Sie stehen im Laden vor dem Ölregal, in der Hand die leere Kanister-Etikette Ihres letzten Ölwechsels, und plötzlich sind Sie sich nicht mehr sicher: War es nun 5W-30 oder 10W-40, und passt das überhaupt auch für den Rasenmäher im Schopf? Diese Unsicherheit kennen viele – ob beim Auto, beim Traktor oder bei der Kettensäge. Welches Motorenöl tatsächlich das richtige ist, hängt von mehreren Faktoren ab: dem Fahrzeug- oder Gerätetyp, der Herstellervorgabe und den Einsatzbedingungen. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen Schritt für Schritt, worauf es ankommt.
Motorenöl ist weit mehr als ein simples Schmiermittel. Es reduziert die Reibung zwischen den beweglichen Teilen im Motor, kühlt, dichtet ab und transportiert Verschmutzungen zum Ölfilter. Ohne den richtigen Schmierstoff drohen erhöhter Verschleiss, schlechtere Schmierfähigkeit und im schlimmsten Fall ein Motorschaden. Wer sich fragt, welches Motorenöl für den eigenen Fahrzeugtyp infrage kommt, sollte deshalb nicht nach Preis oder Gewohnheit entscheiden, sondern nach den technischen Vorgaben des Herstellers.
Gerade in der Schweiz, mit ihren ausgeprägten Temperaturunterschieden zwischen kalten Wintern im Mittelland und in den Bergen sowie warmen Sommern, spielt die Wahl des passenden Öls eine wichtige Rolle. Ein Öl, das im Sommer einwandfrei funktioniert, kann bei einem Kaltstart im Winter zu zäh sein und den Motor beim Anlassen zu wenig schnell schmieren.
Um zu verstehen, welches Motorenöl für ein bestimmtes Fahrzeug oder Gerät geeignet ist, lohnt sich ein Blick auf die Viskosität von Motorölen sowie auf weitere wichtige Kennzahlen und Begriffe.
Die Viskosität beschreibt die Zähflüssigkeit eines Öls. Sie wird in der sogenannten SAE-Klasse angegeben, benannt nach der Society of Automotive Engineers. Eine Bezeichnung wie 5W-30 setzt sich aus zwei Werten zusammen: Die Zahl vor dem W (für Winter) beschreibt das Kaltstartverhalten – je tiefer die Zahl, desto besser fliesst das Öl bei Kälte. Die zweite Zahl gibt die Hochtemperaturviskosität an, also wie zähflüssig das Öl bei Betriebstemperatur bleibt. Die meisten modernen Motoröle sind Mehrbereichsöle, das heisst, sie decken sowohl kalte als auch heisse Bedingungen gut ab.
Neben der Viskosität sind die ACEA-Spezifikationen und die API-Klassifikation entscheidend. Die ACEA, die Association des Constructeurs Européens d'Automobiles, definiert europäische Normen für Otto- und Dieselmotoren, während das American Petroleum Institute mit seiner API-Klassifikation vor allem im nordamerikanischen Raum verbreitete Standards setzt. Beide Systeme unterscheiden zwischen Anforderungen für Ottomotoren und Dieselmotoren, da sich deren Belastungen und Verbrennungsprozesse unterscheiden.
Bezüglich der Zusammensetzung wird grundsätzlich zwischen Mineralöl, Synthetiköl und teilsynthetischen Produkten unterschieden. Mineralöle werden direkt aus Erdöl raffiniert und sind meist günstiger, stossen aber bei extremen Temperaturen schneller an ihre Grenzen. Synthetische Motoröle werden chemisch aufwendiger hergestellt und bieten eine stabilere Schmierfähigkeit über einen grösseren Temperaturbereich, einen geringeren Kraftstoffverbrauch und meist längere Ölwechselintervalle. Viele moderne Fahrzeuge sind auf Longlife-Öle ausgelegt, die im Rahmen eines Longlife-Services über längere Zeiträume im Motor verbleiben können, ohne an Wirkung zu verlieren.
Damit ein Öl seine Aufgaben zuverlässig erfüllt, enthält es zudem verschiedene Additive. Diese Zusätze verbessern etwa den Schutz vor Korrosion, die Reinigungswirkung im Motor oder das Verhalten bei tiefen und hohen Temperaturen. Auch der enthaltene Schwefel spielt eine Rolle, insbesondere im Zusammenspiel mit einem Partikelfilter, der bei modernen Dieselmotoren und zunehmend auch bei Benzinern zum Einsatz kommt.
