Blicken Sie an einem heissen Sommertag aus dem Fenster auf die nackte, graue Teerpappe Ihrer Garage oder Ihres Carports? Die Hitze steht förmlich über der Fläche, und optisch lädt der Anblick auch nicht gerade zum Verweilen ein. Viele Hausbesitzer in der Schweiz suchen nach einer nachhaltigen Möglichkeit, um ungenutzte Flächen ökologisch aufzuwerten und das Raumklima darunter zu verbessern. Es gibt viele gute Gründe, über das Thema Dachbegrünung nachzudenken, denn die Verwandlung von Grau in Grün bringt zahlreiche handfeste Vorteile für Natur und Mensch mit sich. In der LANDI zeigen wir Ihnen, wie Sie dieses Projekt erfolgreich in Eigenregie umsetzen können.
Die Vorteile einer nachhaltigen Dachbegrünung reichen weit über die reine Optik hinaus. Ein bewachsenes Dach fungiert als natürliches Schutzschild für die darunterliegende Dachhaut, indem es extreme Temperaturschwankungen abfedert und schädliche UV-Strahlung blockiert. Dadurch verlängert sich die Lebensdauer der Abdichtung erheblich. Ein weiterer grosser Pluspunkt ist der Wasserrückhalt bei starken Niederschlägen. Die Vegetation dient als natürlicher Wasserspeicher, da die Pflanzen und das Substrat grosse Mengen Regenwasser aufnehmen. Diese effektive Wasserspeicherung entlastet die Kanalisation spürbar, da das aufgesaugte Nass zeitverzögert verdunstet. Zudem leisten begrünte Dächer einen unschätzbaren Beitrag zur Artenvielfalt in unseren versiegelten Siedlungsräumen. Sie bieten nützlichen Insekten, Bienen und Vögeln einen wertvollen Lebensraum. Auch die thermische Isolierung ist ein spürbarer Gewinn: Im Sommer bleibt es in den Räumen unter dem Dach angenehm kühl, während im Winter Heizenergie gespart wird. Auch bei Neubauten wird dieses System in der Schweiz immer häufiger direkt eingeplant, um behördliche Auflagen zu erfüllen.
Bevor Sie mit dem Einkauf der Materialien für Ihre Dachbegrünung beginnen, steht eine gründliche Bestandsaufnahme an. Nicht jede Dachfläche eignet sich ohne entsprechende Massnahmen für jede Art von Bewuchs.
Statik und Dachneigung prüfen
Die wichtigste bauliche Voraussetzung für das Vorhaben ist die Tragfähigkeit der gesamten Konstruktion. Sie müssen das zusätzliche Gewicht unbedingt im maximal wassergesättigten Zustand berechnen. Das bedeutet, dass das Substrat, die Pflanzen und das darin gespeicherte Wasser zusammen deutlich mehr wiegen als im trockenen Zustand. Bei einer einfachen Ausführung müssen Sie mit einer zusätzlichen Last von etwa 80 bis 150 Kilogramm pro Quadratmeter rechnen. Ein Statiker kann Ihnen hierzu eine verlässliche Auskunft geben. Auch die Dachneigung spielt eine entscheidende Rolle. Optimal geeignet sind flache oder leicht geneigte Dächer mit einem Gefälle von bis zu 5 Grad. Bei einer stärkeren Neigung sind spezielle Rutschsicherungen erforderlich, damit die Schichten nicht abrutschen.
Die Wahl zwischen extensiver und intensiver Dachbegrünung
Es wird in der Praxis grundlegend zwischen zwei Systemen unterschieden. Eine Extensivbegrünung zeichnet sich durch eine geringe Schichtdicke und einen sehr geringen Pflegeaufwand aus. Hier kommen robuste Pflanzen zum Einsatz, die auch längere Trockenperioden problemlos überstehen. Die Aufbauhöhe bleibt mit 6 bis 12 Zentimetern recht niedrig. Bei einer intensiven Dachbegrünung hingegen entsteht ein echter Dachgarten. Hier sind die Substrathöhen deutlich grösser, sodass sogar Rasenflächen, Sträucher oder kleine Bäume gepflanzt werden können. Dies erfordert jedoch eine extrem hohe Tragfähigkeit der Konstruktion sowie einen regelmässigen Pflegeaufwand. Für Heimwerker, die das Projekt selbst realisieren möchten, ist die extensive Variante meist die beste Wahl.
