
Abgewohnte Wände, ein müdes Badezimmer oder Böden mit Geschichte: Wer sein Zuhause renovieren möchte, steht vor vielen Fragen. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Ihre Renovation in der Schweiz planen, umsetzen und dabei Kosten, Sicherheit und Recht im Griff behalten.
Die Küche hat ihre besten Jahre hinter sich, im Wohnzimmer blättert die Farbe ab und das Bad erinnert noch an die Siebzigerjahre – kommt Ihnen das bekannt vor? Dann ist es Zeit, Ihr Zuhause aufzufrischen. Renovieren bedeutet, Räume neu herzurichten, kleine Schäden auszubessern und den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen oder zu verschönern. Davon zu unterscheiden sind das Sanieren, bei dem Sie grössere Schäden beheben und die Bausubstanz instand setzen, sowie das Modernisieren, das den Wohnkomfort gezielt auf den heutigen Stand bringt – etwa mit besserer Energieeffizienz.
Ob Sie nur die Wände streichen oder gleich mehrere Räume umgestalten und neu gestalten möchten: Mit der richtigen Vorbereitung gelingt vieles in Eigenregie. Und das Resultat lohnt sich, denn schon eine kleine Renovation verbessert das Wohngefühl spürbar.
Bevor Sie zum Pinsel greifen, lohnt sich ein Rundgang durch die eigenen vier Wände. Notieren Sie, was Sie stört, was defekt ist und was Sie sich wünschen. Daraus entsteht eine Prioritätenliste: Was ist dringend, was ist «nice to have»? Legen Sie anschliessend die Reihenfolge fest. Bewährt hat sich das Prinzip von oben nach unten und von grob nach fein – also zuerst Decke und Wände, dann der Boden, zum Schluss die Details.
Die Kosten hängen stark davon ab, ob Sie selbst Hand anlegen oder Fachleute beauftragen. Als grobe Richtwerte für die Schweiz gelten:
Planen Sie immer eine Reserve von 10 bis 20 Prozent ein, denn Überraschungen gehören bei jeder Renovation dazu. Holen Sie bei grösseren Arbeiten mindestens zwei bis drei Offerten ein und vergleichen Sie nicht nur den Preis, sondern auch den Leistungsumfang.
Eine gute Vorbereitung spart Zeit und Nerven. Räumen Sie die betroffenen Zimmer so weit wie möglich aus, decken Sie Böden und Möbel ab und kleben Sie Sockelleisten, Fensterrahmen und Steckdosen sorgfältig ab. Schalten Sie bei Arbeiten in der Nähe von Leitungen den Strom aus und prüfen Sie mit einem Leitungssucher, wo Strom- und Wasserleitungen verlaufen.
Beim Thema Sicherheit gilt in der Schweiz besondere Vorsicht:
Mit der richtigen Grundausstattung kommen Sie bei den meisten Renovationsarbeiten weit:
Beim Material lohnt sich Qualität: Eine gute Wandfarbe deckt besser und Sie sparen sich den zweiten Anstrich. Achten Sie auf emissionsarme Produkte mit anerkannten Umweltlabels, besonders in Schlafräumen. Berechnen Sie den Bedarf vorgängig – die Quadratmeterangaben auf den Gebinden helfen dabei – und kaufen Sie lieber etwas zu viel als zu wenig, damit Farbtöne nicht aus verschiedenen Chargen gemischt werden müssen.
Der Klassiker unter den Schönheitsreparaturen. Entscheidend ist der Untergrund: Löcher und Risse zuerst verspachteln, glatt schleifen, stark saugende Flächen grundieren. Erst dann folgt der Anstrich – zuerst die Ecken und Kanten mit dem Pinsel, dann die Flächen mit der Rolle, immer nass in nass. Wer tapezieren möchte, entfernt alte Tapeten vollständig und prüft, ob der Untergrund tragfähig ist.
Kleinere Schadstellen im Wandverputz lassen sich mit Fertigspachtelmasse gut selbst ausbessern. Grössere Flächen neu zu verputzen erfordert Übung; hier darf es ruhig ein erster Versuch im Keller oder in der Garage sein, bevor Sie sich ans Wohnzimmer wagen.
