Renovierungszeit naht, und Sie möchten Ihren Räumen frischen Schwung verleihen? Dann führt kaum ein Weg daran vorbei, die Wände streichen zu lassen – oder die Arbeit selbst in die Hand zu nehmen. Mit der richtigen Vorbereitung, dem passenden Material und ein bisschen Geduld ist das Streichen einer Wand kein Hexenwerk. Dieser Ratgeber begleitet Sie Schritt für Schritt: von der Planung über den ersten Pinselstrich bis hin zum sauberen Abschluss.
Wer die Wände streichen möchte, denkt zunächst an Farbe und Roller – doch das eigentliche Geheimnis eines gelungenen Ergebnisses liegt in allem, was davor passiert. Schlecht vorbereitete Flächen, falsch gewählte Materialien oder das Überspringen der Grundierung können selbst den besten Anstrich ruinieren. Gleichzeitig ist das Malen der Wand in Eigenregie eine lohnende Sache: Es spart Kosten, gibt dem Raum mit einer passenden Innendekoration eine persönliche Note und ist mit etwas Sorgfalt auch für Einsteiger gut zu bewältigen.
Die gute Nachricht: Wände richtig zu streichen ist erlernbar. Dieses Wissen zahlt sich bei jeder Renovierung aus – ob in der Mietwohnung, im Eigenheim oder im Büro.
Bevor Sie Farbe kaufen und loslegen, lohnt sich eine kurze Planungsphase. Sie sparen damit Zeit, Geld und unnötigen Ärger.
Wandfarben unterscheiden sich deutlich in ihrer Deckkraft. Eine Farbe mit hoher Deckkraft deckt alte Anstriche, leichte Flecken und Farbunterschiede schneller ab. Der Deckungsgrad wird häufig in Klassen angegeben: Klasse 1 steht für die beste Deckkraft, Klasse 4 für die schwächste. Gerade bei dunklen Altfarben, kräftigen neuen Farbtönen oder fleckigen Untergründen lohnt sich eine Farbe mit hoher Deckkraft. Trotzdem sind zwei dünne Anstriche meist sauberer als ein zu dicker Auftrag.
Für Wohnzimmer, Schlafzimmer, Büro und Flur eignen sich klassische Dispersionsfarben. Sie sind geruchsarm, leicht zu verarbeiten und für normal beanspruchte Innenwände gut geeignet. Für Küche und Bad sollten Sie eine robustere, abwaschbare Farbe wählen, zum Beispiel eine spezielle Küchen- und Badfarbe oder eine scheuerbeständige Latexfarbe. Diese Oberflächen lassen sich leichter reinigen und halten Feuchtigkeit sowie alltäglicher Beanspruchung besser stand.
In stark genutzten Bereichen wie Eingangsbereich, Treppenhaus oder Kinderzimmer lohnt sich ebenfalls eine widerstandsfähige Wandfarbe mit guter Nassabriebbeständigkeit. Für trockene Nebenräume reicht oft eine einfache Innenfarbe. Wichtig ist: Die Farbe muss zum Untergrund und zur Nutzung des Raums passen.
Bei Flecken, Nikotinverfärbungen, Wasserflecken oder behandelten Schimmelstellen kann eine normale Wandfarbe zu wenig sein. In solchen Fällen helfen je nach Untergrund eine Isolierfarbe, Sperrgrund oder ein geeigneter Schimmelblocker, damit Verfärbungen nicht wieder durch den neuen Anstrich durchschlagen.
Die Vorbereitung ist das A und O beim Streichen einer Wand. Wer diesen Schritt sorgfältig angeht, wird mit einem deutlich besseren Ergebnis belohnt.
Gutes Werkzeug erleichtert die Arbeit erheblich. Für das Wände streichen brauchen Sie folgende Ausrüstung:
Räumen Sie, wenn möglich, den Raum aus oder rücken Sie Möbel in die Mitte. Decken Sie alles mit Malervlies ab. Kleben Sie Kanten und empfindliche Oberflächen ab – Fensterrahmen, Fussleisten, Lichtschalter und Steckdosen verdienen besondere Sorgfalt.
