Kaum ist das Wetter schöner geworden, zieht es uns alle nach draussen – in den Garten, in den Wald, auf die Wiese. Doch genau dort lauert eine kleine Gefahr, die man leicht übersieht: Zecken. Die winzigen Blutsauger sind in der Schweiz weit verbreitet und können im schlimmsten Fall ernsthafte Krankheiten übertragen. Wer weiss, wie man sich schützt, richtig kontrolliert und im Ernstfall handelt, kann das Risiko deutlich senken – für sich selbst und für die eigenen Tiere.
Wer nach einem Waldspaziergang zu Hause die Kleidung auszieht und am Bein oder in der Kniekehle eine kleine dunkle Erhebung entdeckt, kennt das ungute Gefühl. Eine Zecke hat sich festgebissen. Zum Glück führt nicht jeder Zeckenstich zu einer Erkrankung – aber das Risiko ist real. In der Schweiz sind Zecken nicht nur ein Ärgernis für Mensch und Tier, sondern auch ein ernst zu nehmendes Gesundheitsthema. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, was Sie über Zecken wissen müssen, wie Sie sich und Ihre Tiere schützen und wie Sie nach einem Stich richtig handeln.
Zecken gehören zur Klasse der Spinnentiere und sind damit enger mit Spinnen und Milben verwandt als mit Insekten. In der Schweiz gibt es mehrere Zeckenarten, doch mit Abstand am häufigsten begegnet uns der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Diese Zeckenart ist der wichtigste Überträger von Krankheitserregern hierzulande.
Eine Zecke durchläuft in ihrem Leben mehrere Entwicklungsstadien: Larve, Nymphe und ausgewachsenes Tier. Alle drei Stadien saugen Blut – an Menschen und Tieren gleichermassen. Nymphen sind besonders tückisch, da sie winzig sind und oft unbemerkt bleiben. Erst nach einer Blutmahlzeit verlässt die Zecke ihren Wirt wieder.
Zecken suchen ihren Wirt nicht aktiv aus der Luft – sie fallen nicht von Bäumen, wie oft behauptet wird. Stattdessen sitzen sie auf Grashalmen, in Büschen und im niederen Unterholz und warten, bis ein Mensch oder ein Tier vorbei strollt. Dieses Verhalten nennt man «lauern».
Zecken mögen es feucht und gemässigt warm. In der Schweiz sind sie typischerweise von Februar bis November anzutreffen, mit den Aktivitätsspitzen im Frühsommer (Mai/Juni) und im Herbst (September/Oktober). Bei Temperaturen über etwa 7 Grad Celsius werden sie aktiv.
Besonders häufig findet man Zecken:
Für Menschen bedeutet das: Ob beim Wandern, Gärtnern, Picknicken oder beim Spaziergang mit dem Hund – überall dort, wo niedrige Vegetation vorhanden ist, kann eine Zecke lauern. Auch Haustiere, insbesondere Hunde und Katzen, tragen Zecken oft unbemerkt nach Hause.
Nicht jede Zecke ist mit Krankheitserregern infiziert – aber die Möglichkeit besteht. Die zwei wichtigsten durch Zecken übertragenen Krankheiten in der Schweiz sind:
Die Lyme-Borreliose wird durch Bakterien der Art Borrelia burgdorferi verursacht. Diese Borrelien können schon kurze Zeit nach dem Stich übertragen werden. Typisches Frühzeichen ist eine kreisförmige Hautrötung um die Stichstelle, die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans). Ohne Behandlung mit Antibiotika kann die Erkrankung Gelenke, das Nervensystem und das Herz befallen. Gegen Lyme-Borreliose gibt es derzeit keine zugelassene Impfung für den Menschen – konsequenter Schutz und frühzeitige Erkennung sind deshalb entscheidend. Hunde können ebenfalls an Borreliose erkranken; für sie ist eine Impfung verfügbar.
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis ist eine durch FSME-Viren ausgelöste Gehirn- und Hirnhautentzündung. FSME wird durch den Stich infizierter Zecken übertragen, meist bereits kurz nach dem Ansetzen. Das Virus kommt nicht überall in der Schweiz gleich häufig vor – das Bundesamt für Gesundheit (BAG) veröffentlicht regelmässig eine Zeckenkarte mit den aktuellen FSME-Risikogebieten. Wer in einem Risikogebiet lebt oder sich dort aufhält, sollte die FSME-Impfung ernsthaft in Betracht ziehen. Eine wirksame FSME-Impfung steht zur Verfügung und wird vom Bundesamt für Gesundheit für Personen in FSME-Risikogebieten empfohlen.
Neben Borreliose und FSME können Zecken in der Schweiz auch weitere Krankheiten übertragen, darunter Anaplasmose, Babesiose und in seltenen Fällen Tularämie (verursacht durch Francisella tularensis). Diese sind weniger häufig, aber nicht zu vernachlässigen – insbesondere bei Tieren, die stark von Zecken befallen werden.
Vorbeugung ist der beste Zeckenschutz. Mit ein paar einfachen Massnahmen lässt sich das Risiko eines Zeckenstichs erheblich reduzieren.
Wer in einem FSME-Risikogebiet wohnt oder regelmässig Zeit in der Natur verbringt, sollte die Möglichkeit einer FSME-Impfung nutzen. Die Grundimmunisierung besteht aus drei Impfungen, danach sind Auffrischungen alle drei bis fünf Jahre notwendig. Die FSME-Impfung ist die einzige Massnahme, die sicher vor einer FSME-Erkrankung schützt – alle anderen Schutzmassnahmen reduzieren lediglich das Risiko eines Zeckenstichs. Für Kinder, Erwachsene und Senioren gleichermassen empfehlenswert. Ihr Hausarzt oder Ihre Hausärztin berät Sie gern.
