Mitten auf der Velotour am Sonntag passiert es: Das Velo lenkt sich plötzlich schwammig, ein leises Zischen ist zu hören, und schon steht man mit einer Reifenpanne am Strassenrand. Ein platter Reifen kann die Laune verderben, ist aber kein Grund zur Panik. Wer weiss, wie man ein Velopneu flicken kann, spart Geld und ist schnell wieder mobil. Es ist ein nützliches Handwerk für jeden Heimbereich, das man mit ein bisschen Geduld leicht erlernen kann. Egal ob auf dem Arbeitsweg oder beim Ausflug im Grünen, das Velopneu flicken gehört zu den Grundfertigkeiten, die jeder Velofahrer beherrschen sollte.
Bevor man mit der Arbeit beginnt, legt man sich am besten alle Werkzeuge bereit. Eine gute Vorbereitung verhindert, dass man mitten im Prozess nach Utensilien suchen muss.
Zur Grundausstattung für unterwegs oder in der heimischen Werkstatt gehört ein solides Flickset oder ein umfangreiches Reparaturset. Darin enthalten sein sollten mehrere Reifenheber aus robustem Kunststoff, um die Felge nicht zu beschädigen, sowie passendes Flickzeug. Ein klassisches Flickset besteht aus Schleifpapier, der flüssigen Vulkanisierflüssigkeit, die oft fälschlicherweise als einfacher Kleber bezeichnet wird, und den eigentlichen Flicken. Ein klassisches Flickset ist perfekt, wenn man den Veloschlauch flicken möchte. Für die schnelle Reparatur gibt es auch selbstklebende Flicken, doch für eine dauerhafte Haltbarkeit ist das Verfahren mit Flüssigkeit meist die sicherere Wahl. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, führt neben dem Reparatur-Set auch immer einen passenden Ersatzschlauch und eine kompakte Luftpumpe mit sich.
Wer ein Loch im Velopneu flicken muss, sucht sich dafür idealerweise einen sauberen, trockenen und windgeschützten Platz. Schmutz und Feuchtigkeit sind die grössten Feinde einer erfolgreichen Verklebung. Zu Hause in der Werkstatt arbeitet es sich natürlich am bequemsten, aber auch am Strassenrand sollte man darauf achten, das Laufrad nicht direkt in den Staub oder in nasses Gras zu legen.
Der eigentliche Reifenwechsel oder das Velopneu flicken beginnt immer mit dem Radausbau. Je nachdem, welches Rad man ausbauen muss, gibt es hier feine Unterschiede zu beachten.
Während das Vorderrad meist im Handumdrehen ausgebaut ist, erfordert das Hinterrad wegen der Kettenschaltung etwas mehr Aufmerksamkeit. Vor dem Lösen schaltet man die Kette auf das kleinste Ritzel. Dadurch hat das Schaltwerk die geringste Spannung, was den Radausbau massiv erleichtert. Verfügt das Velo über Schnellspanner, öffnet man diesen einfach und dreht die Mutter auf der Gegenseite leicht auf. Bei älteren Modellen oder E-Bikes benötigt man meist einen passenden Gabelschlüssel, um die Achsmuttern zu lösen.
Bevor man das Rad ganz herauszieht, muss man oft die Bremse aushängen oder öffnen, damit der dicke Reifen nicht an den Bremsbelägen hängen bleibt. Bei klassischen Felgenbremsen zieht man dafür einfach den Seilzug aus der Verankerung oder legt einen kleinen Hebel um. Bei modernen Scheibenbremsen muss man beim Laufrad ausbauen nichts an der Bremse verstellen, sollte aber danach keinesfalls den Bremshebel ziehen, da sich sonst die Beläge festsetzen.
Nun liegt das Rad vor einem, und das Velopneu flicken kann beginnen. Um an den Schlauch zu gelangen, muss der Mantel einseitig von der Felge gelöst werden.