Für die erfolgreiche Umsetzung des Projekts benötigen Sie spezifische Komponenten, die perfekt aufeinander abgestimmt sein müssen. In unseren LANDI Läden finden Sie die passenden Werkzeuge und Hilfsmittel für Ihr Vorhaben.
Besonders auf Flachdächern von Garagen, Geräteschuppen oder Carports lässt sich ein Gründach wunderbar realisieren. Wenn Sie ein Flachdach begrünen, verwandeln Sie eine ehemals triste Nutzfläche in eine lebendige Oase. Zudem nehmen begrünte Dachflächen eine wichtige Rolle im modernen Bauen ein. Bei der Gestaltung können Sie begehbare Wege aus einfachen Gartenplatten integrieren, um spätere Pflegegänge zu erleichtern. Eine durchdachte Auswahl der Pflanzen sorgt dafür, dass die Fläche das ganze Jahr über attraktiv aussieht. Eine hervorragende Option ist auch die Kombination mit modernen Solaranlagen. Die Pflanzen kühlen durch Verdunstung die Umgebungstemperatur ab, was die Effizienz der Photovoltaik an heissen Tagen spürbar steigern kann. Wer also ein Flachdach begrünen möchte, profitiert gleich in mehrfacher Hinsicht.
Die eigentliche Installation erfordert zwar etwas Muskelkraft beim Transport der Materialien, ist aber mit einer guten Vorbereitung für jeden Heimwerker problemlos machbar. Sorgen Sie vor Beginn der Arbeiten für einen sicheren Aufstieg auf die Dachfläche.
Schritt 1: Den Untergrund säubern und die Wurzelschutzfolie verlegen
Reinigen Sie die gesamte Dachfläche gründlich mit einem Besen. Entfernen Sie spitze Steine, Äste oder andere Rückstände, welche die Dachhaut beschädigen könnten. Legen Sie nun die Wurzelschutzfolie flächig aus. Die einzelnen Bahnen sollten sich an den Stössen um mindestens 1.5 Meter überlappen, um einen sicheren Wurzelschutz zu garantieren. Ziehen Sie die Folie an den Rändern hoch.
Schritt 2: Schutzvlies und Dränageschicht ausrollen
Über der Schutzfolie wird nun das Schutzvlies verlegen. Dieses schützt die Folie vor mechanischen Einwirkungen. Direkt darauf folgt die Drainageschicht. Diese besteht meist aus profilierten Kunststoffplatten, die in ihren Vertiefungen gezielt Wasser speichern, während überschüssiges Nass ungehindert abfliessen kann.
Schritt 3: Filtervlies und Substrat gleichmässig verteilen
Rollen Sie nun die Filterschicht über die Drainageschicht aus. Auch hier sollten sich die Bahnen leicht überlappen. Nun wird die eigentliche Substratschicht aufgebracht. Verteilen Sie das Spezialsubstrat gleichmässig mit einer Schaufel und einem Rechen. Achten Sie auf eine gleichmässige Schichtdicke gemäss den Vorgaben des Herstellers, die meist bei etwa 8 bis 10 Zentimetern liegt. Um die Dachabläufe herum sollten Sie einen Streifen aus grobem Rundkies anlegen, um den Wasserabfluss freizuhalten.
Schritt 4: Die Bepflanzung – Sedum-Sprossen oder Flachballenpflanzen?
Bei der Bepflanzung haben Sie zwei bewährte Optionen zur Auswahl. Sedum-Sprossen sind kleine Pflanzenteile, die einfach lose auf dem feuchten Substrat ausgestreut und leicht angedrückt werden. Diese Methode ist äusserst kostengünstig, erfordert jedoch Geduld, bis eine geschlossene Decke entsteht. Schnellere Ergebnisse erzielen Sie mit Flachballenpflanzen. Setzen Sie hierfür etwa 15 bis 20 kleine Pflanzen pro Quadratmeter direkt in das Substrat ein. Verschiedene Sedum-Arten eignen sich hervorragend für diesen Zweck, da sie extrem widerstandsfähig gegen Frost und Hitze sind. Die richtige Methode ist für den dauerhaften Erfolg Ihrer Dachbegrünung von grosser Bedeutung.
Obwohl eine extensive Dachbegrünung als äusserst pflegeleicht gilt, kommt sie ganz ohne menschliche Unterstützung nicht aus. Besonders in der ersten Phase nach der Anlage benötigt das junge Grün Ihre Aufmerksamkeit.
