Wenn im Spätsommer die Äpfel und Birnen an den Bäumen hängen und die Äste sich unter der Last biegen, stellt sich für viele Schweizer Gartenbesitzer die Frage nach der richtigen Verwertung. Das traditionelle Handwerk des Mostens erlebt in den heimischen Gärten eine verdiente Renaissance, da immer mehr Menschen den reinen Geschmack schätzen. Wer sich dafür entscheidet, den Saft aus den eigenen Früchten zu pressen, stellt rasch fest, wie viel Freude diese Arbeit macht. Das selber Mosten ist ein wunderbares Erlebnis für die ganze Familie, bei dem am Ende ein gesundes Naturprodukt herauskommt. Ähnlich wie das gemeinschaftliche Traumfänger basteln mit Kindern im Frühling bietet dieses herbstliche Vorhaben eine sinnvolle Beschäftigung an der frischen Luft.
Für einen ausgewogenen Geschmack braucht es das perfekte Verhältnis von Süsse und Säure. Alte Schweizer Hochstammsorten eignen sich besonders gut für die heimische Verarbeitung. Saure Mostäpfel liefern die nötige Frische, während süsse Tafeläpfel für das volle Aroma sorgen. Auch reife Birnen können beigemischt werden, um den Saft milder zu machen, allerdings sollte ihr Anteil nicht zu hoch sein, da der Saft sonst schnell trüb wird und an Haltbarkeit verliert.
Die Früchte sollten vollreif sein, denn nur dann haben sie den höchsten Zuckergehalt und das beste Aroma entwickelt. Unreife Früchte machen das Getränk herb und sauer, während überreife Früchte zu weich sind und sich nur schwer pressen lassen. Sie erkennen die perfekte Reife ganz einfach daran, dass sich die kleinen Kerne im Inneren der Frucht bereits braun gefärbt haben.
Beim Einsammeln unter den Bäumen ist grosse Sorgfalt geboten, wenn Sie im Herbst erfolgreich selber Mosten möchten. Leicht beschädigte Früchte oder Druckstellen sind überhaupt kein Problem, solange sie frisch sind und keine Fäulnis aufweisen. Früchte mit faulen Stellen, Schimmel oder starkem Insektenbefall müssen konsequent aussortiert werden, da bereits eine einzige schlechte Stelle den Geschmack des gesamten Safts dauerhaft verderben kann.
Die Früchte müssen vor der Weiterverarbeitung gründlich gereinigt werden. Waschen Sie die Früchte in einer grossen Wanne mit klarem Wasser, um Erde, Blätter und kleine Insekten restlos zu entfernen. Sauberes Arbeiten im Vorfeld verhindert, dass unerwünschte Wildhefen oder Bakterien den Saft vorzeitig verderben lassen.
Die Äpfel und Birnen können nicht im Ganzen gepresst werden, da die Saftausbeute minimal wäre. Durch das Zerkleinern entsteht die sogenannte Maische. Die Stücke dürfen weder zu gross noch zu breiig sein. Ein feiner, schrotartiger Zustand ist ideal, damit die Saftzellen optimal aufbrechen und die Flüssigkeit beim anschliessenden Pressen frei fliessen kann.
Für die Zerkleinerung leistet eine mechanische oder elektrische Fruchtpresse grossartige Dienste. Bei der Arbeit in der eigenen Werkstatt benötigt man folgendes Werkzeug:
Wer grössere Mengen verarbeitet und nicht alles von Hand selber Mosten will, greift zur elektrischen Variante, die viel Zeit und Muskelkraft spart.
Je nach Menge der Ernte stehen verschiedene Presssysteme zur Auswahl. Beim schonenden Mosten kommen oft klassische Spindelpressen aus Holz oder Edelstahl zum Einsatz, bei denen der Druck mechanisch über eine Spindel aufgebaut wird. Eine moderne Hydropresse nutzt hingegen den reinen Wasserdruck aus der Leitung, um das Obst über eine Gummimembran gleichmässig auszupressen, was extrem effizient ist.
Die frisch gemahlene Maische wird schichtweise in das Presstuch gefüllt, das im Presskorb liegt. Das Tuch hält die festen Bestandteile, den sogenannten Trester, zurück und lässt nur den reinen Saft durch. Erhöhen Sie den Druck langsam und gleichmässig, damit die Flüssigkeit ausreichend Zeit hat abzufliessen, ohne dass das Tuch beschädigt wird.
Der frisch gepresste Saft wird in einem sauberen Behälter aufgefangen. Um grobe Schwebestoffe direkt zu entfernen, empfiehlt sich das Sieben durch ein feines Passiertuch oder ein engmaschiges Sieb. Der so gewonnene Süssmost kann sofort frisch getrunken werden und schmeckt herrlich erfrischend.
Frischer Saft beginnt ohne Behandlung nach wenigen Tagen zu gären. Um den Süssmost über viele Monate haltbar zu machen, wird er pasteurisiert. Dabei erhitzt man den Saft für wenige Minuten auf genau 75 bis 80 Grad Celsius, um Hefen abzutöten, ohne die Vitamine komplett zu zerstören.
Nach dem Erhitzen muss der Saft vollkommen luftdicht abgefüllt werden. Das praktische Bag-in-Box-System hat sich in der Schweiz durchgesetzt, da der Saft im Plastikbeutel auch nach dem Anbrechen vakuumverpackt bleibt. Alternativ eignen sich sterile Glasflaschen mit einem dichten Gummiverschluss.
Wer den Saft nicht erhitzt, kann daraus einen traditionellen sauren Most herstellen. Dafür füllt man den frischen Saft nach dem Mosten in ein sauberes Gärfass und versieht es mit einem Gärspund. Über die kalten Wintermonate wandeln die natürlichen Hefen den enthaltenen Zucker in Alkohol um.
Die grösste Gefahr beim Mosten sind mangelnde Hygiene und klebrige Rückstände an den Geräten. Essigbakterien lauern überall in der Luft und können den edlen Saft ungeniessbar machen. Alle Gefässe und Schläuche müssen vor dem Einsatz gründlich gereinigt werden.
Warten Sie mit dem Putzen nicht, bis die Reste eingetrocknet sind. Spülen Sie Presstücher, Obstmühle und Kelter direkt nach dem letzten Durchgang mit reichlich heissem Wasser ab. Auf Seife sollte verzichtet werden, um den Geschmack des nächsten Safts nicht negativ zu beeinflussen.
Das Verarbeiten der eigenen Ernte schont wertvolle Ressourcen und bringt den unverfälschten Geschmack der Natur direkt in den eigenen Vorratskeller. Mit der richtigen Vorbereitung und sauberen Arbeitsabläufen ist der Weg zum eigenen Naturprodukt ein voller Erfolg. Hochwertige Pressen, Obstmühlen und praktisches Zubehör für das nächste Mosten finden Sie in den LANDI Läden in Ihrer Region.
Als Faustregel gilt, dass man aus 100 Kilogramm reifer Maische je nach verwendeter Presse etwa 60 bis 75 Liter frischen Saft gewinnen kann.
In ungeöffneten Bag-in-Box-Beuteln hält sich der schonend erhitzte Saft problemlos über ein Jahr, sodass Sie bis zur nächsten Ernte optimal versorgt sind.
Für ein kontrolliertes Ergebnis empfiehlt sich die optionale Zugabe von Reinzuchthefe, obwohl auch eine Spontangärung durch die natürlichen Hefen auf der Schale möglich ist.