Wände streichen leicht gemacht: So gelingt der neue Anstrich
Renovierungszeit naht, und Sie möchten Ihren Räumen frischen Schwung verleihen? Dann führt kaum ein Weg daran vorbei, die Wände streichen zu lassen – oder die Arbeit selbst in die Hand zu nehmen. Mit der richtigen Vorbereitung, dem passenden Material und ein bisschen Geduld ist das Streichen einer Wand kein Hexenwerk. Dieser Ratgeber begleitet Sie Schritt für Schritt: von der Planung über den ersten Pinselstrich bis hin zum sauberen Abschluss.
Schichten: Zwei Lagen Farbe ergeben in der Regel ein sauberes, gleichmässiges Ergebnis.
Entsorgung: Farbreste und Verpackungen müssen in der Schweiz korrekt entsorgt werden.
Warum das Streichen der Wände mehr ist als nur Farbe auftragen
Wer die Wände streichen möchte, denkt zunächst an Farbe und Roller – doch das eigentliche Geheimnis eines gelungenen Ergebnisses liegt in allem, was davor passiert. Schlecht vorbereitete Flächen, falsch gewählte Materialien oder das Überspringen der Grundierung können selbst den besten Anstrich ruinieren. Gleichzeitig ist das Malen der Wand in Eigenregie eine lohnende Sache: Es spart Kosten, gibt dem Raum eine persönliche Note und ist mit etwas Sorgfalt auch für Einsteiger gut zu bewältigen.
Die gute Nachricht: Wände richtig zu streichen ist erlernbar. Dieses Wissen zahlt sich bei jeder Renovierung aus – ob in der Mietwohnung, im Eigenheim oder im Büro.
Planung: Was Sie vor dem ersten Pinselstrich klären sollten
Bevor Sie Farbe kaufen und loslegen, lohnt sich eine kurze Planungsphase. Sie sparen damit Zeit, Geld und unnötigen Ärger.
Raumgrösse bestimmen: Messen Sie die Wandfläche in Quadratmetern. Für die Berechnung gilt: Breite mal Höhe pro Wandfläche, dann addieren. Türen und Fenster können Sie abziehen. Auf der Farbverpackung ist meist ein Richtwert für die Ergiebigkeit pro Quadratmeter angegeben.
Farbton wählen: Holen Sie sich Farbkarten bei Ihrem Farbhändler oder in einem LANDI-Laden und vergleichen Sie die Farbtöne im tatsächlichen Licht des Raums. Eine Farbkarte wirkt unter Ladenbeleuchtung anders als zu Hause. Wer unsicher ist, kann auch kleine Testmengen kaufen und ein Probefeld an die Wand malen.
Zeitplanung: Ein Zimmer von rund 15 bis 20 Quadratmetern Grundfläche lässt sich an einem langen Tag streichen – wenn die Vorbereitung am Vortag erledigt ist. Planen Sie Trocknungszeiten ein: Die erste Schicht muss vollständig getrocknet sein, bevor die zweite folgt.
Farbe auswählen: In der Schweiz sind Dispersionsfarben am gängigsten für Wohnräume. Sie sind geruchsarm, schnell trocknend und gut zu verarbeiten. Latexfarben eignen sich besonders für Küche, Bad und andere feuchtigkeitsbelastete Räume, da sie wischfest und pflegeleicht sind. Leimfarben sind kostengünstig, aber weniger belastbar und nur für trockene Innenräume geeignet.
Vorbereitung: Die Grundlage für ein sauberes Ergebnis
Die Vorbereitung ist das A und O beim Streichen einer Wand. Wer diesen Schritt sorgfältig angeht, wird mit einem deutlich besseren Ergebnis belohnt.
Untergrund prüfen: Bevor Sie mit dem Streichen beginnen, sollten Sie den Untergrund genau unter die Lupe nehmen. Prüfen Sie, ob der Putz fest sitzt, ob Risse vorhanden sind und ob Schimmelflecken zu sehen sind. Losen Putz entfernen und mit einem Spachtel oder Spachtelmasse ausbessern. Schimmel muss vor dem Anstrich fachgerecht behandelt werden – mehr dazu weiter unten.
Reinigen: Wände sollten staubfrei und fettfrei sein. Wischen Sie die Flächen mit einem feuchten Tuch ab und lassen Sie sie vollständig trocknen.
Abkleben: Schützen Sie Fussleisten, Fensterrahmen, Lichtschalter und Steckdosen mit Klebeband oder Malerkrepp. Gutes Kreppband lässt sich nach dem Streichen sauber abziehen, ohne die Oberflächen zu beschädigen.
