Wer im Sommer durch den eigenen Garten geht und die süssen, aromatischen Früchte direkt vom Strauch nascht, wünscht sich oft, das Beerenbeet wäre doppelt so gross. Doch der Kauf neuer Pflanzen im Gartencenter kann auf die Dauer ins Geld gehen, besonders wenn man eine grössere Fläche oder ein ganzes Hochbeet bestücken möchte. Zum Glück bietet die Natur eine wunderbare und vollkommen kostenlose Lösung, denn Sie können ganz einfach selbst Erdbeeren vermehren. Mit ein paar einfachen Handgriffen und dem richtigen Wissen ziehen Sie aus Ihren bestehenden Beständen kräftigen Nachwuchs für das nächste Jahr. Das schont nicht nur das Budget, sondern bereitet auch jedem Hobbygärtner eine grosse Freude.
Inhaltsverzeichnis
Die eigene Anzucht von Beerenpflanzen bringt entscheidende Vorteile für Ihren Garten mit sich. Erstens wissen Sie bei der eigenen Nachzucht ganz genau, dass die Jungpflanzen optimal an das spezifische Mikroklima und die Bodenverhältnisse in Ihrer Region angepasst sind. Wenn Sie in Ihren Beeten bereits vitale und ertragreichen pflanzen besitzen, die jedes Jahr verlässliche Erträge liefern, können Sie diese positiven Eigenschaften durch die gezielte Vermehrung eins zu eins an die nächste Generation weitergeben. Es ist eine der dankbarsten Aufgaben im gesamten Gartenjahr, den Lebenszyklus der eigenen Erdbeerpflanzen von der ersten zarten Wurzelbildung an zu begleiten. Ausserdem macht es stolz, im kommenden Jahr Früchte von Pflanzen zu ernten, die man komplett selbst herangezogen hat.
Erdbeeren haben im Laufe der Evolution eine hocheffiziente Strategie entwickelt, um sich ohne menschliches Zutun rasant auszubreiten. Nach der sommerlichen Blütezeit und parallel zur Fruchtreife beginnen die Pflanzen, lange, peitschenartige Triebe zu bilden. Diese oberirdischen Ausläufer, auch ranken genannt, wachsen flach über den Boden weg von der Mutterpflanze. An den Knotenpunkten dieser Triebe bilden sich im Laufe der Wochen kleine Blattrosetten, die sogenannten Kindel. Sobald diese Rosetten den feuchten Boden berühren, treiben sie innerhalb kürzester Zeit eigene Wurzeln aus. Für die meisten bekannten Kulturerdbeersorten ist dies der primäre Weg, um sich auszubreiten, während andere Arten, wie etwa wilde Walderdbeeren oder spezielle Monatserdbeeren, oft kompaktere Horste bilden und einen etwas anderen Rhythmus pflegen.
Für die erfolgreiche Gewinnung neuer Pflanzen ist der Spätsommer der beste Zeitpunkt, um aktiv zu werden. Genauer gesagt liegt das ideale Zeitfenster zwischen Juli und Anfang August, direkt nach der Haupterdbeerernte. Zu diesem Zeitpunkt haben die Mutterpflanzen noch genügend Kraft, um die Ableger optimal mit Nährstoffen zu versorgen. Zudem sind die Tage lang und warm genug, damit die neuen Erdbeerpflanzen vor dem Einbruch des Winters ein ausreichend starkes Wurzelsystem im Boden aufbauen können. Wer diesen Zeitraum im Kalender optimal nutzt, sorgt dafür, dass die Jungpflanzen kräftig genug werden, um den winterlichen Frost unbeschadet zu überstehen.
Die Nutzung von Ausläufern ist die mit Abstand einfachste Methode, wenn Sie im Garten Erdbeeren vermehren möchten. Da die Natur hierbei den Grossteil der Arbeit übernimmt, eignet sich dieses Verfahren hervorragend für Einsteiger und erfahrene Gärtner gleichermassen.
Die Auswahl der Mutterpflanze: Kraft und Gesundheit zählen
Nicht jeder Ableger sollte blind für die Weiterzucht verwendet werden. Wählen Sie ausschliesslich gesunde, kräftige Mutterpflanzen aus, die in der vergangenen Saison besonders viele Früchte getragen haben. Achten Sie penibel darauf, dass die ausgewählte Erdbeerpflanze absolut frei von Krankheiten ist. Pflanzen, die Anzeichen von hartnäckigen Pilzkrankheiten oder einen Befall durch schädliche Nematoden zeigen, scheiden für die Vermehrung konsequent aus, da sich diese Schwächen sonst direkt auf die neue Generation übertragen würden.
