Sauerteig selber ansetzen: So gelingt Ihr eigener Sauerteig
Sie stehen in der Küche, der Ofen ist heiss, aber das Brot vom letzten Einkauf schmeckt schon wieder fad und trocken? Viele unserer Kundinnen und Kunden erzählen uns genau das: Sie vermissen den kräftigen Geschmack und die lange Frische von richtigem Brot, wie es früher im Dorfbackofen entstand. Die Lösung dafür heisst Sauerteig – ein natürliches Triebmittel, das aus Mehl, Wasser und der Zeit selbst entsteht. Wer einmal verstanden hat, wie ein Sauerteig als natürlicher Vorteig funktioniert, möchte meist nicht mehr zurück zum gekauften Hefebrot.
In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, was Sauerteig eigentlich ist, wie Sie einen eigenen Sauerteigansatz herstellen und pflegen, und worauf Sie bei der Fermentation achten sollten. Egal ob Sie zum ersten Mal Brot backen oder Ihre Backkünste vertiefen möchten – dieser Beitrag begleitet Sie von der ersten Fütterung bis zum fertigen Sauerteigbrot.
Entstehung: Sauerteig entsteht durch die natürliche Fermentation von Mehl und Wasser mithilfe von wilden Hefen und Milchsäurebakterien.
Dauer: Das Ansetzen von Sauerteig dauert in der Regel fünf bis sieben Tage, bis eine triebstarke Kultur entstanden ist.
Zutaten: Roggenmehl und Roggenvollkornmehl eignen sich besonders gut für den Start, da sie viele Nährstoffe für die Mikroorganismen liefern.
Pflege: Ein gepflegter Sauerteig muss regelmässig gefüttert werden, damit die Triebkraft erhalten bleibt.
Vorteile: Sauerteigbrot ist bekömmlicher, hält länger frisch und entwickelt ein deutlich komplexeres Aroma als reines Hefebrot.
Was ist Sauerteig?
Sauerteig ist ein natürliches Triebmittel, das durch die Fermentation von Mehl und Wasser entsteht. Im Gegensatz zu Backhefe, die als Reinzucht gezielt zugesetzt wird, bildet sich ein Sauerteigansatz aus den wilden Hefen und Milchsäurebakterien, die bereits im Mehl und in der Umgebungsluft vorhanden sind. Diese Mikroorganismen ernähren sich von den Kohlenhydraten im Mehl, produzieren dabei Kohlendioxid, das den Teig auflockert, sowie Milch- und Essigsäure, die für den typisch säuerlichen Geschmack sorgen.
Man unterscheidet grundsätzlich zwischen verschiedenen Ausprägungen: Ein Roggensauerteig wird traditionell für kräftige Roggenbrote und Roggenmischbrote verwendet, während ein Weizensauerteig milder ausfällt und sich für hellere Gebäcke eignet. Auch die italienische Variante, der Lievito madre, gehört zur Familie der Sauerteigkulturen, unterscheidet sich aber in Konsistenz und Pflege deutlich von einem klassischen flüssigen Sauerteig.
Wichtig zu wissen: Ein reifer Sauerteig ist keine einmalige Angelegenheit. Mit der richtigen Pflege lässt sich dieselbe Kultur über Jahre, sogar Generationen hinweg am Leben erhalten – viele Hobbybäckerinnen und Hobbybäcker in der Schweiz geben ihr Anstellgut mittlerweile an Familienmitglieder oder Freunde weiter.
Vorteile von Sauerteigbrot
Wer sich einmal für das Backen von Brot mit Sauerteig entschieden hat, entdeckt schnell mehrere Vorteile gegenüber herkömmlichem Hefebrot:
Bekömmlichkeit: Durch die lange Fermentation werden Bestandteile wie Phytinsäuren teilweise abgebaut, wodurch Mineralstoffe im Brot besser vom Körper aufgenommen werden können.
Geschmack: Die Milchsäurebakterien sorgen für ein vielschichtiges, leicht säuerliches Aroma, das sich mit keiner Backhefe erreichen lässt.
Haltbarkeit: Sauerteigbrote bleiben dank der enthaltenen Säuren deutlich länger frisch als Hefebrote und trocknen langsamer aus.
Krume und Struktur: Die langsame Gärung sorgt für eine feinporige, elastische Krume mit einer kräftigen, aromatischen Kruste.
Natürlichkeit: Ein selbst hergestellter Sauerteig kommt ganz ohne industrielle Zusatzstoffe aus.
Diese Eigenschaften machen deutlich, weshalb Sauerteigbrot in den letzten Jahren auch in Schweizer Haushalten wieder an Beliebtheit gewonnen hat.
Sauerteig selber machen
Einen eigenen Sauerteig herzustellen, klingt für viele zunächst kompliziert. In Wirklichkeit braucht es dafür nur wenige Zutaten, etwas Geduld und ein bisschen Routine.
Zutaten
Für den Start eines Sauerteigansatzes benötigen Sie im Grunde nur zwei Dinge: Mehl und Wasser.
