Wer ein Pferd hält, weiss: In der Pferdehaltung ist der Gang zum Stall nicht nur Pflicht, sondern oft der schönste Teil des Tages. Doch damit das Tier gesund bleibt, das Fell glänzt und das Vertrauen wächst, braucht es eine gute Routine. Das Pflegen von Pferden ist weit mehr als ein kurzes Abbürsten vor dem Reiten – es ist ein tägliches Ritual, das dem Tier Wohlbefinden schenkt und dem Halter wertvolle Einblicke in den Gesundheitszustand seines Tieres gibt.
Das Pflegen von Pferden hat nichts mit Eitelkeit zu tun. Wer sein Tier täglich bürstet, kontrolliert, kratzt und streicht, bekommt ein feines Gespür dafür, was normal ist – und bemerkt Veränderungen frühzeitig. Eine Schwellung am Bein, eine neue Scheuerstelle, ein veränderter Geruch: Diese Signale sind beim Putzen gut erkennbar und können entscheidend für die Pferdegesundheit sein.
Gleichzeitig stärkt die Pferdepflege die Beziehung zwischen Tier und Mensch. Pferde sind soziale Tiere, die sich gegenseitig putzen. Wer diese Aufgabe übernimmt, wird als Vertrauensperson wahrgenommen. Das zahlt sich beim Reiten, beim Verladen und im Umgang insgesamt aus.
Schliesslich trägt eine gute Fellpflege direkt zur Gesunderhaltung bei. Ein sauberes, gepflegtes Fell reguliert die Körpertemperatur, schützt die Haut vor Parasiten und sorgt dafür, dass Sattel und Zaumzeug sauber aufliegen. Die Sattellage profitiert ebenfalls von einem regelmässig gepflegten Rücken – Druckstellen entstehen seltener.
Die Grundregel lautet: täglich. Wer ein Pferd hält – ob im Offenstall, in der Box oder auf dem Paddock – sollte es jeden Tag zumindest kurz kontrollieren und die Hufe auskratzen. Eine vollständige Pferdepflege mit Striegel, Kardätsche und Mähnenbürste empfiehlt sich vor und nach jedem Reiten sowie dann, wenn das Tier stark geschwitzt oder sich im Schmutz gewälzt hat.
Bei Pferden im Auslauf mit viel Bewegung kann das Fell rasch verschmutzen. Im Sommer kommen Insekten dazu, im Winter knetender Schlamm. Ein festes Pflegeprotokoll hilft dabei, nichts zu vergessen und das Tier immer im Blick zu haben.
Eine gut bestückte Putzbox oder ein Putzkasten erleichtert die tägliche Pferdepflege erheblich. Folgende Utensilien sollten nicht fehlen:
Das Pflegen von Pferden folgt am besten einer festen Reihenfolge. So wird nichts vergessen, das Tier gewöhnt sich an den Ablauf und wird mit der Zeit immer ruhiger dabei. Die folgende Anleitung gilt für die vollständige Pferdepflege vor oder nach dem Reiten.
Bevor man mit dem Bürsten beginnt, werden die Hufe ausgekratzt – das ist der wichtigste Einzelschritt bei der täglichen Pferdepflege. Mit dem Hufkratzer wird Erde, Mist und Steinchen aus dem Huf entfernt, immer von der Ferse in Richtung Zehenspitze und sorgfältig rund um den Strahl. Gleichzeitig kontrolliert man den Huf auf Verletzungen, Risse, Fremdkörper oder erste Anzeichen von Strahlfäule. Anschliessend lohnt es sich, etwas Huffett aufzutragen, um die Hornsubstanz geschmeidig zu halten. Ob das Pferd Hufeisen trägt oder barhuf geht – diese Kontrolle gehört täglich dazu, auch ohne Ausritt.
Bevor man mit dem eigentlichen Putzen beginnt, wird das Pferd sicher angebunden – weder zu kurz, dass es sich nicht bewegen kann, noch so lang, dass es sich verheddern könnte. Ein ruhiger, gut beleuchteter Platz auf rutschfestem Boden ist ideal. Wer das Pferd an denselben Ort bringt und dieselbe Reihenfolge einhält, hilft dem Tier, die Pferdepflege als vertrautes Ritual zu erleben. Das senkt Stress und erleichtert die Arbeit erheblich.
Jetzt beginnt die eigentliche Reinigung. Mit dem Gummistriegel arbeitet man in kreisenden Bewegungen vom Hals über Schulter, Rücken und Kruppe bis zur Flanke – immer auf beiden Seiten. Der Gummistriegel löst eingetrockneten Schmutz, Schweiss, Hautschuppen und lose Haare aus dem Fell. Besonders während des Fellwechsels ist er unverzichtbar, da täglich grosse Mengen Haare abgehen. Empfindliche Stellen wie Bauch, Beininnenseiten und Kopf werden mit dem Gummistriegel ausgelassen. Danach kann man mit einem härteren Kunststoff- oder Metallstriegel hartnäckigere Verschmutzungen nachbearbeiten.
