Igel im Garten: Wie Sie den Garten igelfreundlich machen können  

Wer an lauen Sommerabenden auf der Terrasse sitzt und plötzlich ein lautes Rascheln aus dem Gebüsch hört, darf sich oft über einen besonderen Gast freuen. Meistens ist es ein kleiner, stachliger Vierbeiner auf der Suche nach Nahrung. Ein Igel im Garten ist nicht nur ein schöner Anblick, sondern auch ein nützlicher Helfer bei der biologischen Schädlingsbekämpfung. Doch unsere moderne Kulturlandschaft bietet den Tieren immer weniger Lebensraum. Strukturarme Rasenflächen, dichte Zäune und der Einsatz von Pestiziden machen ihnen das Überleben schwer. Mit ein paar einfachen Massnahmen können Sie Ihren Garten in eine Oase für Wildtiere verwandeln.  

Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung: Warum Igel unsere Hilfe brauchen
  2. Der igelfreundliche Garten: Den Lebensraum gestalten
  3. Die Fütterung: Wann und wie man den Speiseplan ergänzt
  4. Schneckenkorn: Eine unterschätzte Gefahr für Igel 
  5. Unterkunft bauen: Das perfekte Igelhaus
  6. Igel im Garten im Rhythmus der Jahreszeiten
  7. Erste Hilfe: Woran erkennt man einen kranken oder hilfsbedürftigen Igel?
  8. Rechtliche Aspekte: Der Igel als geschütztes Wildtier
  9. Fazit: Ein Ganzjahres-Engagement für den Artenschutz
  10. FAQ – Häufig gestellte Fragen 

Einleitung: Warum Igel unsere Hilfe brauchen

Die nützlichen Insektenfresser gehören zu den ältesten Säugetierarten der Erde, doch ihre Bestände in der Schweiz gehen seit Jahren zurück. Durch die zunehmende Zersiedelung und die saubere Ordnung in vielen Schweizer Siedlungsräumen finden die Tiere kaum noch geeignete Nistplätze oder ausreichend Nahrung. Wenn ein Igel im Garten Zuflucht sucht, trifft er oft auf unüberwindbare Barrieren oder tödliche Gefahren. Da Igel sehr standorttreu sind, sind sie massiv auf die Unterstützung von Gartenbesitzern angewiesen, um sicher durch das Jahr zu kommen.

Der igelfreundliche Garten: Den Lebensraum gestalten

Wilde Ecken zulassen: Das Versteck-Paradies

Ein perfekter Lebensraum zeichnet sich durch ein gewisses Mass an kontrollierter Unordnung aus. Lassen Sie in einer ruhigen Ecke des Gartens das Gras hochwachsen oder legen Sie einen Haufen aus Altholz, Ästen und trockenem Laub an. Solche Strukturen sind elementar, um einen Igel im Garten dauerhaft anzusiedeln. Sie dienen als Tagesversteck, als sicherer Rückzugsort für die Jungenaufzucht und schliesslich als schützendes Nest für den langen Winterschlaf.

Nahrungsquellen fördern: Ein Buffet für Insektenfresser

Igel sind reine Fleischfresser und ernähren sich keineswegs von Fallobst, wie fälschlicherweise oft angenommen wird. Sie benötigen Laufkäfer, Spinnen, Regenwürmer, Hundertfüssler und Schmetterlingslarven. Indem Sie einheimische Wildblumen anpflanzen, Sträucher setzen und auf englischen Rasen verzichten, locken Sie diese Insekten automatisch an und schaffen ein natürliches Nahrungsschlaraffenland.

Gefahrenquellen erkennen und entschärfen

Viele alltägliche Dinge im Umfeld des Hauses können für die Tiere zu einer tödlichen Falle werden. Wer einen Igel im Garten schützen will, sollte folgende Punkte beachten:

  • Mähroboter: Diese Geräte sollten niemals in der Dämmerung oder in der Nacht laufen, da sie schlafende oder zusammengerollte Igel grausam verletzen können.
  • Lichtschächte: Ungesicherte Kellerfenster und Schächte sollten mit einem engmaschigen Gitter abgedeckt werden, damit die Tiere nicht hineinfallen.
  • Zäune: Moderne Maschendraht- oder Metallzäune sollten am Boden einen Durchschlupf von mindestens zehn mal zehn Zentimetern frei lassen.
  • Pestizide: Der Einsatz von chemischem Schneckenkorn oder Insektengiften ist absolut tabu, da sich die Gifte in den Beutetieren anreichern und für den Igel tödlich sind.

