Sie planen einen Ausflug übers Wochenende und fragen sich, wo in der Schweiz sich ein Besuch bei den Winzern lohnt? Oder Sie stöbern einfach gerne durch die Vielfalt an einheimischen Tropfen, bevor Sie die nächste Flasche für den Grillabend aussuchen? Wer sich mit den Weinregionen der Schweiz beschäftigt, entdeckt schnell, wie unterschiedlich Klima, Böden und Rebsorten von Kanton zu Kanton ausfallen – und wie viel Geschichte in jedem Glas steckt.
Die Schweiz zählt zu den kleineren, aber vielseitigsten Weinbauländern Europas. Auf engstem Raum wechseln sich milde Seeklimate, alpine Steillagen und mediterrane Einflüsse ab. Das macht den Schweizer Weinbau so spannend: Kaum ein anderes Land bringt auf so kleiner Fläche eine derart grosse Zahl an Rebsorten hervor. Ob Wallis, Waadt, Genf, Tessin, Graubünden, Zürich, Schaffhausen oder das Drei-Seen-Land – jede Region hat ihren eigenen Charakter und ihre eigene Geschichte.
Das Wallis ist mit Abstand der grösste Weinbaukanton der Schweiz und nimmt eine zentrale Rolle in der nationalen Weinproduktion ein. Das Rhônetal entlang der Rhône bietet ein trockenes, sonniges Klima mit teils extremen Steillagen, etwa rund um Visperterminen, wo einige der höchstgelegenen Rebberge Europas liegen. Die Böden sind vielfältig, von kalkhaltigem Schiefer bis zu sandigen Schwemmböden. Typisch sind Chasselas, hier unter dem Namen Fendant bekannt, sowie die autochthone Petite Arvine, die für ihre salzig-mineralische Note geschätzt wird. Auch Pinot Noir, Gamay und Syrah gedeihen hier gut.
Die Waadt am Genfersee ist bekannt für ihre terrassierten Rebberge, allen voran das Lavaux, das zum UNESCO-Welterbe gehört. Die Steillagen profitieren von der Reflexion des Sees und der Wärmespeicherung der Trockenmauern. Chasselas dominiert hier klar und erreicht in Lagen wie Dézaley Grand-Cru-Status. Die Böden sind kalkreich und mineralisch, was den Weissweinen ihre feine Frische verleiht.
Genf ist der drittgrösste Weinbaukanton und liegt geschützt zwischen Jura und Alpen. Das milde Klima am Genfersee begünstigt sowohl Weissweine als auch rote Rebsorten wie Gamay und Pinot Noir. Die Böden sind eher lehmig und fruchtbar, was fruchtbetonte, zugängliche Weine hervorbringt. Auch Gamaret, eine Schweizer Neuzüchtung, spielt in Genf eine wachsende Rolle.
Südlich der Alpen herrscht ein mediterranes Klima, das den Tessin zur Heimat des Merlot gemacht hat. Die Rebsorte wurde nach der Reblauskrise eingeführt und prägt seither das Landschaftsbild. Die Böden bestehen häufig aus Granit und Gneis, was den Weinen Struktur und Tiefe verleiht. Neben Merlot finden sich zunehmend auch Sauvignon Blanc, Chardonnay und internationale Cuvées.
Graubünden, vor allem die Bündner Herrschaft, gilt als Hochburg des Blauburgunder, wie Pinot Noir in der Deutschschweiz genannt wird. Das kontinentale Klima mit warmen Föhntagen und kühlen Nächten sorgt für eine lange Reifezeit und aromatische Tiefe. Die Steillagen entlang des Rheins verlangen viel Handarbeit, was sich in der hohen Qualität der Weine widerspiegelt.
Der Kanton Zürich ist der grösste Weinbaukanton der Deutschschweiz. Rund um den Zürichsee und in der Region Winterthur wachsen vor allem Blauburgunder, Räuschling und Müller-Thurgau. Die Böden sind vielseitig, von Molasse bis zu lehmigen Moränen, das Klima gemässigt kontinental mit ausreichend Niederschlag.