Im nächsten Schritt kommt die Kardätsche zum Einsatz. Mit langen, fliessenden Zügen in Fellrichtung wird der durch den Striegel aufgelockerte Staub und Schmutz aus dem Fell gebürstet. Die Kardätsche kann zwischendurch am Striegel abgeklopft werden, um sie sauber zu halten. Dieser Schritt gibt dem Fell seinen Glanz und sorgt dafür, dass wirklich nichts zurückbleibt. Im Bereich der Sattellage ist besonders sorgfältiges Ausbürsten wichtig – Schmutzreste unter dem Sattel können zu Druckstellen führen.
Die Beine – besonders die Fesselgelenke und die Bereiche rund um die Koten – verschmutzen rasch und verdienen besondere Aufmerksamkeit. Hier leistet die Wurzelbürste gute Dienste: Sie entfernt eingetrockneten Schlamm und Schmutz auch aus dem dichten Langhaar an den Fesseln. Beim Reinigen der Beine tastet man gleichzeitig nach Schwellungen, Wärme oder Verletzungen – Veränderungen, die beim blossen Bürsten leicht übersehen werden. Bei nassen oder sehr schmutzigen Beinen empfiehlt es sich, den Schlamm zuerst antrocknen zu lassen, bevor man ihn ausbürstet.
Für die Mähnenpflege eignen sich Mähnenbürste und Mähnenkamm. Das Entwirren sollte immer von unten nach oben erfolgen – also zuerst die Enden lösen, dann schrittweise nach oben arbeiten. So wird unnötiger Haarbruch vermieden. Bei stark verfilzten Stellen hilft ein Mähnenspray, das man kurz einwirken lässt, bevor man weiter kämmt. Der Schweif wird nach demselben Prinzip behandelt. Wer den Schweif besonders schonend pflegen möchte, arbeitet am besten ausschliesslich mit den Fingern und verwendet die Bürste nur für den letzten Schliff.
Den Kopf sollte man besonders behutsam pflegen, denn viele Pferde reagieren dort empfindlich auf Bürsten und Berührungen. Ein weicher Lappen oder eine spezielle Gesichtsbürste eignen sich besser als Striegel oder Kardätsche. Augen und Nüstern werden mit einem feuchten Schwamm gereinigt. Für die Schweifrübe empfiehlt sich ein zweiter, separater Schwamm. Wer seinen Schwamm für den Kopf und einen anderen für die Schweifrübe verwendet, verhindert die Übertragung von Keimen. Ohren werden nur äusserlich gereinigt – ins Innere des Ohrs gehört kein Werkzeug.
Als optionaler Abschlussschritt kann ein Glanzspray aufgetragen werden. Es verleiht dem Fell einen seidigen Schimmer, erleichtert das Entwirren von Mähne und Schweif und macht das Fell für Schmutz etwas weniger anfällig. Glanzspray eignet sich besonders vor Turnieren oder besonderen Anlässen. Im Alltag ist es nicht notwendig – ein gut gepflegtes Fell glänzt auch ohne Hilfsmittel. Wichtig: Glanzspray nie auf die Sattellage auftragen, da es den Sattel rutschig machen kann.
Das Schweizer Klima stellt Pferdehalter saisonal vor unterschiedliche Aufgaben.
Im Frühling steht der Fellwechsel im Vordergrund. Das Winterfell wird abgestossen und das Sommerfell wächst nach. In dieser Phase lösen sich täglich grosse Mengen Haare. Ein Gummistriegel ist jetzt das wichtigste Werkzeug. Regelmässiges Putzen fördert die Durchblutung und beschleunigt den Fellwechsel.
Im Sommer kann das Sommerekzem zum Problem werden. Bestimmte Pferde – häufig Isländer und andere nordische Rassen – reagieren allergisch auf die Stiche von Gnitzen und anderen Insekten. Die Folge: intensiver Juckreiz, Haarausfall und wunde Stellen, vor allem an Mähne und Schweif. Eine gut sitzende Ekzemerdecke und ein Stall mit Insektenschutz helfen, das Leiden zu lindern. Die Hautpflege bei betroffenen Tieren sollte mit einem Tierarzt abgesprochen werden.
Im Herbst beginnt der Fellwechsel erneut – diesmal wächst das Winterfell. Pferdedecken kommen wieder zum Einsatz, sobald die Temperaturen sinken. Eine Abschwitzdecke ist sinnvoll, wenn das Pferd nach dem Training schweissgebadet ist – so kühlt es kontrolliert ab, ohne auszukühlen.
Im Winter schützt das Winterfell vor Kälte. Geschorene oder dünn behaarte Pferde brauchen eine Pferdedecke. Wichtig ist, die Decken regelmässig auf Scheuerstellen zu prüfen und sie bei Bedarf auszutauschen.
Bei der Pferdepflege lässt sich vieles selbst erledigen – aber nicht alles. Professionelle Unterstützung ist gefragt bei:
Pferdepflege ist eine der wirkungsvollsten Möglichkeiten, das Wohlbefinden eines Pferdes aktiv zu fördern. Pferde, die regelmässig und achtsam gepflegt werden, zeigen deutlich weniger Stressverhalten: Sie sind ruhiger im Stall, kooperativer beim Reiten und reagieren gelassener auf ungewohnte Situationen. Die Pferdepflege wirkt dabei nicht nur auf der körperlichen Ebene – auch das seelische Gleichgewicht des Tieres profitiert.