Die Fütterung: Wann und wie man den Speiseplan ergänzt

Das richtige Futter: Was Igel wirklich vertragen

In langanhaltenden Trockenperioden im Sommer oder im späten Herbst vor dem Winterschlaf kann eine Zufütterung sinnvoll sein. Um den Tieren gezielt zu helfen, muss man wissen: Was fressen Igel überhaupt? Die Frage, was fressen Igel in der Natur, lässt sich einfach beantworten: Insekten, Larven und Käfer. Da wir diese im Laden nicht kaufen können, eignet sich hochwertiges Katzenfeuchtfutter mit einem hohen Fleischanteil von mindestens siebzig Prozent hervorragend als Ersatz. Auch ungewürztes, angebratenes Hackfleisch oder ein ungewürztes Rührei werden gerne angenommen. Mischen Sie etwas Haferflocken oder Weizenkleie darunter, um dem Futter mehr Struktur zu geben. 

Trinkstationen: Die Bedeutung von frischem Wasser

Eine Wasserschale ist für jeden Igel im Garten lebenswichtig. Stellen Sie eine flache, standsichere Schale mit frischem Leitungswasser auf. Reichen Sie den Tieren niemals Milch. Der darin enthaltene Milchzucker kann von Igeln nicht verdaut werden und führt zu schweren, oft tödlichen Durchfällen.

Hygiene am Futterplatz: Krankheiten vermeiden

Da sich an Futterstellen oft mehrere Tiere treffen, können Krankheitserreger wie Salmonellen leicht übertragen werden. Reinigen Sie die Futternäpfe deshalb täglich mit heissem Wasser und verwenden Sie keine chemischen Reinigungsmittel. Der Futterplatz sollte regengeschützt und sauber gehalten werden.

Schneckenkorn: Eine unterschätzte Gefahr für Igel 

Viele Gartenbesitzer möchten Schnecken bekämpfen und greifen zu Schneckenkorn. Für einen Igel im Garten kann dies jedoch gefährlich werden. Igel fressen zwar vor allem Käfer, Würmer und andere Wirbellose, nehmen aber gelegentlich auch Nacktschnecken auf. Haben diese zuvor giftiges Schneckenkorn aufgenommen, können die enthaltenen Wirkstoffe indirekt auch dem Igel schaden. Achten Sie darauf, dass ungiftige Schneckenköder im Garten eingesetzt werden. Wer Schnecken umweltfreundlich reduzieren möchte, setzt stattdessen auf natürliche Methoden wie das regelmässige Absammeln, Schneckenzäune oder das Fördern natürlicher Fressfeinde.  

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Unterkunft bauen: Das perfekte Igelhaus

Materialien und Standortwahl

Ein künstliches Igelhaus ist eine wunderbare Ergänzung für den Naturschutzgarten. Als Material eignet sich unbehandeltes Holz wie Fichte oder Tanne sowie atmungsaktiver Holzbeton. Stellen Sie das Haus an einem absolut ruhigen, schattigen Ort auf, beispielsweise unter dichten Sträuchern oder hinter der Gartenlaube, wo keine Hunde oder Menschen den Frieden stören.

Sommerquartier vs. Winterquartier

Während im Sommer eine einfache Holzkiste als schattiger Tagesrückzugsort ausreicht, muss das Winterquartier isoliert sein. Füllen Sie das Haus locker mit trockenem Haferstroh oder Laub. Decken Sie das gesamte Haus von aussen zusätzlich mit einer dicken Schicht Reisig und Blättern ab, damit der Igel im Garten frostfrei schlafen kann.

Igel im Garten im Rhythmus der Jahreszeiten

Frühling: Das Erwachen aus dem Winterschlaf

Sobald die Temperaturen im März oder April dauerhaft über zehn Grad steigen, erwachen die Tiere aus ihrem Winterschlaf. Sie haben fast die Hälfte ihres Körpergewichts verloren und benötigen nun dringend Wasser und Nahrung, um ihre Energiereserven wieder aufzufüllen.

Sommer: Unterstützung während der Aufzuchtzeit

Zwischen Juni und August bringen die Weibchen ihre Jungen zur Welt. In dieser Zeit benötigen die säugenden Mütter besonders viel Energie. Störungen im Garten sollten nun vermieden werden, um die Nester nicht zu gefährden.