Tragen Sie den Tiefengrund oder die Grundierung gleichmässig auf den Untergrund auf. Mit einer Walze geht das auf grossen Flächen schnell. Trocknen lassen – die Angaben auf der Verpackung beachten.
Beginnen Sie immer mit den Ecken und Kanten: Zuerst mit dem Pinsel einen Streifen von etwa fünf bis zehn Zentimetern entlang der Decke, der Fussleisten und der Ecken streichen. So haben Sie beim Ausrollen saubere Kanten.
Dann die grossen Flächen mit der Farbwalze streichen. Arbeiten Sie in der Nass-in-nass-Technik: Das bedeutet, dass Sie immer in den noch nassen Anstrich hineinarbeiten, damit keine sichtbaren Ansätze entstehen. Beginnen Sie an einer Ecke und arbeiten Sie sich in gleichmässigen, überlappenden Bahnen vorwärts. Das Streichen der Decke sollte vor den Wänden erfolgen, damit Spritzer auf der Wand später übermalt werden können.
Lassen Sie die erste Schicht vollständig trocknen – je nach Farbe und Luftfeuchtigkeit dauert das ein bis vier Stunden. Dispersionsfarben trocknen meist schnell, Latexfarben brauchen etwas länger.
In den meisten Fällen braucht es mindestens zwei Schichten, um eine gute Deckkraft zu erreichen. Wiederholen Sie den Auftrag wie bei der ersten Schicht. Die zweite Lage sorgt für ein gleichmässiges, sattes Ergebnis.
Ziehen Sie das Malerkrepp und die Klebebänder ab, solange die Farbe noch leicht feucht ist – dann reissen saubere Kanten. Warten Sie nicht, bis die Farbe vollständig hart ist, sonst besteht die Gefahr, dass Farbe absplittert.
Das Streichen der Decken ist anspruchsvoller als das Streichen der Wände, weil man gegen die Schwerkraft arbeitet. Nutzen Sie eine Teleskopstange, um Rücken und Arme zu schonen. Kurze Bahnen quer zur Fensterfläche und ein guter Kurzflorroller helfen dabei, Ansätze zu vermeiden.
Schimmelflecken dürfen nicht einfach überstrichen werden. Schimmel muss zuerst mit einem geeigneten Mittel behandelt werden. Hinweise zur fachgerechten Behandlung finden Sie unter Schimmel entfernen. Danach muss der Untergrund vollständig trocknen. Wichtig ist auch die Ursache: Feuchtigkeit, falsches Lüften, Kältebrücken oder undichte Stellen müssen behoben werden, sonst kommt der Schimmel wieder. Tipps zur Kontrolle des Raumklimas finden Sie im Ratgeber Luftfeuchtigkeit in der Wohnung.
Ein Schimmelblocker oder eine spezielle Isolierfarbe kann helfen, behandelte Stellen abzusperren und ein erneutes Durchschlagen von Flecken zu verhindern. Er ersetzt aber keine Schimmelbehandlung und keine Ursachenbehebung. Bei grossflächigem, tief sitzendem oder wiederkehrendem Schimmel sollte eine Fachperson beigezogen werden.
Hinter Heizkörpern ist das Streichen mühsam. Spezielle gebogene Pinsel oder schmale Roller helfen, auch schwer zugängliche Stellen zu erreichen. Wenn möglich, die Heizkörper vorher abmontieren oder zumindest abkühlen lassen – auf einen heissen Heizkörper streichen ist keine gute Idee.
Tapeten können überstrichen werden, wenn sie fest haften. Verwenden Sie dann eine Grundierung, die die Tapete stabilisiert, damit sie beim Streichen nicht aufquillt. Gut geeignet sind Dispersionsfarben mit guter Deckkraft.
Für Türrahmen, Fensterrahmen oder Heizkörper werden oft Lacke oder spezielle Lack-Farben eingesetzt. Diese erfordern eine andere Vorgehensweise und benötigen meist eine eigene Grundierung. Achten Sie auf die Verarbeitungshinweise der Hersteller.