Schaffhausen liegt am Rhein und gehört zu den traditionsreichsten Weinbaugebieten der Deutschschweiz. Die Region ist stark auf Blauburgunder ausgerichtet, der hier auf kalkhaltigen Böden wächst. Das Klima profitiert von der Nähe zum Rhein, der als Wärmespeicher wirkt.
Das Drei-Seen-Land rund um Neuenburgersee, Bielersee und Murtensee, auch Drei-Seen-Region genannt, ist geprägt von kalkreichen Böden und einem ausgleichenden Seeklima. Im Kanton Neuenburg dominiert Chasselas neben Pinot Noir, während die Region Vully für ihre erfrischenden Weissweine bekannt ist. Die Nähe zum Wasser mildert Frühjahrsfröste und verlängert die Reifezeit im Herbst.
Auch ausserhalb der grossen Zentren wird in der Schweiz Wein produziert. Im Aargau und im Kanton St. Gallen, insbesondere in der Bündner Herrschaft angrenzenden Rheintal-Lagen, entstehen zunehmend beachtete Tropfen. Diese kleineren Weinbaukantone zeigen, wie breit das Weinland Schweiz aufgestellt ist.
Die Vielfalt an Rebsorten gehört zu den Besonderheiten des Schweizer Weinbaus:
Der Schweizer Weinbau lebt vom Terroir im eigentlichen Sinn: von der engen Verbindung zwischen Boden, Klima und Handarbeit. Viele Steillagen lassen sich nur von Hand bewirtschaften, was die Produktionsmenge klein, aber die Qualität hoch hält. Weil ein Grossteil der Schweizer Weine im Inland konsumiert wird, sind sie im Ausland vergleichsweise wenig bekannt, was ihnen einen gewissen Geheimtipp-Charakter verleiht. Die AOC-Systematik, vergleichbar mit anderen europäischen Herkunftsbezeichnungen, sorgt zudem für kontrollierte Qualität und regionale Typizität.
Wer die Weinregionen der Schweiz selbst erkunden möchte, findet ein wachsendes Angebot an Weintourismus:
Für die Lagerung und den Ausbau des eigenen kleinen Gartens oder Rebstocks am Haus finden Sie im LANDI-Sortiment passendes Zubehör, von Pflanzenschutz bis zu Werkzeug für die Pflege.
Die Weinregionen der Schweiz überraschen mit einer Vielfalt, die man auf so kleinem Raum kaum erwarten würde. Von den Steillagen des Wallis über die Terrassen des Lavaux bis zu den Ufern der Drei-Seen-Region: Jede Region erzählt ihre eigene Geschichte aus Boden, Klima und Handwerk. Wer sich Zeit nimmt, die einzelnen Weinbaukantone zu entdecken, wird mit spannenden Weinen und schönen Landschaften belohnt.
Die Monate September und Oktober eignen sich besonders gut, da während der Weinlese viel Betrieb herrscht und viele Winzer offene Kellertüren anbieten. Auch das Frühjahr, wenn die Reben austreiben, ist landschaftlich reizvoll.
Die gesamte Rebfläche der Schweiz umfasst rund 14'500 Hektar, verteilt auf sechs grössere Weinbauregionen und zahlreiche kleinere Anbaugebiete.
Fendant und Chasselas bezeichnen dieselbe Rebsorte. Chasselas ist der allgemeine Name der weissen Rebsorte, während Fendant die traditionelle Bezeichnung im Wallis ist.
AOC steht für eine kontrollierte Ursprungsbezeichnung. Sie garantiert, dass ein Wein aus einer bestimmten Region stammt und definierten Qualitätsvorgaben entspricht, ähnlich wie bei anderen europäischen Herkunftssystemen.
Finden Sie alles zu Weinen auf unserer Weinwelt-Seite:
Bei jeglichen Fragen und Wünschen rund um Weine helfen wir Ihnen gerne in Ihrem nächsten LANDI-Laden oder über das Internet: