Sie stehen vor einem üppig blühenden Rosenstrauch im Nachbargarten oder an einem geschützten Fleck Ihres eigenen Grundstücks und sind fasziniert von den leuchtenden Blüten und dem herrlichen Duft. Am liebsten würden Sie genau diese Sorte an einer anderen Stelle im Garten noch einmal anpflanzen. Doch edle Rosensorten aus der Gärtnerei sind oft kostspielig oder historische Lieblingssorten gar nicht mehr im Handel erhältlich. Wenn Sie mit einfachen Mitteln Ihre eigenen Rosen vermehren, können Sie genetisch identische Kopien Ihrer Lieblingsblumen heranziehen. Das Erleben, wie aus einem einfachen Zweig eine blühende Pflanzenpersönlichkeit entsteht, macht die eigene Nachzucht zu einem der schönsten Projekte für Hobbygärtner im Schweizer Gartenjahr.
Die eigene Anzucht von Rosen hat eine lange Tradition im Gartenbau. Wenn man Pflanzen über vegetative Wege wie Stecklinge oder Steckholz nachzieht, erhält man sogenannte wurzelechte Klone der Mutterpflanze. Das bedeutet, dass die junge Pflanze exakt dieselben Eigenschaften wie Blüte, Duft und Wuchsform besitzt. Während gekaufte Rosen meist auf einer fremden Wildrosenunterlage veredelt sind, wachsen eigenhändig gezogene Rosen auf ihren eigenen Wurzeln. Dies hat den Vorteil, dass bei allfälligen Frostschäden im kalten Schweizer Winter die Triebe, die aus der Basis neu austreiben, immer die gewünschte Edelsorte bleiben und keine wilden Triebformen bilden.
Um erfolgreich Pflanzen nachzuzuziehen, müssen die Temperaturen und der Feuchtigkeitsgehalt im Erdreich stimmen. Der Kalender bietet im Verlaufe des Gartenjahrs verschiedene Gelegenheiten, um aus gesunden Trieben neue Pflanzen anzuziehen.
Je nach Jahreszeit eignen sich unterschiedliche Techniken für die Vermehrung:
Verwenden Sie als Ausgangsmaterial ausschliesslich kräftige und absolut gesunde Mutterpflanzen. Wenn Sie erfolgreich Rosen vermehren möchten, sollten die Ausgangstriebe keinerlei Spuren von Pilzkrankheiten wie Sternrusstau, Echtem Mehltau oder Rosenrost aufweisen. Eine geschwächte Mutterpflanze besitzt nicht genügend Reservestoffe, um die kräftezehrende Wurzelbildung eines neuen Stecklings zu versorgen. Giessen Sie die Mutterpflanze am Tag vor der Entnahme des Schnittguts gründlich, damit die Triebe prall gefüllt mit Zellsaft sind.
Nicht jede Methode führt bei jeder Rosensorte zum gleichen Erfolg. Für Einsteiger lohnt sich der Blick auf die zwei gängigsten Praxiswege.
In der professionellen Baumschule werden Edelrosen meist durch Veredelung vermehrt, bei der ein Auge der Wunschrose auf eine robuste Wildrose okuliert wird. Dies erfordert jedoch viel handwerkliches Geschick und Erfahrung. Für den Hausgarten sind zwei vegetative Verfahren viel einfacher: Die Anzucht über grüne Stecklinge im Sommer sowie die Anzucht über ausgereiftes Steckholz im Spätherbst. Beide Methoden kommen ganz ohne komplizierte Veredelungs-Techniken aus.
Die Erfolgsquote unterscheidet sich je nach Rosenklasse erheblich:
Wer im warmen Sommer aus blühenden Zweigen frische Rosenstecklinge machen möchte, benötigt nur wenige Werkzeuge: eine scharfe Gartenschere, Anzuchterde, Sand und Töpfe oder Plastikhauben.
Suchen Sie sich einen verblühten, bleistiftdicken Trieb aus, der bereits leicht verholzt ist. Schneiden Sie ein etwa fünfzehn Zentimeter langes Stück heraus. Bevor Sie aus den Trieben eigene Rosenstecklinge machen, achten Sie darauf, dass der untere Schnitt schräg direkt unterhalb eines Blattknotens angesetzt wird, während der obere Schnitt gerade etwa einen Zentimeter über einem Blattknoten verläuft.
Entfernen Sie die verblühte Blüte sowie die untersten Blätter des Triebs komplett. Lassen Sie nur die obersten zwei Blattpaare stehen. Falls diese sehr gross sind, schneiden Sie die Blätter mit der Schere um die Hälfte zurück. Dies verhindert, dass der Trieb über die Blattflächen zu viel Feuchtigkeit verdunstet, solange er noch keine eigenen Wurzeln hat.