Zuerst lässt man die restliche Luft vollständig ab, indem man das Veloventil öffnet. Je nach Ventilart drückt man den kleinen Stift am Ventil hinein oder schraubt den Ventilaufsatz ab. Danach drückt man den Reifen rundherum mit den Händen in die Mitte der Felge, direkt in das Felgenbett. Nun setzt man den ersten Reifenheber vorsichtig zwischen Felge und Reifenkante an und hebelt den Mantel über das Felgenhorn. Den Hebel fixiert man an einer Speiche. Mit einem zweiten Reifenheber fährt man nun im Abstand von einigen Zentimetern unter den Mantel und zieht diesen Stück für Stück rundherum von den Felgen.
Sobald eine Seite des Mantels komplett gelöst ist, kann man den Veloschlauch vorsichtig herausziehen. Man beginnt auf der dem Ventil gegenüberliegenden Seite und arbeitet sich langsam vor. Zum Schluss schiebt man das Veloventil vorsichtig durch das Loch im Felgenbett nach innen heraus.
Um erfolgreich ein Loch im Velopneu flicken zu können, muss man die beschädigte Stelle erst einmal exakt lokalisieren. Die Lochsuche erfordert manchmal etwas Geduld, um den Veloschlauch reparieren zu können.
Pumpen Sie den Schlauch zuerst mit der Luftpumpe auf, bis er prall ist. Um das Leck zu finden, eignen sich drei bewährte Methoden:
Hat man die Stelle für die spätere Reparatur entdeckt, markiert man sie am besten kreuzförmig mit einem Kugelschreiber, damit man sie nach dem Ablassen der Luft nicht wieder aus den Augen verliert.
Es nützt überhaupt nichts, den Schlauch flicken zu wollen, wenn die Ursache der Reifenpanne noch im Reifen steckt. Deshalb tastet man die Innenseite des Mantels ganz vorsichtig mit den Fingerspitzen ab. Oft stecken dort noch kleine Dornen, Glassplitter oder Drahtstücke, die man unbedingt entfernen muss, bevor man das Velo wieder fahrbereit macht. Auch ein verrutschtes Felgenband, das die Speichenköpfe im Inneren der Felge abdecken soll, kann die Ursache sein und sollte überprüft werden.
Ein langlebiges Ergebnis beim Reifen flicken hängt massiv von der richtigen Vorbereitung der Oberfläche ab.
Die Oberfläche des Gummis ist herstellungsbedingt sehr glatt und oft mit Trennmitteln versehen. Damit die Vulkanisierflüssigkeit eine dauerhafte chemische Verbindung eingehen kann, muss man den Bereich rund um das Loch mit Schmirgelpapier oder feinem Schleifpapier gründlich aufrauen. Der Bereich sollte etwas grösser sein als der Flicken selbst.
Nach dem Aufrauen wischt man den Schleifstaub gründlich ab. Die Klebefläche muss absolut trocken, staubfrei und fettfrei sein. Berühren Sie die vorbereitete Stelle nicht mehr mit den blossen Fingern, da Hautfett die Haftung drastisch verschlechtern kann.
Jetzt folgt der chemische Prozess, der den Schlauch wieder dauerhaft dicht macht.
Man trägt einen dünnen Film der Vulkanisierflüssigkeit auf die aufgeraute Stelle auf. Ein dicker Klecks bringt hier keinen Vorteil, im Gegenteil: Je dünner und gleichmässiger die Schicht verteilt ist, desto besser funktioniert das spätere Verschmelzen der Materialien.
Dies ist der Schritt, bei dem die meisten Fehler passieren. Die Flüssigkeit ist kein normaler Kleber, der nass zusammengefügt werden muss. Man muss die Schicht mindestens fünf Minuten lang vollständig trocknen lassen, bis die Oberfläche matt aussieht. Wer zu früh ansetzt, riskiert, dass der Flicken nicht hält.
Nun zieht man die Schutzfolie von der Unterseite des Flickens ab, ohne die saubere Unterseite zu berühren. Der Flicken wird zentral über dem Loch platziert. Jetzt gilt: Nicht die Dauer des Drucks ist entscheidend, sondern die Kraft. Pressen Sie den Flicken für einige Sekunden mit den Daumen so fest wie möglich an. Danach kann man die obere transparente Schutzfolie vorsichtig von innen nach aussen abziehen. Das Velopneu flicken ist damit im Kern abgeschlossen.