Herbst: Die kritische Phase der Gewichtszunahme

Das primäre Ziel für jeden Igel im Garten ist es jetzt, sich bis zum November ein ausreichendes Fettpolster für den Winter anzufressen. Ein erwachsenes Tier sollte vor dem Winterschlaf mindestens 500 bis 600 Gramm wiegen, um die kalte Jahreszeit zu überstehen.

Winter: Störungsfreie Ruhephasen gewährleisten 

Von November bis März hält der Igel Winterschlaf. In dieser Zeit wird der Stoffwechsel auf ein Minimum heruntergefahren. Jede Störung weckt das Tier auf, was enorm viel Energie kostet und im schlimmsten Fall zum Tod durch Erschöpfung führt. Lassen Sie Laubhaufen im Winter daher absolut unberührt.

Kleintierzubehör

Erste Hilfe: Woran erkennt man einen kranken oder hilfsbedürftigen Igel?

Verhaltenstests: Aktivität am Tag als Warnsignal

Igel sind strikt nachtaktive Tiere. Ein Tier, das tagsüber offen auf dem Rasen herumläuft, lethargisch wirkt oder torkelt, befindet sich fast immer in einer Notlage und benötigt menschliche Hilfe.

Untergewicht und Verletzungen richtig einschätzen

Ein gesunder Igel ist birnenförmig und rollt sich bei Gefahr sofort zu einer festen Kugel zusammen. Kranke Tiere weisen oft eine sogenannte Hungerlinie hinter dem Kopf auf, wirken eingefallen oder sind von unzähligen Fliegenlarven und Zecken befallen. Sichtbare Wunden durch Rasentrimmer oder Hundeangriffe müssen sofort behandelt werden.

Der richtige Umgang: Sichern, Wärmen, Wiegen

Finden Sie ein hilfsbedürftiges Tier, ziehen Sie feste Handschuhe an und setzen Sie es vorsichtig in einen hohen Karton. Ist der Igel unterkühlt, legen Sie eine mit lauwarmem Wasser gefüllte, in ein Handtuch gewickelte Wärmflasche zu ihm in den Karton. Wiegen Sie das Tier, um den Zustand genau zu dokumentieren.

Zusammenarbeit mit Experten: Wann ist der Gang zur Igelstation nötig?

Die Pflege eines kranken Wildtiers erfordert Fachwissen. Kontaktieren Sie umgehend eine offizielle Schweizer Igelstation oder einen igelkundigen Tierarzt. Adressen und Notrufnummern finden Sie z.B. bei Pro Igel.

Medikamente und Parasitenbehandlung

Geben Sie dem Tier niemals eigenmächtig Medikamente oder Flohmittel aus dem Haustierbedarf. Viele handelsübliche Präparate für Katzen oder Hunde sind für die empfindlichen Wildtiere hochgradig giftig. Die Parasitenbekämpfung gehört ausschliesslich in Expertenhände.

Rechtliche Aspekte: Der Igel als geschütztes Wildtier

In der Schweiz ist der Braunbrustigel gemäss dem Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz unter strengen Schutz gestellt. Es ist gesetzlich verboten, gesunde Tiere aus der Natur zu entnehmen, sie zu fangen oder als Haustiere zu halten. Nur verletzte oder nachweislich hilfsbedürftige Tiere dürfen vorübergehend zur Pflege aufgenommen und müssen nach der Genesung unverzüglich wieder in die Freiheit entlassen werden.

Fazit: Ein Ganzjahres-Engagement für den Artenschutz

Ein Igel im Garten bereichert die Tierwelt und unterstützt das biologische Gleichgewicht im Umschwung. Mit dem Verzicht auf Chemie, dem Zulassen von wilden Ecken und dem Bereitstellen von sauberem Wasser leisten Sie einen wertvollen Beitrag zum Schweizer Artenschutz. Passende Materialien für den Bau eines Unterschlugs, Igelhäuser sowie Schalen für Futter und Wasser finden Sie in den LANDI Läden in Ihrer Region.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Thema “Igel im Garten”

Hochwertiges Katzenfeuchtfutter ohne Gelee und Sauce, gemischt mit etwas Weizenkleie, schmeckt den Tieren besonders gut und ist gut verträglich.

Nein, Igel vertragen den Milchzucker nicht. Milch verursacht schweren Durchfall, an dem die Tiere qualvoll sterben können. Reichen Sie nur frisches Wasser.

Sobald ein Tier tagsüber herumläuft, verletzt oder stark untergewichtig ist, sollte unverzüglich eine Fachstelle um Rat gefragt werden.