Reifendruck beim Auto: So bestimmen, messen und regulieren Sie ihn richtig

Sie stehen an der Tankstelle, der Kompressor hängt bereit, und auf einmal sind Sie unsicher: Welcher Wert steht eigentlich auf dem Aufkleber in der Fahrertür, und stimmt der überhaupt noch, wenn das Auto voll beladen in die Ferien fährt? Genau mit solchen Situationen haben viele Autofahrerinnen und Autofahrer in der Schweiz zu kämpfen. Dabei ist die Einstellung des richtigen Reifendrucks beim Auto eine der einfachsten Massnahmen, um Sicherheit, Komfort und Kosten im Griff zu behalten. In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie den passenden Reifendruck bestimmen, korrekt messen und bei Bedarf anpassen. 

Inhaltsübersicht

  1. Die wichtigsten Schritte auf einen Blick 
  2. Einleitung 
  3. Warum ist der richtige Reifendruck so wichtig? 
  4. Anleitung: Reifendruck beim Auto bestimmen, messen und anpassen 
  5. Folgen von falschem Reifendruck beim Auto 
  6. Reifendruckkontrollsystem (RDKS) 
  7. Wichtige Sicherheitshinweise 
  8. Tipps für den Alltag 
  9. Häufige Fehler beim Prüfen des Reifendrucks 
  10. Fazit 
  11. FAQ – Häufig gestellte Fragen zum Thema "Reifendruck beim Auto" 

Die wichtigsten Schritte auf einen Blick 

Bevor wir ins Detail gehen, hier die zentralen Schritte für den richtigen Reifendruck beim Auto zusammengefasst: 

  1. Sollwert bestimmen: Den empfohlenen Reifendruck finden Sie in der Bedienungsanleitung, auf einem Aufkleber an der Fahrertür oder an der Tankklappe. 
  2. Kalte Reifen messen: Der Reifendruck sollte immer an kalten Reifen geprüft werden, idealerweise vor Fahrtbeginn. 
  3. Messgerät korrekt ansetzen: Ventilkappe abschrauben, Messgerät fest aufsetzen und den Wert in bar oder psi ablesen. 
  4. Druck anpassen: Bei zu niedrigem Wert Luft nachfüllen, bei zu hohem Druck Luft ablassen, bis der Sollwert erreicht ist. 
  5. Beladung berücksichtigen: Bei voller Beladung oder Anhängerbetrieb gelten oft höhere Werte aus der Reifendrucktabelle. 
  6. Regelmässig kontrollieren: Mindestens einmal im Monat sowie vor längeren Fahrten, unabhängig vom Reifendruckkontrollsystem. 

Einleitung 

Ob Fahrt zur Arbeit, Ausflug in die Berge oder Ferienreise mit vollgepacktem Kofferraum: Der Reifendruck beim Auto beeinflusst massgeblich, wie sicher und wirtschaftlich Sie unterwegs sind. Viele Autofahrerinnen und Autofahrer in der Schweiz kontrollieren den Luftdruck im Reifen jedoch nur, wenn die Warnleuchte im Cockpit aufleuchtet oder ein Reifen sichtbar weich wirkt. Dabei lohnt sich eine regelmässige Kontrolle in jedem Fall, denn schon geringe Abweichungen vom empfohlenen Wert wirken sich auf Fahrverhalten, Verschleiss und Treibstoffverbrauch aus. Dieser Ratgeber erklärt verständlich, worauf es beim Reifendruck ankommt und wie Sie in wenigen Minuten selbst für optimale Werte sorgen. 

Warum ist der richtige Reifendruck so wichtig? 

Der Reifen ist die einzige Verbindung zwischen Fahrzeug und Fahrbahn. Über die Aufstandsfläche wird die gesamte Kraft übertragen, die für Beschleunigung, Lenkung und Bremsung nötig ist. Stimmt der Reifendruck nicht, verändert sich diese Aufstandsfläche, und damit verändern sich auch Grip, Bremsweg und Fahrkomfort spürbar. 

Ein korrekter Reifendruck sorgt dafür, dass sich die Lauffläche gleichmässig abnutzt, der Rollwiderstand möglichst gering bleibt und das Fahrzeug berechenbar auf Lenkbewegungen reagiert. Da Fahrzeugmodelle unterschiedliche Anforderungen an Gewicht, Reifengrösse und Fahrwerk haben, gibt jeder Fahrzeughersteller einen spezifischen Wert je Fahrzeugtyp vor. Wer diesen Wert kennt und regelmässig kontrolliert, reduziert nicht nur das Unfallrisiko, sondern spart auch bares Geld beim Treibstoffverbrauch und verlängert die Lebensdauer der Autoreifen. 

Anleitung: Reifendruck beim Auto bestimmen, messen und anpassen 

Reifendruck bestimmen 

Der korrekte Reifendruck ist kein einheitlicher Wert, sondern hängt vom jeweiligen Fahrzeug, der Beladung und teilweise auch von der Reifengrösse ab. Die zuverlässigste Quelle ist die Reifendrucktabelle des Herstellers, die Sie an einer der folgenden Stellen finden: 

  • Fahrertür: Häufig ist ein Aufkleber mit den Sollwerten an der B-Säule oder im Türrahmen der Fahrertür angebracht. 
  • Tankklappe: Bei manchen Modellen befindet sich die Reifendrucktabelle auf der Innenseite der Tankklappe. 
  • Bedienungsanleitung: In der Betriebsanleitung des Fahrzeugs finden Sie detaillierte Angaben, oft unterschieden nach Vorderachse und Hinterreifen sowie nach Beladungszustand. 

Achten Sie darauf, ob unterschiedliche Werte für Sommerreifen und Winterreifen sowie für unterschiedliche Reifengrössen angegeben sind. Bei voller Beladung oder wenn Sie einen Anhänger ziehen, ist meist ein höherer Reifendruck vorgesehen, da mehr Gewicht auf den Autoreifen lastet. 

Reifendruck messen 

Für das Messen des Reifendrucks benötigen Sie ein einfaches Messgerät, das an vielen Tankstellen, in Werkstätten oder auch im eigenen Haushalt griffbereit sein sollte. So gehen Sie vor: 

  1. Schrauben Sie die Ventilkappe vom Ventil ab und bewahren Sie sie griffbereit auf. 
  1. Setzen Sie den Reifendruckprüfer fest und gerade auf das Ventil, bis kein Zischen mehr zu hören ist. 
  1. Lesen Sie den angezeigten Wert in bar oder psi ab und vergleichen Sie ihn mit dem Sollwert aus der Reifendrucktabelle. 
  1. Wiederholen Sie den Vorgang bei allen vier Reifen, da der Druck einzeln abweichen kann. 

Wichtig ist, dass Sie den Reifendruck an kalten Reifen prüfen, also bevor Sie eine längere Strecke gefahren sind. Durch die Fahrt erwärmt sich die Luft im Reifen und der gemessene Wert steigt künstlich an, wodurch das Ergebnis verfälscht wird. 

Reifendruck anpassen 

So passen Sie den Druck korrekt an: 

  • Luft nachfüllen: Liegt der gemessene Wert unter dem Sollwert, füllen Sie mit einem Kompressor Luft nach, bis der korrekte Druck erreicht ist. 
  • Zielwert einstellen: Viele moderne Kompressoren an Tankstellen und in Werkstätten stellen sich automatisch auf den eingegebenen Zielwert ein und stoppen selbstständig. 
  • Luft ablassen: Ist der Druck zu hoch, lässt sich mit der kleinen Metallstange auf der Rückseite vieler Messgeräte gezielt Luft ablassen. 
  • Kontrolle und Ventilkappe: Prüfen Sie den Wert nach dem Befüllen oder Ablassen noch einmal, bevor Sie die Ventilkappe wieder aufschrauben, denn diese schützt das Ventil zusätzlich vor Schmutz und Feuchtigkeit. 

