legen Sie die Saatkartoffeln mit den Keimen nach oben in die Furche. Der Abstand zwischen den einzelnen Knollen in der Reihe sollte etwa 30 bis 35 cm betragen. Achten Sie darauf, die zarten Keime der vorgekeimten Kartoffeln nicht abzubrechen.
Füllen Sie die Furche vorsichtig mit Erde auf, sodass die Knollen gut bedeckt sind.
Haben Sie wenig Platz, füllen Sie einen Pflanzsack oder Kübel etwa 15 cm hoch mit Gemüseerde. Legen Sie zwei bis drei Kartoffel-Knollen darauf und bedecken Sie diese mit 10 cm Erde. Sobald die Kartoffelpflanze etwa 10 cm aus der Erde schaut, füllen Sie wieder Erde nach, bis nur noch die obersten Blätter herausschauen. Dies wiederholen Sie, bis das Gefäss voll ist.
Nachdem Sie die Kartoffeln setzen konnten, ist die Arbeit noch nicht getan. Die Pflege während der Sommermonate entscheidet über die Grösse der Kartoffelernte.
Sobald das grüne Kraut etwa 15 bis 20 cm hoch gewachsen ist, müssen Sie die Pflanzen anhäufeln. Dabei ziehen Sie Erde von den Seiten her an die Pflanze heran, sodass ein kleiner Wall entsteht. Dies hat mehrere Vorteile:
Bei Trockenheit, besonders während der Blütezeit, sollten Sie die Kartoffeln regelmässig giessen. Staunässe ist jedoch unbedingt zu vermeiden. Achten Sie darauf, nur den Boden zu wässern und nicht das Kraut, um Pilzinfektionen wie der Krautfäule vorzubeugen.
Ein gefürchteter Gast beim Kartoffelanbau ist der Kartoffelkäfer. Kontrollieren Sie die Blattunterseiten regelmässig auf die gelb-orangen Eier des Kartoffelkäfers und sammeln Sie Käfer sowie Larven konsequent ab.
Die Krautfäule erkennt man an braunen Flecken auf den Blättern, die sich schnell ausbreiten. Ein luftiger Standort und weite Pflanzabstände helfen, dass die Blätter nach Regen schnell abtrocknen. Mischkultur im Gemüsegarten kann ebenfalls helfen, den Schädlingsdruck zu mindern.
Wann Sie Ihre Kartoffeln ernten, hängt von der Sorte und dem gewünschten Zweck ab.
Wählen Sie für die Kartoffelernte einen trockenen Tag. Hebeln Sie die Pflanzen vorsichtig mit einer Grabgabel aus der Erde und lassen Sie die Knollen noch ein paar Stunden auf dem Beet abtrocknen, bevor Sie sie einsammeln.
Damit Sie lange Freude an Ihrer Ernte haben, ist die richtige Lagerung entscheidend. Kartoffeln lagern am besten:
Süsskartoffeln hingegen haben ganz andere Ansprüche und mögen es bei der Lagerung deutlich wärmer als unsere heimischen Kartoffeln.
Kartoffeln pflanzen ist eine bereichernde Erfahrung für jeden Gärtner. Von der Auswahl der Kartoffelsorte über das spannende Vorkeimen in Eierkartons bis zum Moment, in dem man die goldgelben Knollen aus der Erde hebelt – der Prozess ist Naturerlebnis pur. Mit ein wenig Vorbereitung, dem richtigen Anhäufeln und dem Schutz vor dem Kartoffelkäfer steht einer erfolgreichen Ernte im eigenen Garten nichts im Weg. Nutzen Sie die Vielfalt an Saatkartoffeln und geniessen Sie die Qualität der eigenen Erzeugnisse.
Es ermöglicht den Zugriff auf seltene Kartoffelsorten, die man im Handel kaum findet. Zudem ist die Frische unschlagbar, und man hat die volle Kontrolle über den Einsatz von Düngern und Pflanzenschutzmitteln. Es ist ein aktiver Beitrag zur Selbstversorgung.
Vermeiden Sie die Nachbarschaft zu Tomaten, da beide von derselben Krautfäule befallen werden. Auch Auberginen und Paprika (alles Nachtschattengewächse) sind weniger geeignete Nachbarn. Ebenfalls ungünstig sind Zwiebeln und Kürbisse direkt neben den Kartoffelreihen. Gute Partner in der Mischkultur sind hingegen Bohnen, Kohlarten oder Spinat.
Ja, das ist möglich. Die Pflanzen benötigen dann jedoch länger, um aus der Erde zu kommen. In Regionen mit kurzem Sommer oder bei spätem Pflanztermin ist das Vorkeimen jedoch sehr empfohlen, um den Ertrag zu sichern und die Reifezeit zu verkürzen.
Nein, das ist nicht ratsam. Man sollte eine Anbaupause von mindestens drei bis vier Jahren einlegen. Dies verhindert die Anreicherung von Schädlingen (wie Nematoden) und Krankheiten im Boden und schont die Bodenreserven, da Kartoffeln als Starkzehrer den Boden einseitig beanspruchen.
Davon ist abzuraten. Speisekartoffeln sind oft mit Keimhemmungsmitteln behandelt, damit sie im Lager nicht austreiben – sie werden im Garten also nur sehr schlecht wachsen. Zudem besteht die Gefahr, dass man sich Krankheiten einschleppt. Zertifizierte Pflanzkartoffeln sind gesundheitsgeprüft und für den Anbau optimiert.
Achten Sie auf die Bodentemperatur, halten Sie die richtigen Pflanzabstände ein und sorgen Sie für eine gute Nährstoffversorgung. Das regelmässige Anhäufeln ist die wichtigste Pflegemassnahme, um eine hohe Qualität der Kartoffelknollen ohne grüne Stellen zu gewährleisten.