Nicht jede Malerarbeit lässt sich problemlos in Eigenregie erledigen. In folgenden Situationen empfiehlt es sich, einen professionellen Malerbetrieb beizuziehen:
Malerarbeiten gehören in der Schweiz zu den Handwerksberufen mit hohem Qualitätsanspruch. Weitere Grundlagen und Projektideen finden Sie im Bereich Heimwerken. Ein guter Betrieb berät Sie ausserdem bei der Farbwahl und kann auch herausfordernde Untergründe fachgerecht behandeln.
Wenn Sie zum ersten Mal selbst die Wände streichen, dann hilft es, ein paar bewährte Tricks zu kennen:
Das Streichen der Wände ist eine der lohnendsten Renovierungsarbeiten, die man selbst erledigen kann. Wer sorgfältig plant, den Untergrund richtig vorbereitet und das passende Material wählt, wird mit einem frischen, sauberen Anstrich belohnt, auf den man stolz sein darf. Die Nass-in-nass-Technik, saubere Kanten und zwei ordentliche Schichten Farbe sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren. Und wer beim Streichen einer Wand einmal Blut geleckt hat, wird schnell merken: Es macht Spass.
Im LANDI-Sortiment für Farben und Zubehör finden Sie Wandfarben, Malervlies, Klebebänder, Farbwalzen und weiteres Malerzubehör – alles, was Sie für Ihre nächste Renovierung brauchen. Persönliche Beratung erhalten Sie in den LANDI-Läden in Ihrer Nähe.
Die Trocknungszeit hängt von der Farbart, der Schichtdicke und den Raumverhältnissen ab. Dispersionsfarben sind in der Regel nach zwei bis vier Stunden trocken genug für eine zweite Schicht. Latexfarben brauchen oft länger – bis zu acht Stunden oder über Nacht. Achten Sie auf die Angaben des Herstellers auf der Verpackung. Gut gelüftete Räume mit normaler Luftfeuchtigkeit (40 bis 60 Prozent) beschleunigen die Trocknung deutlich.
Nicht immer, aber oft. Auf bereits gestrichenen Wänden in gutem Zustand reicht es, die Oberfläche zu reinigen. Wenn jedoch alte Farbe abblättert, die Oberfläche uneben ist oder Spachtelstellen vorhanden sind, sollte vor dem Streichen einer Wand leicht geschliffen werden – am besten mit einem Schleifpapier mit mittlerer Körnung. Anschliessend den Staub vollständig entfernen, bevor die neue Farbe aufgetragen wird.
Blasen entstehen meist durch Feuchtigkeit im Untergrund, unzureichende Grundierung oder zu dicken Farbauftrag. Abplatzungen weisen auf mangelnde Haftung hin. In beiden Fällen: Die betroffenen Stellen abkratzen, den Untergrund prüfen, bei Bedarf grundieren und nochmals streichen. Wenn das Problem grossflächig auftritt, liegt der Fehler oft in der Vorbereitung und es lohnt sich, von vorn anzufangen.
Ja, Dispersionsfarben und Leimfarben lassen sich mit Wasser verdünnen. Für den ersten Anstrich auf saugenden Untergründen empfiehlt sich eine Verdünnung von 5 bis 10 Prozent. Für Folgeschichten sollte die Farbe unverdünnt oder nur minimal verdünnt verwendet werden, da sonst die Deckkraft leidet. Latexfarben werden in der Regel nicht verdünnt. Die Herstellerangaben sind massgeblich.
In der Schweiz gibt es klare Vorschriften für die Entsorgung von Farbresten. Flüssige Farbreste gehören nicht in den Abfall oder den Ausguss. Sie können bei der Gemeinde-Sammelstelle oder dem Ökihof abgegeben werden. Leere und trockene Farbgebinde aus Kunststoff kommen in den Kehricht oder die entsprechende Kunststoff-Sammlung, je nach Gemeinde. Metallgebinde gehören zum Metallschrott. Lösungsmittelhaltige Farben und Lacke sind Sonderabfall und müssen zwingend an einer offiziellen Annahmestelle abgegeben werden. Informieren Sie sich bei Ihrer Gemeindeverwaltung über die lokalen Möglichkeiten.