Welches Motorenöl geeignet ist, hängt stark vom jeweiligen Fahrzeug- oder Gerätetyp ab. Im Folgenden ein Überblick über die gängigsten Anwendungen im Schweizer Alltag.
Beim Auto ist die Herstellerfreigabe massgebend. Diese finden Sie in der Betriebsanleitung oder im Serviceheft. Moderne Personenwagen mit Ottomotor oder Dieselmotor benötigen häufig ein solches Leichtlauföl mit niedriger Viskosität, das den Kraftstoffverbrauch senkt und den Kaltstart erleichtert. Fahrzeuge mit Partikelfilter erfordern zudem Öle mit reduziertem Aschegehalt, sogenannte Low-SAPS-Öle, damit der Filter nicht vorzeitig verstopft. Wer ein älteres Fahrzeug ohne spezifische Herstellerfreigabe fährt, kann sich an gängigen ACEA-Spezifikationen orientieren, sollte im Zweifel aber im LANDI-Laden nachfragen.
Motorräder stellen andere Anforderungen als Autos, da Motor, Kupplung und teilweise auch das Getriebe dieselbe Ölfüllung teilen. Ein reines Auto-Motorenöl kann hier zu Kupplungsrutschen führen, weil Reibungsminderer enthalten sind, die für Nassschmierkupplungen ungeeignet sind. Spezielle Motorrad-Motoröle sind entsprechend formuliert und bieten trotzdem eine gute Schmierfähigkeit bei den hohen Drehzahlen, die für Motorradmotoren typisch sind.
Bei Rollern mit Viertaktmotor gelten ähnliche Grundsätze wie beim Motorrad, wobei viele Modelle mit kleineren Hubräumen etwas niedrigere Viskositätsklassen vertragen. Zweitaktroller benötigen hingegen ein spezielles Zweitaktöl, das dem Benzin beigemischt wird und sich grundlegend von klassischem Motorenöl unterscheidet.
Auch beim Töffli oder Mofa mit Zweitaktmotor kommt kein herkömmliches Motoröl zum Einsatz, sondern ein separates Zweitaktöl. Die Dosierung richtet sich nach den Angaben des Herstellers und wird in der Regel dem Treibstoff beigemischt. Wer ein Modell mit Viertaktmotor besitzt, orientiert sich hingegen an den gleichen Grundsätzen wie bei Rollern.
Traktoren und andere Landmaschinen sind oft mit robusten Dieselmotoren ausgestattet, die hohen mechanischen Belastungen standhalten müssen. Hier kommen häufig sogenannte UTTO- oder STOU-Öle zum Einsatz, die nicht nur den Motor, sondern teilweise auch Getriebe und Hydraulik schmieren. Für Nutzfahrzeuge und landwirtschaftliche Geräte gelten oft eigene ACEA-Klassen speziell für schwere Dieselmotoren, die sich von den Klassen für Personenwagen unterscheiden. Ein Blick in die Betriebsanleitung des jeweiligen Modells ist hier besonders wichtig, da sich die Anforderungen je nach Baujahr und Motortyp stark unterscheiden können.
Kettensägen mit Zweitaktmotor benötigen ebenfalls kein klassisches Motorenöl, sondern eine Mischung aus Benzin und Zweitaktöl im vom Hersteller vorgegebenen Verhältnis. Zu unterscheiden ist dies von Sägekettenöl, das separat auf die Kette aufgetragen wird und eine andere Funktion erfüllt.
Bei Kompressoren mit Verbrennungsmotor gelten ähnliche Regeln wie bei kleinen Geräten mit Viertaktmotor: Hier wird meist ein Standard-Motoröl mit mittlerer Viskosität verwendet. Bei rein elektrisch betriebenen Kompressoren mit Ölschmierung kommt hingegen häufig ein spezielles Kompressorenöl zum Einsatz, das sich in seiner Zusammensetzung von Motorenöl unterscheidet.