Abdecken: Legen Sie Malervlies oder Abdeckfolie auf dem Boden aus und schützen Sie Möbel, die im Raum verbleiben. Malervlies ist saugfähiger als einfache Folie und verhindert, dass Farbspritzer auf dem Boden landen.
Grundieren: Auf neuen oder stark saugenden Untergründen empfiehlt sich eine Grundierung oder ein Tiefengrund. Dieser versiegelt den Untergrund, verbessert die Haftung der Wandfarbe und sorgt dafür, dass die Deckfarbe gleichmässiger aufgetragen werden kann. Besonders auf frischem Putz oder auf zuvor abgezogenen Tapeten ist die Grundierung wichtig.
Tapeten entfernen oder belassen? Alte Tapeten sollten, wenn möglich, entfernt werden, da sie sich beim Streichen lösen oder Blasen bilden können. Sind die Tapeten jedoch fest und eben, kann man sie unter Umständen auch direkt überstreichen – vorausgesetzt, der Untergrund gibt das her und die Tapete quillt nicht auf.
Werkzeug und Material: Was Sie brauchen
Gutes Werkzeug erleichtert die Arbeit erheblich. Für das Wände streichen brauchen Sie folgende Ausrüstung:
FarbrolleroderFarbwalze: Der Roller, auch Walze oder Farbrolle genannt, ist das wichtigste Werkzeug beim Streichen grösserer Flächen. Mit einer Teleskopstange lassen sich auch hohe Wände bequem ohne Leiter erreichen. Für glatte Untergründe eignen sich Kurzflorwalzen, für raueren Putz Langflorwalzen.
Pinsel: Für Ecken, Kanten und schwer zugängliche Stellen wie Heizkörper oder hinter Steckdosen braucht es einen guten Pinsel. Ein breiter Flachpinsel für Flächen und ein schmaler Kantenpinsel für präzise Linien sind ideal.
Farbwanne: In die Farbwanne geben Sie die Wandfarbe und tauchen die Walze ein. Ein Abstreifgitter in der Wanne sorgt dafür, dass die Walze gleichmässig beladen ist und nicht tropft.
Klebebandund Malerkrepp: Zum Abkleben von Fussleisten, Fensterrahmen, Lichtschaltern und Steckdosen. Gutes Klebeband lässt sich rückstandslos entfernen.
Leiter: Für Deckennähe oder hohe Wände unentbehrlich. Wer eine Teleskopstange nutzt, kommt meist ohne Leiter aus.
Abdeckfolie undMalervlies: Zum Schutz von Boden und Möbeln.
Spachtel: Zum Ausbessern von Rissen und Unebenheiten vor dem Anstrich.
Anleitung: So streichen Sie Wände Schritt für Schritt
1. Raum vorbereiten
Räumen Sie, wenn möglich, den Raum aus oder rücken Sie Möbel in die Mitte. Decken Sie alles mit Malervlies ab. Kleben Sie Kanten und empfindliche Oberflächen ab – Fensterrahmen, Fussleisten, Lichtschalter und Steckdosen verdienen besondere Sorgfalt.
2. Grundieren
Tragen Sie den Tiefengrund oder die Grundierung gleichmässig auf den Untergrund auf. Mit einer Walze geht das auf grossen Flächen schnell. Trocknen lassen – die Angaben auf der Verpackung beachten.
3. Erste Schicht Wandfarbe
Beginnen Sie immer mit den Ecken und Kanten: Zuerst mit dem Pinsel einen Streifen von etwa fünf bis zehn Zentimetern entlang der Decke, der Fussleisten und der Ecken streichen. So haben Sie beim Ausrollen saubere Kanten.
Dann die grossen Flächen mit der Farbwalze streichen. Arbeiten Sie in der Nass-in-nass-Technik: Das bedeutet, dass Sie immer in den noch nassen Anstrich hineinarbeiten, damit keine sichtbaren Ansätze entstehen. Beginnen Sie an einer Ecke und arbeiten Sie sich in gleichmässigen, überlappenden Bahnen vorwärts. Das Streichen der Decke sollte vor den Wänden erfolgen, damit Spritzer auf der Wand später übermalt werden können.
4. Trocknen lassen
Lassen Sie die erste Schicht vollständig trocknen – je nach Farbe und Luftfeuchtigkeit dauert das ein bis vier Stunden. Dispersionsfarben trocknen meist schnell, Latexfarben brauchen etwas länger.
5. Zweite Schicht
In den meisten Fällen braucht es mindestens zwei Schichten, um eine gute Deckkraft zu erreichen. Wiederholen Sie den Auftrag wie bei der ersten Schicht. Die zweite Lage sorgt für ein gleichmässiges, sattes Ergebnis.
6. Klebeband abziehen
Ziehen Sie das Malerkrepp und die Klebebänder ab, solange die Farbe noch leicht feucht ist – dann reissen saubere Kanten. Warten Sie nicht, bis die Farbe vollständig hart ist, sonst besteht die Gefahr, dass Farbe absplittert.
