Ein Kirschbaum im Garten ist im Frühling ein weisses Blütenmeer und im Sommer der Lieferant für herrlich saftige, süsse Früchte. Doch damit der Baum vital bleibt, nicht übermässig vergreist und Jahr für Jahr reiche Erträge bringt, benötigt er ab und zu einen gezielten Rückschnitt. Viele Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer schneiden Kirschbäume wie Apfel- oder Birnbäume im tiefsten Winter – das ist jedoch einer der häufigsten Fehler in der Obstbaumpflege. Kirschen gehören zum empfindlichen Steinobst und stellen ganz eigene Anforderungen an Schnittzeitpunkt und Technik.
In dieser Anleitung erfahren Sie, warum der Sommerschnitt für Süsskirschen das Mass aller Dinge ist, wie sich der Schnitt von Sauerkirschen unterscheidet und wie Sie Schritt für Schritt für eine gesunde, lichtdurchflutete Baumkrone sorgen.
Während Kernobst (wie Apfel und Birne) traditionell im Spätwinter während der Saftruhe geschnitten wird, reagiert das Steinobst Kirsche im Winter empfindlich auf Schnittverletzungen.
Wie stark und wo Sie zur Schere greifen müssen, hängt entscheidend von der Kirschenart ab:
Süsskirschen (Prunus avium) wachsen von Natur aus stark und bilden ihre Blütenknospen an sehr kurzen Trieben des zwei- und mehrjährigen Holzes – dem sogenannten Bukettholz. Diese kurzen Fruchtspiesse tragen über viele Jahre hinweg zuverlässig Kirschen.
Die Schnittregel: Schneiden Sie Süsskirschen eher zurückhaltend! Ein zu starker Rückschnitt führt nur zu massenhaftem Austrieb steiler Wasserschosse. Konzentrieren Sie sich darauf, die Krone auszulichten, damit Sonnenlicht an alle Früchte gelangt.
Sauerkirschen (Prunus cerasus) wachsen deutlich schwächer, bilden aber feine, herabhängende Zweige. Sie tragen fast ausschliesslich an den langen einjährigen Trieben des Vorjahres. Nach der Ernte verkahlen diese Triebe von der Basis her und werden zu langen, blattlosen «Peitschentrieben».
Die Schnittregel: Sauerkirschen verlangen jedes Jahr einen kräftigen Verjüngungsschnitt. Schneiden Sie abgetragene Peitschentriebe nach der Ernte beherzt auf einen jungen, kurzen Seitentrieb oder ein sichtbares Auge an der Basis zurück, um den Neuaustrieb anzuregen.
Für glatte Schnittflächen ohne Quetschungen benötigen Sie scharfes und sauberes Werkzeug:
Wählen Sie für den Baumschnitt einen trockenen, warmen Sommertag.
Beginnen Sie damit, abgestorbene, vertrocknete oder beschädigte Äste vollständig herauszuschneiden. Achten Sie besonders auf Zweige mit vertrockneten Fruchtmumien oder abgestorbenen Spitzen (Monilia-Spitzendürre) – schneiden Sie diese bis ins gesunde Holz zurück und entsorgen Sie das Schnittgut im Hausmüll.
Verschaffen Sie sich einen Überblick über den Kronenaufbau:
LANDI Praxis-Tipp: Führen Sie den Sommerschnitt bei Süsskirschen stets bei trockenem Wetter durch. Durch die warme Witterung trocknen die Schnittstellen rasch ab und der aktive Baum bildet schnell ein schützendes Wundgewebe. So verhindern Sie das gefürchtete «Ausbluten» des Baumes (Gummifluss) und nehmen Pilzkrankheiten wie der Schrotschusskrankheit die Eintrittspforte.
Steil aufrecht wachsende Triebe (Wasserschosse oder Wassertriebe) kosten den Baum viel Kraft und tragen kaum Blüten. Schneiden Sie diese Triebe im Kroneninneren ganz an der Basis ab.