Massivparkett lässt sich mehrfach abschleifen und neu versiegeln oder ölen – so können Sie einen alten Boden überholen, statt ihn zu ersetzen. Laminat und Klickvinyl sind dankbare Beläge für Heimwerkerinnen und Heimwerker: Sie werden schwimmend verlegt und brauchen lediglich eine saubere, ebene Unterlage und eine Dampfbremse auf mineralischen Untergründen.
Abgegriffene Türen, Fensterrahmen oder Möbelstücke müssen nicht ersetzt werden. Mit Abschleifen, Grundieren und einem neuen Lackanstrich lassen sie sich aufmöbeln und aufpolieren. Wertvolle alte Stücke können Sie behutsam restaurieren – oft genügen neue Beschläge und etwas Holzpflege, um sie aufzuarbeiten.
Vergilbte Silikonfugen herausschneiden und neu ziehen, Armaturen entkalken oder ersetzen, Fugen reinigen: Schon kleine Eingriffe machen aus einem müden Bad wieder einen frischen Raum. Hartnäckiger Schimmel in Fugen ist ein Fall für die gründliche Schimmelentfernung – kleine Stellen behandeln Sie mit geeigneten Mitteln selbst, grossflächiger Befall deutet auf ein Feuchtigkeitsproblem hin und gehört abgeklärt. In der Küche bewirken neue Frontfolien, Griffe oder eine frisch gestrichene Wand viel, ohne dass Sie gleich alles umbauen müssen.
Bei jeder Renovation fällt Abfall an – und in der Schweiz wird konsequent getrennt:
Erkundigen Sie sich vorgängig bei Ihrer Gemeinde, was der lokale Werkhof annimmt – die Regelungen unterscheiden sich von Ort zu Ort.
Nachhaltig zu renovieren heisst zuerst: Erhalten statt ersetzen. Ein abgeschliffener Parkettboden, ein neu lackierter Türrahmen oder ein aufgearbeitetes Möbelstück sparen Ressourcen und Geld. Setzen Sie auf langlebige, reparierbare Materialien und emissionsarme Farben.
Wer ein eigenes Haus besitzt, sollte die Energieeffizienz mitdenken. Eine bessere Dämmung, neue Fenster oder der Ersatz einer alten Öl- oder Gasheizung senken die Nebenkosten dauerhaft. Das Gebäudeprogramm von Bund und Kantonen unterstützt energetische Sanierungen mit Fördergeldern; ein GEAK (Gebäudeenergieausweis der Kantone) zeigt, wo Ihr Haus steht und welche Massnahmen am meisten bringen. Auch im Kleinen lässt sich viel tun: LED-Leuchtmittel, wassersparende Armaturen und gut eingestellte Heizkörperventile verbessern die Bilanz ohne grossen Aufwand.
Drei Punkte sollten Sie in der Schweiz kennen, bevor Sie loslegen:
Beachten Sie zudem die Ruhezeiten Ihrer Gemeinde und allfällige Hausordnungen, wenn Sie mit lauten Maschinen arbeiten.
Vieles können Sie selbst – aber nicht alles sollten Sie. Fachleute gehören ans Werk bei:
Eine bewährte Faustregel: Alles, was bei einem Fehler Menschen gefährden oder Folgeschäden am Gebäude verursachen kann, gehört in Profihände. Streichen, Verlegen, Montieren und Verschönern dürfen Sie mit gutem Gewissen selbst übernehmen.
Wer regelmässig kleine Arbeiten erledigt, muss seltener gross renovieren. Prüfen Sie Silikonfugen in Bad und Küche jährlich, reinigen Sie Abläufe und Lüftungsgitter, lüften Sie konsequent gegen Feuchtigkeit und Schimmel und bessern Sie kleine Schäden an Wänden und Holzwerk sofort aus. Wer sein Zuhause laufend instand hält, verlängert die Intervalle zwischen den grossen Renovationen deutlich – und erhält nebenbei den Wert der Liegenschaft.