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 Folgen von falschem Reifendruck beim Auto 

Ein falscher Reifendruck bleibt selten ohne Folgen, auch wenn die Abweichung im Alltag oft kaum spürbar ist: 

  • Höherer Verbrauch: Zu niedriger Druck führt dazu, dass sich die Reifenflanken stärker verformen, wodurch der Rollwiderstand steigt und sich der Kraftstoffverbrauch beziehungsweise Treibstoffverbrauch erhöht. 
  • Schnellerer Verschleiss: Gleichzeitig nutzen sich die äusseren Bereiche der Lauffläche schneller ab, was den Reifenverschleiss beschleunigt und die Profiltiefe rascher sinken lässt. 
  • Weniger Grip: Bei zu hohem Druck liegt der Reifen nur noch mit einer kleineren Aufstandsfläche auf der Fahrbahn auf, was den Grip verringert und den Bremsweg verlängern kann. 
  • Geringerer Komfort: Zusätzlich leidet der Fahrkomfort, da Stösse von der Fahrbahn weniger gut abgefedert werden. 
  • Sicherheitsrisiko: In beiden Fällen wirkt sich falscher Reifendruck negativ auf das Fahrverhalten und die Fahrsicherheit aus, insbesondere bei Nässe oder auf winterlicher Fahrbahn. 
  • Druckverlust ernst nehmen: Ein regelmässiger Druckverlust, etwa durch ein kleines Leck, sollte deshalb möglichst rasch in einer Werkstatt abgeklärt werden. 

Reifendruckkontrollsystem (RDKS) 

Seit einigen Jahren sind Neuwagen in der Schweiz und in der gesamten EU serienmässig mit einem Reifendruckkontrollsystem ausgestattet, kurz RDKS. Dieses System überwacht mithilfe von Sensoren im Reifen oder über die Raddrehzahl den aktuellen Reifendruck und warnt im Cockpit, sobald ein Reifen deutlich vom Sollwert abweicht. 

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen direkten Systemen, die über echte Sensoren im Reifen den Druck messen, und indirekten Systemen, die Druckverluste anhand der Raddrehzahl berechnen. Direkte Reifendruckkontrollsysteme liefern in der Regel genauere Werte, sind dafür aber aufwendiger in Wartung und Reifenwechsel, da die Sensoren bei jedem Reifenwechsel berücksichtigt werden müssen. Auch wenn ein RDKS eine wertvolle Unterstützung ist, ersetzt es die manuelle Kontrolle nicht vollständig, da kleinere Abweichungen mitunter erst spät oder gar nicht angezeigt werden. 

Wichtige Sicherheitshinweise 

Beim Umgang mit Reifendruck und Kompressoren gibt es einige Punkte, die Sie aus Sicherheitsgründen beachten sollten: 

  • Kalte Reifen prüfen: Messen Sie den Druck möglichst vor Fahrtbeginn, da warme Reifen einen höheren Wert anzeigen, als tatsächlich vorhanden ist. 
  • Regelmässige Sichtkontrolle: Prüfen Sie Reifen zusätzlich auf sichtbare Schäden, Risse oder eingedrungene Fremdkörper. 
  • Beladung berücksichtigen: Bei voller Beladung immer den entsprechend höheren Wert aus der Reifendrucktabelle verwenden. 
  • Ventilkappe nicht vergessen: Eine fehlende Ventilkappe kann zu schleichendem Druckverlust und eindringendem Schmutz führen. 
  • Reserverad einbeziehen: Falls vorhanden, auch das Reserverad regelmässig auf korrekten Druck prüfen. 

Tipps für den Alltag 

Ein paar einfache Gewohnheiten helfen dabei, den Reifendruck beim Auto dauerhaft im grünen Bereich zu halten: 

  • Monatliche Kontrolle: Prüfen Sie den Druck idealerweise einmal im Monat sowie vor jeder längeren Fahrt. 
  • Saisonaler Reifenwechsel: Kontrollieren Sie den Sollwert bei jedem Wechsel zwischen Sommerreifen und Winterreifen neu, da er je nach Reifengrösse variieren kann. 
  • Profiltiefe mitprüfen: Nutzen Sie den Reifenwechsel gleich, um auch die Profiltiefe zu kontrollieren, da abgefahrene Reifen unabhängig vom Reifendruck an Grip verlieren. 
  • Eigenes Messgerät: Ein kleiner Reifendruckprüfer oder ein tragbarer Kompressor für zu Hause macht Sie unabhängig von der nächsten Tankstelle. 
  • Stickstoff als Option: Manche Garagen bieten eine Befüllung mit Stickstoff statt normaler Luft an. Der Effekt auf den Druckverlust ist leicht positiv, für den Alltag in der Schweiz reicht normale Luft bei regelmässiger Kontrolle jedoch völlig aus. 