Wässern in der Anwachsphase
Direkt nach dem Ausbringen der Sprossen oder dem Setzen der Pflanzen müssen Sie die gesamte Fläche intensiv wässern. In den ersten Wochen darf das Substrat niemals vollständig austrocknen, damit die Pflanzen kräftige Wurzeln bilden können. Planen Sie das Projekt daher idealerweise im Frühling oder im frühen Herbst. Sobald die Pflanzen fest angewurzelt sind, müssen Sie das Gründach im Normalfall nicht mehr künstlich bewässern. Die robusten Sedumarten überstehen selbst wochenlange Hitzeperioden unbeschadet.
Düngen und Unkrautkontrolle
Um die Vitalität der Pflanzen langfristig zu sichern, empfiehlt sich eine jährliche Düngung im Frühjahr mit einem speziellen Langzeitdünger. Gehen Sie zudem ein- bis zweimal im Jahr auf das Dach, um unerwünschten Wildwuchs zu entfernen. Flugsamen von Bäumen oder Unkräuter sollten Sie vorsichtig herausziehen. Kontrollieren Sie bei diesen halbjährlichen Pflegegängen auch gleich die Dachabläufe und befreien Sie den Kiesstreifen von Laub.
Ein typischer Fehler bei der Planung einer Dachbegrünung ist das Unterschätzen des Gesamtgewichts. Wird das maximale Gewicht im wassergesättigten Zustand falsch berechnet, drohen schwere Schäden an der Konstruktion. Sparen Sie zudem niemals an der Qualität der Wurzelschutzfolie, da nachträgliche Reparaturen an einer durchwurzelten Dachhaut extrem kostspielig sind.
In der Schweiz wird das Erstellen von Gründächern von vielen Kantonen und Gemeinden finanziell gefördert oder ist bei Neubauten sogar fest vorgeschrieben. Erkundigen Sie sich unbedingt vor dem Baubeginn bei Ihrer Gemeinde über aktuelle Fördergelder für ökologische Baumassnahmen. Oftmals reicht das Ausfüllen der Antragsformulare aus, um Beiträge an die Materialkosten zu erhalten.
Eine eigene Dachbegrünung ist ein lohnendes Projekt, das mit der richtigen Anleitung und hochwertigen Materialien problemlos in Eigenleistung umgesetzt werden kann. Sie tun damit nicht nur der Umwelt und der lokalen Artenvielfalt etwas Gutes, sondern schützen auch langfristig Ihr Gebäude. Egal, ob Sie ein Flachdach begrünen oder eine leicht geneigte Fläche wählen – der Aufwand zahlt sich aus. Besuchen Sie uns einfach in einem unserer LANDI Läden. Unsere Mitarbeiter beraten Sie gerne bei der Auswahl der passenden Werkzeuge und Materialien.
Nein, das ist leider nicht möglich. Vor jedem Projekt müssen Sie unbedingt die Tragfähigkeit des Daches durch einen Statiker oder Fachmann prüfen lassen. Ein Gründach speichert viel Regenwasser, wodurch im wassergesättigten Zustand ein hohes Zusatzgewicht entsteht, dem die Konstruktion standhalten muss. Zudem muss die bestehende Dachhaut absolut wasserdicht und wurzelfest sein, um spätere Feuchtigkeitsschäden am Gebäude zu verhindern.
Die für eine Extensivbegrünung ausgewählten Sedum-Arten sind wahre Überlebenskünstler und perfekt an extreme Witterungsbedingungen angepasst. Sie können in ihren dicken Blättern viel Feuchtigkeit speichern. Selbst nach wochenlangen Hitzeperioden im Schweizer Sommer erholen sich diese Pflanzen nach dem nächsten Regenschauer extrem schnell. Eine künstliche Bewässerung ist nach der erfolgreichen Anwachsphase deshalb im Normalfall nicht mehr nötig.
Der Aufwand hält sich sehr in Grenzen, was diese Form der Dachgestaltung besonders attraktiv für Heimwerker macht. In der Regel genügen zwei kurze Pflegegänge pro Jahr, am besten einmal im Frühling und einmal im Herbst. Dabei entfernen Sie unerwünschte Pflanzen wie angeflogene Baumsämlinge, bringen bei Bedarf etwas speziellen Langzeitdünger aus und befreien die Dachabläufe sowie den Kiesstreifen von Laub.