Mischen Sie magere Anzuchterde zu gleichen Teilen mit Quarzsand oder Perlit. Nährstoffreiche Blumenerde ist ungeeignet, da sie die zarten neuen Wurzeln verbrennen würde. Stecken Sie das untere Drittel des vorbereiteten Triebs in das Substrat und drücken Sie die Erde sanft an.
Stecklinge benötigen gespannte Luft mit hoher Luftfeuchtigkeit. Stülpen Sie eine transparente Plastiktüte oder eine halbierte PET-Flasche über den Topf. Achten Sie darauf, dass die Folie die Blätter nicht berührt. Stellen Sie das Gefäss an einen hellen, warmen Ort ohne direkte, pralle Mittagssonne.
Die Steckholz-Methode ist die einfachste Möglichkeit für alle, die im späten Gartenjahr ohne Gewächshaus oder Töpfe Rosen vermehren wollen.
Im Spätherbst, wenn die Sträucher ihr Laub abgeworfen haben, fallen beim Rückschnitt kräftige, ausgereifte Jahrestriebe an. Schneiden Sie bleistiftdicke, bleistiftlange Stücke heraus. Entfernen Sie allfällige Restblätter vollkommen.
Stecken Sie die Holzstücke an einem geschützten Beetplatz tief in das vorbereitete Erdreich, sodass nur noch die obersten zwei Zentimeter aus dem Boden ragen. Über den Winter bildet sich an der Schnittstelle unter der Erde ein Wundgewebe, aus dem im folgenden Frühjahr die ersten Wurzeln spriessen. Eine Abdeckung mit Tannenreisig schützt vor starkem Frost.
Sobald die Stecklinge im Frühjahr oder Sommer grüne Knospen austreiben, ist der erste Schritt geschafft. Nun brauchen die jungen Pflänzchen aufmerksame Pflege.
Das Substrat muss gleichmässig feucht gehalten werden. Vermeiden Sie jedoch zwingend Staunässe in Untersetzern oder Töpfen, da die feinen Wurzeln sonst rasch faulen. Wenn Sie auf diese Weise Ihre Rosen vermehren, ist Fingerspitzengefühl beim Giessen entscheidend.
Sobald die Töpfe gut durchwurzelt sind und unten erste Wurzelspitzen austreten, können die Jungpflanzen in nährstoffreichere Rosenerde umgetopft werden. Im darauffolgenden Herbst dürfen die Pflanzen an ihren endgültigen, sonnigen Standort ins Gartenbeet umziehen.
Junge, wurzelechte Nachkömmlinge sind im ersten Winter im Beet noch etwas empfindlicher als ältere Sträucher. Häufeln Sie die Basis im Spätherbst etwa fünfzehn Zentimeter hoch mit Kompost oder Gartenerde an und decken Sie die Zweige mit Tannenästen ab.
Selbst mit Erfahrung klappt nicht jeder Versuch. Wer beim Rosen vermehren Rückschläge vermeiden möchte, achtet auf folgende Gefahrenstellen:
Prall einstrahlende Mittagssonne heizt die Abdeckung auf und verbrennt die zarten Triebe innerhalb weniger Stunden. Wer geduldig Rosen vermehren will, wählt deshalb immer einen halbschattigen, geschützten Platz für die Anzuchtgefässe.
Verwenden Sie ausschliesslich saubere, desinfizierte Gartenscheren und frische Anzuchterde. Lüften Sie die Abdeckhauben täglich für einige Minuten, um Schimmelbildung unter der Folie vorzubeugen.
Das Vermehren von Rosen erfordert zwar etwas Geduld und Disziplin, belohnt den Hobbygärtner aber mit robusten, wurzelechten Pflanzen für das eigene Paradies. Ob mit grünen Stecklingen im Sommer oder mit Steckholz im kühlen Spätherbst: Der Erfolg bringt grosse Freude im Gartenalltag. Das passende Anzuchtzubehör, scharfe Rosenscheren, hochwertige Erde und nützliche Tipps für Ihr nächstes Projekt finden Sie in den LANDI Läden in Ihrer Region.
Nein, Bodendecker-, Strauch- und Kletterrosen bewurzeln meist sehr gut. Edelrosen und stark gefüllte Teehybriden sind anspruchsvoller und bilden auf eigenen Wurzeln manchmal schwächere Pflanzen aus.
Der beste Zeitraum liegt in den Sommermonaten Juli und August. Zu dieser Zeit sind die Triebe leicht verholzt, stehen gut im Saft und finden ideale Bodentemperaturen vor.
Ja, das ist besonders bei der Steckholz-Methode im Spätherbst üblich. Im Sommer empfiehlt sich jedoch die Anzucht im Topf unter einer Abdeckung, da sich Luftfeuchtigkeit und Bodenfeuchte dort deutlich besser steuern lassen.
Bei sommerlichen Stecklingen dauert die erste Wurzelbildung unter der Abdeckung etwa vier bis sechs Wochen. Bis die Pflanze kräftig genug zum Auspflanzen ist, vergehen meist einige Monate.