Schritt für Schritt: Die Kindel erfolgreich bewurzeln
Um die Bewurzelung der Erdbeerableger optimal zu steuern, hat sich das gezielte Einwurzeln in kleinen Gefässen bewährt. Suchen Sie sich die kräftigsten Ausläufer, die direkt von der Mutterpflanze abgehen. Verwenden Sie vorzugsweise nur das erste Kindel an der Ranke, da dieses am besten mit Nährstoffen versorgt wird und die grösste Vitalität besitzt. Weiter hinten liegende Rosetten an demselben Trieb sollten Sie mit einer scharfen Schere abschneiden, damit die gesamte Energie der Pflanze in diese eine Jungpflanze fliesst. Fixieren Sie das kleine Kindel vorsichtig auf dem Boden, damit es stabilen Erdkontakt hat.
Der richtige Topf und das ideale Substrat für Jungpflanzen
Anstatt die Ableger direkt im harten Gartenboden festwachsen zu lassen, können Sie kleine Töpfe mit Erde füllen und diese direkt im Erdbeerbeet versenken.
Trennung von der Mutterpflanze: Den richtigen Moment abpassen
Nach etwa vier bis sechs Wochen haben die jungen Erdbeerableger genügend eigene Wurzeln gebildet. Sie erkennen den richtigen Moment daran, dass die Pflanze bei einem leichten Zug Widerstand leistet und frische, grüne Blätter aus der Mitte treibt. Nun ist es Zeit für die endgültige Trennung: Schneiden Sie die Verbindungslinie zur Mutterpflanze mit einer scharfen Gartenschere glatt durch. Die neue Erdbeerpflanze ist ab jetzt komplett selbstständig. Lassen Sie sie noch ein paar Tage im Topf anwachsen, bevor Sie sie an ihren endgültigen Bestimmungsort, zum Beispiel in ein neues Beet oder ein Hochbeet, umpflanzen.
Es gibt Erdbeersorten, die genetisch bedingt kaum oder gar keine Ausläufer bilden. Hierzu gehören viele beliebte Monatserdbeeren sowie einige spezielle Kletter- und Hängeerdbeeren. Um diese Pflanzen erfolgreich zu vermehren, greift man auf die klassische Methode der Stockteilung zurück.
Wann eine Teilung des Wurzelstocks sinnvoll ist
Die Teilung des Wurzelstocks ist dann sinnvoll, wenn die älteren Pflanzen im Laufe der Jahre zu dichten, klobigen Horsten herangewachsen sind und der Fruchtertrag spürbar nachlässt. Durch das Teilen verjüngen Sie die erdbeerpflanzen und regen sie zu neuem Wachstum an. Der beste Zeitpunkt hierfür ist entweder der frühe Frühling vor dem Neuaustrieb oder der Spätsommer direkt nach dem Ende der Erntezeit.
Anleitung zur schonenden Wurzelteilung
Graben Sie die gesamte Pflanze vorsichtig mit einer Grabgabel aus dem Erdbeerbeet aus. Schütteln Sie die lose Erde von den Wurzeln ab, um die einzelnen Teilstücke besser zu erkennen. Ziehen Sie den Wurzelstock nun vorsichtig mit den Händen oder mithilfe eines scharfen Messers in mehrere Stücke. Jedes neue Teilstück muss zwingend über ein intaktes Herz, also die Blattrosetten-Basis, und ausreichend gesunde, helle Wurzeln verfügen. Pflanzen Sie diese neuen pflanzen anschliessend sofort wieder in gut gelockerte Erde ein und giessen Sie sie kräftig an.
Die Anzucht aus Samen ist zwar die zeitaufwendigste Variante, bietet aber die wunderbare Möglichkeit, seltene Erdbeersorten kennenzulernen, die man nicht als fertige Jungpflanzen in den Geschäften findet.
Samen gewinnen oder kaufen?
Sie können Erdbeersamen entweder im Fachhandel erwerben oder im Sommer von besonders reifen, geschmacksintensiven Früchten im eigenen Garten selbst gewinnen. Streichen Sie dazu die kleinen Nüsschen, die sich auf der Aussenhaut der Erdbeere befinden, vorsichtig mit einem Messer ab und lassen Sie sie auf einem Stück Küchenpapier gründlich trocknen.
Lichtkeimer und Kältereiz: Was Sie bei der Aussaat beachten müssen
Erdbeersamen sind botanisch gesehen Lichtkeimer. Das bedeutet, dass Sie die Samen bei der Aussaat im frühen Frühjahr auf der feuchten anzuchterde nur ganz leicht andrücken, aber keinesfalls mit Erde bedecken dürfen. Zudem benötigen viele Wild- und Kultursorten vorab einen Kältereiz, um die natürliche Keimhemmung zu brechen. Stellen Sie die Saatschale dafür für ein paar Tage in den Kühlschrank, bevor Sie sie an einen warmen, hellen Ort auf der Fensterbank platzieren. Halten Sie das Substrat mit einer Sprühflasche gleichmässig feucht, bis sich nach einigen Wochen die ersten Keimlinge zeigen. Sobald die jungen pflanzen gross genug sind, werden sie in kleine Töpfe pikiert, damit sie sich zu kräftigen erdbeer-pflanzen entwickeln können.
Damit die frisch gewonnenen Ableger von Erdbeeren im nächsten Jahr für eine reiche Ernte sorgen, benötigen sie in den ersten Wochen im neuen Beet eine aufmerksame Pflege. Die zarten Wurzeln müssen sich erst im neuen Substrat etablieren und festigen.
Bewässerung und Standortwahl für den Nachwuchs
Frisch eingepflanzte neue Erdbeerpflanzen reagieren extrem empfindlich auf Trockenheit. Giessen Sie die Jungpflanzen regelmässig, aber vermeiden Sie Staunässe, da die feinen Wurzeln sonst schnell faulen. Wählen Sie einen sonnigen bis halbschattigen Standort im Garten. Ein nährstoffreicher, humoser Boden ist ideal. Um den Boden fruchtbar zu machen, können Sie vor dem Pflanzen etwas reifen Kompost oder einen hochwertigen organischen Dünger flach in die Erde einarbeiten.
Achten Sie zudem auf eine gute Nachbarschaft im Beet: Während Pflanzen wie Schnittlauch, Radieschen, Dill und Ringelblumen wunderbare Partner sind, die schädliche Nematoden fernhalten, sollten Sie Erdbeeren niemals in der Nähe von stark zehrenden Gewächsen wie Rhododendron oder grossen Pfingstrosen platzieren. Auch der Abstand zu anderen Beerensträuchern wie Himbeeren sollte eingehalten werden, um die Übertragung von Krankheiten zu vermeiden. Ein gesundes Mulchen mit Stroh oder Holzwolle schützt die reifenden Früchte später vor Fäulnis und hält die Feuchtigkeit im Boden.
Überwinterung: So kommen die jungen Pflanzen sicher durch den Frost
Obwohl etablierte Erdbeeren im Allgemeinen absolut winterhart sind, benötigen frisch gepflanzte Ableger von Erdbeeren in ihrem ersten Winter einen leichten Schutz. Wenn Sie die jungen Erdbeeren im Topf Pflanzen oder in Kübeln auf dem Balkon halten, sollten Sie die Gefässe mit Vlies oder Luftpolsterfolie umwickeln, um das vollständige Durchfrieren des Wurzelballens zu verhindern. Im Erdbeerbeet schützt eine lockere Schicht aus Tannenreisig, Laub oder strohigem mulch die empfindlichen Pflanzenherzen vor eisigen Winden und starken Barfrösten. Sobald das kommende Jahr anbricht und die ersten warmen Sonnenstrahlen den Boden erwärmen, entfernen Sie den Schutz, damit die Pflanzen kräftig austreiben können.
Es kann vorkommen, dass trotz grosser Mühe einige Ableger nicht richtig anwachsen wollen oder nach dem Pflanzen verkümmern. Oft liegt das an kleinen Pflegefehlern, die sich leicht vermeiden lassen. Wenn Sie Erdbeeren vermehren, achten Sie darauf, die Verbindung zur Mutterpflanze nicht zu früh zu trennen. Das Kindel braucht die Versorgung durch die Hauptpflanze so lange, bis es ein eigenständiges, dichtes Wurzelsystem ausgebildet hat. Ein weiterer häufiger Fehler ist eine zu tiefe Pflanzung: Das Herz der erdbeerpflanze muss immer knapp über der Erdoberfläche liegen. Wird es komplett mit Erde bedeckt, beginnt es schnell zu faulen und die Pflanze geht ein. Schliesslich sollten Sie darauf verzichten, junge Erdbeeren direkt intensiv mit mineralischem Dünger zu füttern. Setzen Sie stattdessen lieber auf behutsames Düngen mit schonendem, organischem Dünger, um die Wurzelbildung sanft anzuregen.