Rasenmäher mit Viertaktmotor benötigen in der Regel ein einfaches Motoröl mit der vom Hersteller empfohlenen Viskositätsklasse, häufig 10W-30 oder 5W-30 für den Betrieb während der ganzen Gartensaison. Rasenmäher mit Zweitaktmotor werden hingegen, wie Kettensägen mit einer Benzin-Öl-Mischung betrieben. Ein Blick in die Bedienungsanleitung des jeweiligen Modells schafft hier schnell Klarheit.
Auch stationäre Antriebe wie bei Melkmaschinen oder anderen landwirtschaftlichen Geräten benötigen häufig spezifische Schmierstoffe. Je nach Bauart kommen Getriebeöle, Hydrauliköle oder klassisches Motorenöl zum Einsatz. Da diese Geräte oft im Dauerbetrieb laufen, sind kürzere Ölwechselintervalle als bei Fahrzeugen keine Seltenheit. Massgebend ist auch hier immer die Herstellerangabe im jeweiligen Handbuch.
So gehen Sie am einfachsten vor, um herauszufinden, welches Motorenöl für Ihr Fahrzeug oder Gerät passend ist:
Beim eigentlichen Ölwechsel sind einige Schritte zu beachten, unabhängig davon, ob es sich um ein Auto, einen Traktor oder ein Gartengerät handelt:
Ungeöffnete Kanister mit Motorenöl sollten kühl, trocken und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt gelagert werden, idealerweise stehend, damit der Verschluss nicht dauerhaft belastet wird. So bleibt die Schmierfähigkeit über längere Zeit erhalten.
Gebrauchtes Motorenöl gehört keinesfalls in den Ausguss, in die Kanalisation oder in den normalen Hausabfall, da es die Umwelt erheblich belasten kann. In der Schweiz kann Altöl bei den meisten LANDI-Läden sowie bei Garagen und offiziellen Sammelstellen kostenlos abgegeben werden. Auch leere, ausgetropfte Ölkanister lassen sich in der Regel dem Kunststoffrecycling zuführen, sofern die lokale Entsorgungsstelle dies akzeptiert.
Mit ein paar einfachen Gewohnheiten lässt sich die Wahl und der Umgang mit Motorenöl im Alltag deutlich erleichtern.
Beim Thema Motorenöl schleichen sich im Alltag immer wieder dieselben Fehler ein:
Welches Motorenöl im Einzelfall das richtige ist, lässt sich nicht pauschal beantworten, sondern richtet sich immer nach dem Fahrzeugtyp, dem Modell und den Angaben des Herstellers. Wer sich an Betriebsanleitung und Serviceheft orientiert, auf die passende Viskositätsklasse sowie die geforderten ACEA- oder API-Normen achtet und den Ölstand regelmässig kontrolliert, ist auf der sicheren Seite. Im LANDI-Sortiment finden Sie eine breite Auswahl an Motorölen für Auto, Motorrad, Traktor und Gartengeräte – im Laden berät man Sie gerne, falls Sie sich bei der Wahl nicht ganz sicher sind.
Wird ein ungeeignetes Motorenöl verwendet, kann die Schmierfähigkeit nicht mehr ausreichend gewährleistet sein. Dies kann zu erhöhtem Verschleiss an Kolben und Lagern, zu Ablagerungen im Motor oder im schlimmsten Fall zu einem Motorschaden führen. Bei Fahrzeugen mit Partikelfilter kann ein falsches Öl zudem den Filter vorzeitig verstopfen.
Grundsätzlich ist ein Mischen verschiedener Motoröle möglich, solange sie dieselbe Grundspezifikation und ähnliche Viskositätsklasse aufweisen. Von einer dauerhaften Mischung wird jedoch abgeraten, da sich die Additive unterschiedlicher Produkte gegenseitig beeinflussen können. Beim nächsten Ölwechsel empfiehlt es sich, wieder auf ein einheitliches Öl umzusteigen.
Inhaltlich gibt es keinen Unterschied: Motoröl und Motorenöl bezeichnen denselben Schmierstoff für Verbrennungsmotoren. Beide Begriffe werden im Schweizer Sprachgebrauch synonym verwendet.
Ungeöffnetes Motorenöl ist bei richtiger Lagerung, also kühl, trocken und vor Sonnenlicht geschützt, über mehrere Jahre haltbar. Mit der Zeit können sich jedoch gewisse Additive absetzen, weshalb sich vor der Verwendung ein kurzes Aufschütteln oder Umrühren des Kanisters empfiehlt.