Häufige Fehler beim Prüfen des Reifendrucks 

In der Praxis schleichen sich immer wieder dieselben Fehler ein: 

  • Warme Reifen messen: Der Druck wird erst nach einer längeren Fahrt geprüft, wodurch der angezeigte Wert zu hoch ausfällt. 
  • Pauschalwerte statt Reifendrucktabelle: Es wird ein allgemeiner Wert aus dem Internet verwendet, statt die spezifische Reifendrucktabelle für den eigenen Fahrzeugtyp heranzuziehen. 
  • Saisonwechsel ohne Kontrolle: Nach dem Reifenwechsel zwischen Sommerreifen und Winterreifen wird der Sollwert nicht neu geprüft, obwohl er je nach Reifengrösse variieren kann. 
  • Beladung unberücksichtigt: Bei voller Beladung oder mit Anhänger wird weiterhin der Standardwert genutzt, statt die höheren Werte aus der Betriebsanleitung anzuwenden. 
  • Blindes Vertrauen ins RDKS: Es wird ausschliesslich auf das Reifendruckkontrollsystem vertraut und auf die manuelle Kontrolle verzichtet, wodurch ein langsamer, schleichender Druckverlust oft zu spät auffällt. 

Fazit 

Der richtige Reifendruck ist eine kleine Massnahme mit grosser Wirkung: Er beeinflusst Fahrsicherheit, Bremsweg, Fahrkomfort und Treibstoffverbrauch gleichermassen. Wer den Sollwert aus der Bedienungsanleitung oder dem Aufkleber an der Fahrertür kennt, regelmässig an kalten Reifen misst und bei Bedarf mit einem Kompressor nachjustiert, ist auf der sicheren Seite. Auch wenn ein modernes Reifendruckkontrollsystem eine praktische Unterstützung bietet, lohnt sich die manuelle Kontrolle nach wie vor, besonders vor dem saisonalen Wechsel zwischen Sommerreifen und Winterreifen oder vor längeren Fahrten mit voller Beladung. In den LANDI-Läden finden Sie passende Kompressoren für die Kontrolle zu Hause sowie weiteres Zubehör rund um Auto und Fahrzeugpflege.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zum Thema "Reifendruck beim Auto"

Als grobe Orientierung gilt: Eine Abweichung von rund 0,2 bar vom empfohlenen Sollwert lässt sich meist noch tolerieren, sollte aber bei der nächsten Gelegenheit korrigiert werden. Grössere Abweichungen wirken sich bereits spürbar auf Fahrverhalten, Verschleiss und Bremsweg aus und sollten zeitnah angepasst werden. Massgeblich ist immer der Wert aus der Reifendrucktabelle des jeweiligen Fahrzeugtyps. 

Das ist unterschiedlich geregelt. Viele Tankstellen in der Schweiz bieten einen Kompressor zur Selbstbedienung an, wobei die Nutzung teils kostenlos und teils kostenpflichtig ist. Es lohnt sich, kurz zu prüfen, ob ein Hinweis auf Kosten oder eine Zeitbegrenzung angebracht ist, bevor Sie den Reifendruck messen und anpassen. 

Ja, häufig ist das der Fall. Elektrofahrzeuge sind durch die Batterie in der Regel schwerer als vergleichbare Verbrenner, weshalb Reifenhersteller und Fahrzeughersteller oft einen etwas höheren Reifendruck vorschreiben. Massgeblich ist auch hier ausschliesslich die spezifische Reifendrucktabelle aus der Bedienungsanleitung oder dem Aufkleber an der Fahrertür des jeweiligen Fahrzeugtyps.