Wer zum ersten Mal renovieren will, fängt am besten klein an:
Diese Stolpersteine kosten Zeit, Geld und Nerven:
Renovieren ist kein Hexenwerk: Mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme, einem realistischen Budget, dem richtigen Werkzeug und etwas Geduld bringen Sie Ihr Zuhause Schritt für Schritt auf Vordermann. Überlassen Sie sicherheitsrelevante Arbeiten den Fachleuten, klären Sie Bewilligungen und Zustimmungen frühzeitig ab und gönnen Sie sich für den Rest die Freude am Selbermachen. Farben, Werkzeug, Schutzausrüstung und vieles mehr finden Sie übrigens in den LANDI-Läden in Ihrer Nähe – inklusive persönlicher Beratung.
Ja, unter bestimmten Voraussetzungen. Werterhaltende Unterhaltskosten – also alles, was den bisherigen Zustand erhält oder wiederherstellt, etwa Malerarbeiten, Reparaturen oder der gleichwertige Ersatz von Geräten – können Eigentümerinnen und Eigentümer vom steuerbaren Einkommen abziehen. Wertvermehrende Investitionen wie ein zusätzliches Badezimmer sind nicht abzugsfähig, werden aber bei einem späteren Verkauf bei der Grundstückgewinnsteuer angerechnet. Energetische Massnahmen sind in den meisten Kantonen auch dann abziehbar, wenn sie wertvermehrend sind. Sie können jedes Jahr zwischen dem Pauschalabzug und den effektiven Kosten wählen – grössere Arbeiten verteilen Sie idealerweise auf mehrere Steuerjahre.
Bewilligungsfrei sind in der Regel reine Unterhaltsarbeiten im Gebäudeinnern: Streichen, Tapezieren, Bodenersatz oder eine neue Küche am bestehenden Ort. Eine Baubewilligung brauchen Sie meist, wenn Sie das äussere Erscheinungsbild verändern (neue Fenster, Fassade, Solaranlage je nach Kanton), tragende Strukturen anpassen, den Grundriss wesentlich ändern oder die Nutzung wechseln. Da die Vorschriften kantonal und kommunal unterschiedlich sind, fragen Sie vor dem Umbau bei der Bauverwaltung Ihrer Gemeinde nach – das kostet nichts und schützt vor teuren Rückbauten.
Grundsätzlich ja, aber mit Rücksicht. Die Ruhezeiten regeln die Gemeinden in ihren Polizeireglementen; üblich sind Nachtruhe ab 22 Uhr, oft eine Mittagsruhe zwischen 12 und 13 Uhr sowie weitgehende Ruhe an Sonn- und Feiertagen. In Mietshäusern kommt die Hausordnung dazu, die lärmige Arbeiten am Sonntag meist ganz untersagt. Leise Tätigkeiten wie Streichen oder Tapezieren sind jederzeit erlaubt. Wer am Samstag bohren und schleifen will, informiert die Nachbarschaft am besten kurz vorher – das erspart Ärger und sorgt für Verständnis.
Als Faustregel gilt: Wände und Decken alle 8 bis 10 Jahre neu streichen, Teppiche nach 10 bis 15 Jahren ersetzen, Parkett je nach Abnutzung alle 15 bis 20 Jahre abschleifen. Küchen und Bäder halten 20 bis 30 Jahre, bevor eine umfassende Erneuerung ansteht. Die Gebäudehülle und die Haustechnik haben Lebensdauern von 20 bis 50 Jahren. Wer laufend kleine Schönheitsreparaturen erledigt, kann diese Intervalle deutlich strecken.
Renovieren bezeichnet das Auffrischen und Verschönern: Wände streichen, Böden erneuern, kleine Schäden beheben. Sanieren geht tiefer – eine Sanierung behebt ernsthafte Mängel an der Bausubstanz, etwa Feuchtigkeitsschäden oder eine defekte Gebäudehülle, und setzt das Gebäude technisch instand. Die Modernisierung schliesslich hebt ein Haus auf den heutigen Stand, zum Beispiel mit einer neuen Heizung, besserer Dämmung oder zeitgemässen Sanitäranlagen. In der Praxis überschneiden sich die Begriffe oft, und in der Schweiz spricht man häufig zusammenfassend von Renovation.