Spezialfälle: Wenn das Streichen der Wände besondere Herausforderungen birgt
Decke streichen
Das Streichen der Decken ist anspruchsvoller als das Streichen der Wände, weil man gegen die Schwerkraft arbeitet. Nutzen Sie eine Teleskopstange, um Rücken und Arme zu schonen. Kurze Bahnen quer zur Fensterfläche und ein guter Kurzflorroller helfen dabei, Ansätze zu vermeiden.
Schimmel
Schimmelflecken dürfen unter keinen Umständen einfach überstrichen werden. Schimmel muss zunächst mit einem geeigneten Mittel behandelt und der Untergrund vollständig getrocknet werden. In hartnäckigen Fällen oder bei tiefem Befall ist ein Fachmann beizuziehen.
Heizkörper
Hinter Heizkörpern ist das Streichen mühsam. Spezielle gebogene Pinsel oder schmale Roller helfen, auch schwer zugängliche Stellen zu erreichen. Wenn möglich, die Heizkörper vorher abmontieren oder zumindest abkühlen lassen – auf einen heissen Heizkörper streichen ist keine gute Idee.
Über Tapeten streichen
Tapeten können überstrichen werden, wenn sie fest haften. Verwenden Sie dann eine Grundierung, die die Tapete stabilisiert, damit sie beim Streichen nicht aufquillt. Gut geeignet sind Dispersionsfarben mit guter Deckkraft.
Lacke und Spezialfarben
Für Türrahmen, Fensterrahmen oder Heizkörper werden oft Lacke oder spezielle Lack-Farben eingesetzt. Diese erfordern eine andere Vorgehensweise und benötigen meist eine eigene Grundierung. Achten Sie auf die Verarbeitungshinweise der Hersteller.
Wann professionelle Hilfe beim Streichen der Wände sinnvoll ist
Nicht jede Malerarbeit lässt sich problemlos in Eigenregie erledigen. In folgenden Situationen empfiehlt es sich, einen professionellen Malerbetrieb beizuziehen:
Bei grossflächigem oder tiefem Schimmelbefall
Bei starken Putzschäden, die aufwendig gespachtelt werden müssen
Bei sehr hohen Räumen, wo das Arbeiten auf der Leiter gefährlich wird
Wenn besondere Techniken wie Lasuren, strukturierte Oberflächen oder Spezialfarben gewünscht sind
Bei Mietobjekten, bei denen bestimmte Qualitätsnormen für die Wohnungsabgabe einzuhalten sind
Malerarbeiten gehören in der Schweiz zu den Handwerksberufen mit hohem Qualitätsanspruch. Ein guter Betrieb berät Sie ausserdem bei der Farbwahl und kann auch herausfordernde Untergründe fachgerecht behandeln.
Tipps für Einsteiger
Wenn Sie zum ersten Mal selbst die Wände streichen, dann hilft es, ein paar bewährte Tricks zu kennen:
Erst üben, dann loslegen: Streichen Sie zunächst an einer wenig sichtbaren Stelle, etwa hinter einer Türe oder in einem Abstellraum. So bekommen Sie ein Gefühl für die Konsistenz der Farbe und die Technik.
Qualität zahlt sich aus: Günstiges Werkzeug fusselt, tropft oder hinterlässt Spuren. Investieren Sie in einen guten Pinsel und einen hochwertigen Farbroller – das macht die Arbeit angenehmer und das Ergebnis sauberer.
Nicht zu dick auftragen: Lieber zwei dünne Schichten als eine dicke. Zu dicker Auftrag führt zu Tropfnasen und ungleichmässiger Trocknung.
Pause einlegen, nicht austrocknen lassen: Wenn Sie eine kurze Pause machen, wickeln Sie Pinsel und Walze in Frischhaltefolie oder feuchte Tücher. So trocknen sie nicht ein. Bei längeren Pausen die Werkzeuge gründlich reinigen.
Pigmente und Deckkraft beachten: Manche Farben – vor allem helle Töne und intensive Pigmente – brauchen mehr Schichten für eine vollständige Deckkraft. Tiefe Farbtöne mit vielen Pigmenten können auch schwieriger zu streichen sein.
Häufige Fehler beim Streichen der Wände
Unzureichende Vorbereitung: Der häufigste Fehler. Wer den Untergrund nicht prüft, nicht grundiert und nicht richtig abklebt, hat am Ende kein sauberes Ergebnis.
Farbe nicht aufgerührt: Wandfarben setzen sich ab. Rühren Sie die Farbe immer gründlich durch, bevor Sie sie verwenden.