Der geflickte Schlauch ist bereit, wieder an seinen Platz zurückzukehren, damit die Fahrt fortgesetzt werden kann.
Bevor man den Schlauch einlegt, pumpt man ihn ganz leicht an, sodass er gerade so seine runde Form erhält. Das verhindert, dass sich der Gummi beim Einlegen verdreht oder Falten wirft. Nun führt man zuerst das Ventil wieder durch die Felgenbohrung und legt den Schlauch rundherum gleichmässig in den Mantel ein.
Jetzt drückt man den Mantel mit den Händen wieder über das Felgenhorn zurück in das Felgenbett. Verwenden Sie hierzu nach Möglichkeit keine Reifenheber, um den Schlauch nicht versehentlich einzuklemmen. Kontrollieren Sie vor dem vollständigen Aufpumpen, ob der Reifen gleichmässig auf der Felge sitzt. Erst dann nutzt man die Luftpumpe, um den gewünschten Reifendruck beziehungsweise Luftdruck herzustellen. Zum Schluss sollte man den Schlauch aufpumpen und auf die Angaben an der Reifenflanke achten. Zuletzt baut man das Laufrad in umgekehrter Reihenfolge wieder ein und schliesst die Bremsen.
Manchmal steht man vor der Frage, ob sich das Reparieren überhaupt noch lohnt oder ob ein kompletter Austausch sinnvoller ist.
Wenn ein Schlauch bereits porös ist, Risse direkt am Ventil aufweist oder bereits von unzähligen alten Flicken übersät ist, sollte man den Schlauch wechseln. Auch bei grossen Schnitten hilft kein herkömmliches Flickzeug mehr. Ein Veloschlauch wechseln ist kein grosser Aufwand und sorgt für langfristige Sicherheit. Moderne Tubeless-Reifen, die ohne Schlauch auskommen und stattdessen mit Dichtmilch befüllt sind, erfordern bei einer Reifenpanne übrigens ein ganz anderes Vorgehen – hier nutzt man spezielle Werkzeuge, um den Reifen direkt von ausserhalb der Werkstatt zu flicken.
Um zukünftige Pannen zu vermeiden, sollte man regelmässig den Reifendruck prüfen. Ein zu niedriger Luftdruck begünstigt sogenannte Durchschläge, bei denen der Schlauch zwischen Felge und Hindernis eingeklemmt wird. Zudem schützt ein hochwertiger Velopneus mit integriertem Pannenschutz effektiv vor Dornen und Glassplittern. Wer regelmässig Velopneus flicken muss, sollte über ein solches Upgrade nachdenken.
Ein Velopneu flicken ist mit der richtigen Anleitung und etwas Geduld ein Projekt, das man problemlos selber meistern kann. Es schont das Budget und sorgt dafür, dass man bei der nächsten Panne im Grünen nicht hilflos strandet. Die passenden Flicksets, Ersatzschläuche und Luftpumpen für das Velo findet man für jeden Bedarf in den LANDI Läden, sodass der nächsten sicheren Fahrt nichts mehr im Weg steht.
Die Flüssigkeit sollte mindestens fünf bis zehn Minuten ablüften, bis die glänzende Schicht vollkommen matt erscheint. Erst dann ist die chemische Basis für das Verschmelzen von Flicken und Schlauch bereit.
Ja, bei kleineren Pannen am Vorderrad kann man den Mantel manchmal einseitig von der Felge hebeln, den Schlauch teilweise herausziehen, nach dem Loch suchen und direkt vor Ort das Loch im Velopneu flicken. Für eine gründliche Arbeit und die wichtige Kontrolle des Mantels ist der komplette Ausbau jedoch meist komfortabler.
Das liegt meist an einer unzureichenden Vorbereitung der Klebefläche. Wenn das Aufrauen mit dem Schleifpapier vergessen wurde oder Staub und Fett auf der Oberfläche zurückgeblieben sind, kann sich keine stabile chemische Verbindung bilden.