Gezielt eingesetzt kann das Putzen zur echten Entspannungsroutine werden. Langsame, gleichmässige Streichbewegungen mit der Kardätsche senken nachweislich die Herzfrequenz beim Pferd und fördern die Ausschüttung von Entspannungshormonen. Besonders wirkungsvoll sind Massagebewegungen im Bereich von Schulter, Hals und Rücken – Stellen, die Pferde sich gegenseitig beim sozialen Putzen bevorzugt bearbeiten. Wer diese Bereiche in die tägliche Pferdepflege einbezieht, tut seinem Tier etwas Gutes – und schafft gleichzeitig eine ruhige, vertrauensvolle Atmosphäre.
Auch der Auslauf spielt für das Wohlbefinden eine entscheidende Rolle. Pferde, die sich ausreichend bewegen können, sind ausgeglichener und lassen sich leichter pflegen. Eine Kombination aus regelmässiger Bewegung, gutem Kraftfutter und sorgfältiger Pferdepflege bildet die Grundlage für ein gesundes, zufriedenes Tier.
Wer ein paar einfache Grundregeln beachtet, macht die Pferdepflege für sich und sein Tier angenehmer – und vermeidet unnötige Fehler.
Auch erfahrene Pferdehalter tappen gelegentlich in dieselben Fallen. Diese Fehler lassen sich mit etwas Wissen leicht vermeiden.
Pferdepflege ist eine tägliche Aufgabe, die sich lohnt – für das Wohlbefinden des Tieres und für die Beziehung zwischen Pferd und Mensch. Mit dem richtigen Putzzeug, einer guten Routine und einem aufmerksamen Blick lassen sich die meisten Probleme früh erkennen und beheben. Wer die Grundlagen der Pferdepflege kennt und konsequent anwendet, legt den Grundstein für ein gesundes, zufriedenes Pferd.
In den LANDI-Läden finden Pferdehalter eine grosse Auswahl an Pflegeprodukten – vom Gummistriegel über Huffett bis zur Abschwitzdecke. Das Personal berät gerne, welche Produkte zu Tier und Haltungsform passen.
Bürsten, Schwämme und Striegel sollten mindestens einmal pro Woche gereinigt werden – bei starker Benutzung häufiger. Bürsten lassen sich mit warmem Wasser und einem milden Shampoo auswaschen und anschliessend an der Luft trocknen. Schwämme können ausgekocht oder in verdünnter Desinfektionslösung eingeweicht werden. Gummistriegel und Kunststoffteile lassen sich einfach unter fliessendem Wasser abspülen. Sauberes Putzzeug schützt das Pferd vor Hautproblemen und verlängert die Lebensdauer der Utensilien.
Manche Pferde sind beim Putzen empfindlich – besonders am Bauch, an den Beinen oder im Gesicht. Hier helfen weichere Bürsten, langsamere Bewegungen und viel Geduld. Wichtig ist, das Tier nie mit Gewalt zu fixieren oder weiterzumachen, wenn es deutlich signalisiert, dass es Schmerzen hat. Scheuerstellen, Verletzungen oder Hautkrankheiten können Ursache für Abwehrhaltungen sein. Im Zweifelsfall sollte ein Tierarzt die betreffende Stelle untersuchen. Wenn das Pferd grundsätzlich unruhig ist, hilft eine feste Routine: Pferde schätzen Vorhersehbarkeit.
Die Kosten für die tägliche Pferdepflege hängen stark von der Haltungsform und den verwendeten Produkten ab. Das Grundpflegematerial – Putzbox, Striegel, Kardätsche, Hufkratzer und Schwamm – ist eine einmalige Investition von rund 50 bis 150 Franken, je nach Qualität. Verbrauchsmaterial wie Huffett, Shampoo und Mähnenspray kommen in regelmässigen Abständen dazu und kosten monatlich je nach Nutzung zwischen 10 und 30 Franken. Der Hufschmied schlägt mit etwa 80 bis 150 Franken pro Beschlag zu Buche – alle sechs bis acht Wochen. Tierarztkosten für Routinechecks oder die Behandlung von Hautproblemen sind nicht pauschal kalkulierbar, sollten aber in der Jahresbudgetplanung berücksichtigt werden.
Ideale Putzbereiche sind rutschfeste, gut beleuchtete Flächen im Stall oder auf einem überdachten Paddock. Viele Betriebe haben eigens eingerichtete Putzboxen mit Anbindemöglichkeit. Wichtig ist, dass das Pferd sicher angebunden ist – weder so kurz, dass es sich nicht bewegen kann, noch so lang, dass es sich verheddern könnte. Im Freien putzen ist möglich, aber bei Wind und Wetter schwieriger. Im Winter empfiehlt sich ein geschützter, möglichst beheizter Bereich, damit das Pferd beim Putzen nicht auskühlt – besonders wenn man plant, nach dem Putzen zu reiten.