Das jährliche Erdbeeren vermehren ist eine ebenso einfache wie befriedigende Arbeit, die jedem Hobbygärtner maximale Erträge bei minimalem finanziellem Aufwand beschert. Mit den gezeigten Methoden nutzen Sie die natürliche Kraft der Pflanzen optimal aus und erweitern Ihren Beerenbestand von Jahr zu Jahr völlig kostenlos. Ob über kräftige Ableger, durch die gezielte Teilung alter Horste oder die spannende Aussaat – der Lohn für Ihre Mühe sind süsse, aromatische Früchte aus dem eigenen Garten. In den LANDI Läden finden Sie das passende Zubehör von der nährstoffreichen anzuchterde über robuste kleine Töpfe bis hin zu organischen Düngemitteln, um Ihr Erdbeerbeet erfolgreich zu vergrössern und sich auf die nächste reiche Erdbeerernte vorzubereiten.
Das jährliche Erdbeeren vermehren ist eine ebenso einfache wie befriedigende Arbeit, die jedem Hobbygärtner maximale Erträge bei minimalem finanziellem Aufwand beschert. Mit den gezeigten Methoden nutzen Sie die natürliche Kraft der Pflanzen optimal aus und erweitern Ihren Beerenbestand von Jahr zu Jahr völlig kostenlos. Ob über kräftige Ableger, durch die gezielte Teilung alter Horste oder die spannende Aussaat – der Lohn für Ihre Mühe sind süsse, aromatische Früchte aus dem eigenen Garten. In den LANDI Läden finden Sie das passende Zubehör von der nährstoffreichen anzuchterde über robuste kleine Töpfe bis hin zu organischen Düngemitteln, um Ihr Erdbeerbeet erfolgreich zu vergrössern und sich auf die nächste reiche Erdbeerernte vorzubereiten.
Ja, das ist möglich, allerdings ist der Spätsommer der natürlichere und ertragreichere Zeitpunkt. Im Frühling gepflanzte Ableger konzentrieren ihre Energie im ersten Jahr meist auf das vegetative Wachstum und die Ausbildung von Blättern und Wurzeln, weshalb die Erdbeerernte im selben Sommer meist noch recht bescheiden ausfällt. Eine Pflanzung im August sichert Ihnen hingegen bereits im darauffolgenden Jahr volle Erträge.
Um die Mutterpflanze nicht übermässig zu schwächen, sollten Sie pro Pflanze nicht mehr als drei bis vier Ranken stehen lassen. Wählen Sie an jeder Ranke zudem nur das erste, kräftigste Kindel aus. Wenn Sie konsequent auf diese Weise Erdbeeren vermehren, erhalten Sie pro Pflanze drei bis vier extrem vitale, gesunde neue pflanzen und sichern gleichzeitig das Überleben der Mutterpflanze.
Erdbeerpflanzen gehören zu den Gewächsen, deren Ertragskraft nach etwa drei bis vier Jahren von Natur aus stark nachlässt. Aus diesem Grund ist es ratsam, regelmässig über Ableger von Erdbeeren für Verjüngung im Beet zu sorgen. Durch eine kontinuierliche Neupflanzung an einem anderen Standort im Garten umgehen Sie die Bodenmüdigkeit und sichern sich Jahr für Jahr dauerhaft hohe Erträge.
Obwohl Erdbeeren Sonnenanbeter sind, sollten frisch von der Mutterpflanze getrennte Ableger in den ersten Tagen nach dem Umtopfen vor extrem starker Mittagssonne geschützt werden. Da ihr eigenes Wurzelsystem noch klein ist, können sie an heissen Tagen viel Feuchtigkeit über die Blätter verlieren. Ein leicht schattiger Platz für drei bis fünf Tage hilft den Jungpflanzen, den Trennungsstress zu überwinden, bevor sie an ihren endgültigen, sonnigen Platz im Erdbeerbeet umziehen.