Auch für Tiere gibt es Möglichkeiten des langfristigen Schutzes. Für Hunde ist eine Impfung gegen Lyme-Borreliose verfügbar und wird besonders für Tiere empfohlen, die sich regelmässig in Waldgebieten oder hohem Gras aufhalten. Eine FSME-Impfung für Hunde existiert hingegen nicht – hier sind konsequente Zeckenschutzmittel wie Spot-ons, Halsbänder oder Tabletten die wichtigste Gegenmassnahme. Katzen reagieren empfindlich auf bestimmte Wirkstoffe; lassen Sie sich deshalb vom Tierarzt beraten, welche Präparate für Ihre Katze geeignet sind. Regelmässige tierärztliche Kontrollen, besonders in der Zeckensaison, sind für alle Haustiere sinnvoll.
Nach jedem Ausflug in die Natur gilt: Körper gründlich absuchen. Zecken bevorzugen warme, feuchte Körperstellen:
Kleine Zecken – besonders Nymphen – sind kaum grösser als ein Stecknadelkopf. Tasten Sie sich auch nach einer kurzen Pause im Freien regelmässig ab.
Je früher eine Zecke entfernt wird, desto besser. Bei der Lyme-Borreliose sinkt das Übertragungsrisiko, wenn die Zecke innerhalb weniger Stunden entfernt wird. Bei FSME kann das Virus allerdings sehr schnell übertragen werden.
So entfernen Sie eine Zecke richtig:
Verwenden Sie keine Hausmittel wie Öl, Klebstoff, Nagellack oder Alkohol – diese reizen die Zecke und können dazu führen, dass sie mehr Speichel oder Mageninhalt in die Wunde abgibt, was das Infektionsrisiko erhöht. Die Mundwerkzeuge einer Zecke sitzen tief in der Haut; falls kleine Teile zurückbleiben, heilt die Haut in der Regel von selbst.
Nicht jeder Zeckenstich erfordert einen Arztbesuch. Aber in folgenden Fällen sollten Sie unbedingt medizinische Hilfe suchen:
Bei Tieren zeigen sich Symptome ähnlich: Lethargie, Fieber, Fressunlust, Lahmheit oder neurologische Ausfälle. Bei Verdacht sofort zum Tierarzt.
Informieren Sie Ihren Arzt immer über den Zeckenstich, das Datum und ob Sie sich in einem FSME-Risikogebiet aufgehalten haben.
Mit den richtigen Gewohnheiten lässt sich das Zeckenrisiko im Alltag deutlich reduzieren. Diese Tipps helfen Ihnen, Mensch und Tier noch besser zu schützen:
Rund um Zecken halten sich hartnäckig einige Missverständnisse – und genau diese Fehler können das Risiko einer Infektion unnötig erhöhen. Was Sie unbedingt vermeiden sollten:
Zecken sind ein realer Teil unseres Alltags in der Schweiz – aber kein Grund zur Panik. Wer sich mit dem Thema auseinandersetzt, die richtigen Schutzmassnahmen trifft und nach Aufenthalten im Freien konsequent kontrolliert, senkt das Risiko erheblich. Besonders die FSME-Impfung ist für alle Menschen in Risikogebieten eine klare Empfehlung. Für den Rest gilt: gute Kleidung, ein wirksames Zeckenspray, eine Zeckenzange im Gepäck – und regelmässige Körperkontrolle, auch bei den Haustieren.
Im LANDI-Sortiment finden Sie verschiedene Produkte für den Zeckenschutz: von Zeckensprays über Zeckenzangen bis hin zu Schutzmitteln für Hunde und Katzen. Schauen Sie vorbei – unsere Mitarbeitenden beraten Sie gern.
Zecken sind potenziell gefährlich, weil sie Krankheitserreger wie Borrelien (Borreliose) und FSME-Viren übertragen können. Nicht jede Zecke ist infiziert, und nicht jeder Zeckenstich führt zu einer Erkrankung. Das individuelle Risiko hängt von der Region, der Jahreszeit und dem eigenen Verhalten ab. In FSME-Risikogebieten ist die Impfung der wirksamste Schutz.
Wissenschaftlich ist nicht eindeutig belegt, dass bestimmte Blutgruppen Zecken stärker anziehen. Bekannt ist hingegen, dass Körperwärme, Atemluft (CO₂) und Körpergeruch Zecken auf ihren Wirt aufmerksam machen. Menschen, die sich viel in der Natur aufhalten und wenig Schutzkleidung tragen, werden schlicht häufiger gestochen.
Zecken sind kälteempfindlich, aber nicht vollständig inaktiv im Winter. Sobald die Temperaturen über etwa 7 Grad Celsius steigen, können Zecken aktiv werden – was in der Schweiz auch an milden Wintertagen vorkommen kann. Eine ganzjährige Grundvorsicht ist deshalb sinnvoll.
Entfernte Zecken sollten nicht einfach zerdrückt werden – dabei könnten Krankheitserreger auf die Hände übertragen werden. Empfehlenswert ist es, die Zecke in einem verschlossenen Behälter oder Klebeband aufzubewahren, bis keine Symptome mehr auftreten. Danach kann sie im Haushaltsmüll entsorgt werden.
Das Risiko variiert je nach Erreger: Je nach Region sind zwischen 5 und 30 Prozent der Zecken in der Schweiz sind mit Borrelien infiziert, aber nicht jeder Stich führt zu einer Erkrankung. FSME-infizierte Zecken kommen nur in bestimmten FSME-Risikogebieten vor, und auch dort ist nicht jede Zecke Träger des Virus. Schnelles Entfernen der Zecke und konsequenter Zeckenschutz senken das Risiko deutlich.