Möchten Sie einen zu langen Leitast einkürzen, schneiden Sie ihn nicht einfach irgendwo mitten im Holz ab («Kappen»). Leiten Sie den Ast stattdessen auf einen flacher nach aussen wachsenden Seitenzweig ab. So bleibt der Saftfluss erhalten und der Baum bildet an der Schnittstelle keine unschönen Besentriebe.
Müssen stärkere Äste entfernt werden, ist bei Kirschen besondere Vorsicht geboten:
LANDI Praxis-Tipp: Schneiden Sie dicke Äste an Kirschbäumen niemals plan am Stamm («auf Astring») ab. Kirschen können grossflächige Wunden am Stamm nur schwer überwallen. Lassen Sie stattdessen einen rund 10 bis 15 cm langen Stummel («Zapfen») stehen. Sollte es an der Schnittstelle zu Holztrocknung oder Gummifluss kommen, bleibt der Hauptstamm unbeschädigt. Ist der Zapfen nach ein bis zwei Jahren vollständig eingetrocknet, lässt er sich gefahrlos entfernen.
Einen vernachlässigten, stark vergreisten Kirschbaum sollten Sie niemals radikal auf den Stock setzen. Das Kappen starker Kronenäste führt zu Fäulnis im Stamm und schwächt den Baum meist tödlich.
Die 3-Jahres-Regel für alte Kirschbäume: Verteilen Sie die Verjüngung auf drei aufeinanderfolgende Sommer. Entfernen Sie pro Jahr maximal einen bis zwei grosse Hauptäste und lichten Sie die verbleibende Krone sanft aus. So hat der Baum genügend Blattmasse, um die Wundheilung zu bewältigen, und baut schrittweise neues, vitales Fruchtholz auf.
Kirschbäume danken Ihnen einen massvollen, bedachten Schnitt. Während Sauerkirschen durch regelmässiges Ausdünnen der Peitschentriebe jung und ertragreich gehalten werden, genügt bei Süsskirschen ein gezieltes Auslichten der Krone direkt nach der Ernte.
Mit scharfem Qualitätswerkzeug, dem richtigen Timing im Hochsommer und dem Schutz vor zu grossen Schnittwunden bleibt Ihr Kirschbaum über Jahrzehnte hinweg gesund, standfest und voller aromatischer Früchte. Bei Fragen zur passenden Baumsäge, Wundverschlussmitteln oder Pflegedüngern stehen Ihnen die Fachleute in Ihrem LANDI Laden gerne mit Rat und Tat zur Seite.
Bei kleinen Schnittflächen bis ca. drei Zentimeter heilt der Baum die Wunde im Sommer am besten selbst. Bei grösseren Sägeschnitten an Altholz kann das dünne Bestreichen des Wundrands mit einem atmungsaktiven Wundbalsam sinnvoll sein, um das Eindringen von Feuchtigkeit und Pilzerregern zu reduzieren. Gummifluss ist das Austreten einer zähen, bernsteinfarbenen Harzmasse an der Rinde. Es ist eine physiologische Stress- und Abwehrreaktion des Baumes auf Wunden, Frostrisse oder Pilzbefall. Schneiden Sie betroffene Astpartien bis ins gesunde Holz zurück und vermeiden Sie künftig Schnitte im Spätherbst oder Winter. Ein Schnitt im Spätherbst (Oktober/November) ist für Kirschbäume nicht zu empfehlen. Der Saftfluss ist bereits stark verlangsamt, sodass Schnittwunden vor dem Wintereinbruch nicht mehr verheilen. Feuchtigkeit und Frost dringen ungehindert in das Holz ein und begünstigen Fäulnisprozesse.FAQ: Häufige Fragen zum Kirschbaum schneiden
Muss man Schnittwunden beim Kirschbaum mit Wundbalsam versiegeln?
Was bedeutet Gummifluss und wie reagiert man darauf?
Darf man Kirschbäume auch im Herbst schneiden?