Klebeband zu früh oder zu spät abziehen: Zu frühes Abziehen kann die Farbe verschmieren, zu spätes Abziehen führt zu abblätternden Kanten.
Zu wenig Farbe auf dem Roller: Ein zu trockener Roller hinterlässt ungleichmässige Bahnen. Die Walze sollte gut beladen, aber nicht tropfend sein. Das Abstreifgitter in der Farbwanne hilft dabei, die richtige Menge zu dosieren.
Ecken und Kanten vergessen: Wer direkt mit der Walze beginnt, erhält in Ecken und an Kanten schmutzige Ergebnisse. Immer zuerst die Kanten mit dem Pinsel vorstreichen.
Falscher Untergrund, falsche Farbe: Dispersionsfarbe auf einem nicht grundierten Untergrund kann abblättern. Latexfarbe auf einem stark saugenden Putz ohne Tiefengrund hält nicht lange.
Fazit
Das Streichen der Wände ist eine der lohnendsten Renovierungsarbeiten, die man selbst erledigen kann. Wer sorgfältig plant, den Untergrund richtig vorbereitet und das passende Material wählt, wird mit einem frischen, sauberen Anstrich belohnt, auf den man stolz sein darf. Die Nass-in-nass-Technik, saubere Kanten und zwei ordentliche Schichten Farbe sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren. Und wer beim Streichen einer Wand einmal Blut geleckt hat, wird schnell merken: Es macht Spass.
Im LANDI-Sortiment finden Sie Wandfarben, Malervlies, Klebebänder, Farbwalzen und weiteres Malerzubehör – alles, was Sie für Ihre nächste Renovierung brauchen.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zum Thema “Wände streichen”
Wie lange muss Wandfarbe trocknen?
Die Trocknungszeit hängt von der Farbart, der Schichtdicke und den Raumverhältnissen ab. Dispersionsfarben sind in der Regel nach zwei bis vier Stunden trocken genug für eine zweite Schicht. Latexfarben brauchen oft länger – bis zu acht Stunden oder über Nacht. Achten Sie auf die Angaben des Herstellers auf der Verpackung. Gut gelüftete Räume mit normaler Luftfeuchtigkeit (40 bis 60 Prozent) beschleunigen die Trocknung deutlich.
Muss ich die Wände vor dem Streichen grundsätzlich schleifen?
Nicht immer, aber oft. Auf bereits gestrichenen Wänden in gutem Zustand reicht es, die Oberfläche zu reinigen. Wenn jedoch alte Farbe abblättert, die Oberfläche uneben ist oder Spachtelstellen vorhanden sind, sollte vor dem Streichen einer Wand leicht geschliffen werden – am besten mit einem Schleifpapier mit mittlerer Körnung. Anschliessend den Staub vollständig entfernen, bevor die neue Farbe aufgetragen wird.
Was tue ich, wenn nach dem Streichen Blasen oder Abplatzungen entstehen?
Blasen entstehen meist durch Feuchtigkeit im Untergrund, unzureichende Grundierung oder zu dicken Farbauftrag. Abplatzungen weisen auf mangelnde Haftung hin. In beiden Fällen: Die betroffenen Stellen abkratzen, den Untergrund prüfen, bei Bedarf grundieren und nochmals streichen. Wenn das Problem grossflächig auftritt, liegt der Fehler oft in der Vorbereitung und es lohnt sich, von vorn anzufangen.
Kann ich Wandfarbe mit Wasser verdünnen, und wenn ja, wie viel?
Ja, Dispersionsfarben und Leimfarben lassen sich mit Wasser verdünnen. Für den ersten Anstrich auf saugenden Untergründen empfiehlt sich eine Verdünnung von 5 bis 10 Prozent. Für Folgeschichten sollte die Farbe unverdünnt oder nur minimal verdünnt verwendet werden, da sonst die Deckkraft leidet. Latexfarben werden in der Regel nicht verdünnt. Die Herstellerangaben sind massgeblich.
Wie entsorge ich Farbreste und Verpackungen korrekt in der Schweiz?
In der Schweiz gibt es klare Vorschriften für die Entsorgung von Farbresten. Flüssige Farbreste gehören nicht in den Abfall oder den Ausguss. Sie können bei der Gemeinde-Sammelstelle oder dem Ökihof abgegeben werden. Leere und trockene Farbgebinde aus Kunststoff kommen in den Kehricht oder die entsprechende Kunststoff-Sammlung, je nach Gemeinde. Metallgebinde gehören zum Metallschrott. Lösungsmittelhaltige Farben und Lacke sind Sonderabfall und müssen zwingend an einer offiziellen Annahmestelle abgegeben werden. Informieren Sie sich bei Ihrer Gemeindeverwaltung über die lokalen Möglichkeiten.