Roggenmehloder Roggenvollkornmehl: Für Einsteiger empfohlen, da von Natur aus reich an Nährstoffen und wilden Hefen, was eine zuverlässige Fermentation begünstigt.
Weizenmehl,Dinkelmehloder Auszugsmehl: Ebenfalls geeignet, die Gärung verläuft damit allerdings meist etwas langsamer.
Lauwarmes Wasser: Am besten eignet sich normales Leitungswasser, das kurz auf Zimmertemperatur gebracht wurde, oder stilles Mineralwasser.
Nicht zu heisses Wasser: Hohe Temperaturen können die empfindlichen Mikroorganismen abtöten, deshalb möglichst lauwarm verwenden.
Gummiband oder Marker: Um den Füllstand nach jeder Fütterung zu markieren und die Aktivität zu beobachten.
Ein Schraubglas empfiehlt sich besonders, weil sich der Deckel locker auflegen lässt und so überschüssiges Gas entweichen kann, ohne dass das Glas unter Druck gerät.
Sauerteig ansetzen
Um einen Sauerteig anzusetzen, gehen Sie am besten Schritt für Schritt vor:
Tag 1: Gleiche Teile Roggenmehl und lauwarmes Wasser, zum Beispiel je 50 Gramm, im Glas glatt rühren, locker abdecken und bei Zimmertemperatur ruhen lassen.
Standort: Idealerweise zwischen 22 und 26 Grad, an einem möglichst gleichmässig warmen Ort.
Ab Tag 2: Den Ansatz täglich mit derselben Menge Mehl und Wasser füttern. Das versorgt die Milchsäurebakterien und wilden Hefen kontinuierlich mit neuer Nahrung und lässt die Kultur wachsen.
Tag 3 bis 4: Erste Bläschen zeigen sich meist, ein Zeichen dafür, dass die Fermentation in Gang gekommen ist.
Tag 5 bis 7: Der Sauerteig sollte zuverlässig aufgehen und sich innerhalb weniger Stunden nach der Fütterung im Volumen verdoppeln.
Weizensauerteig ansetzen: Funktioniert nach demselben Prinzip, braucht aber meist etwas mehr Geduld, da Weizenmehl weniger Nährstoffe für die Mikroorganismen bereitstellt als Roggenmehl.
Woran erkenne ich einen reifen/aktiven Sauerteig?
Ein reifer Sauerteig zeigt einige klare Anzeichen. Er hat sich nach der letzten Fütterung deutlich im Volumen vergrössert, im Idealfall verdoppelt oder sogar verdreifacht. An der Oberfläche und im Inneren sind zahlreiche kleine Bläschen sichtbar, und die Konsistenz wirkt luftig-schwammig. Auch der Geruch verrät viel: Ein aktiver, triebstarker Sauerteig riecht angenehm säuerlich, leicht fruchtig, manchmal auch nach Joghurt – niemals faulig oder unangenehm streng.
Ein einfacher Test ist die sogenannte Schwimmprobe: Geben Sie einen kleinen Löffel Sauerteig in ein Glas mit Wasser. Schwimmt die Probe an der Oberfläche, enthält der Ansatz genug Gasbläschen und ist bereit zum Backen. Sinkt sie zu Boden, braucht der Sauerteig noch etwas mehr Zeit oder eine weitere Fütterung.
Sauerteigkultur pflegen
Damit Ihre Sauerteigkultur dauerhaft triebstark bleibt, braucht sie regelmässige Pflege:
Häufiges Backen: Den Sauerteigstarter am besten täglich bei Raumtemperatur füttern.
Seltenes Backen: Den Ansatz im Kühlschrank aufbewahren und dort im Abstand von etwa einer Woche auffrischen.
Vor dem Backen: Den Sauerteig aus dem Kühlschrank nehmen, füttern und bei Zimmertemperatur reaktivieren, bis er wieder sichtbar aktiv ist.
Anstellgut aufbewahren: Der übrig gebliebene Teil des Sauerteigs (oft abgekürzt als ASG), der nicht fürs Brot verwendet wird, dient als Basis für die nächste Fütterung und erhält die Kultur.
Langlebigkeit: Ein gut gepflegter Sauerteigansatz kann theoretisch unbegrenzt weiterleben, solange er regelmässig neues Mehl und Wasser erhält – manche Sauerteigkulturen in der Schweiz und im benachbarten Ausland sind bereits Jahrzehnte alt.
Ein beliebtes Sauerteig-Rezept
Sobald Ihr Sauerteig zuverlässig triebstark ist, können Sie ihn für ein klassisches Roggenmischbrot verwenden. Dieses Rezept ist bei vielen Hobbybäckerinnen und Hobbybäckern beliebt, weil es unkompliziert gelingt und die typischen Vorzüge von Sauerteigbrot – kräftiger Geschmack, lange Frische und feinporige Krume – gut zur Geltung bringt.
Zutaten:
200 g Anstellgut: Aktiver, triebstarker Sauerteig aus dem Kühlschrank oder frisch aufgefrischt.
300 gRoggenmehl: Bildet zusammen mit dem Weizenmehl die Basis des Teigs.
200 g Weizenmehl: Sorgt für eine lockere Krume und erleichtert die Formung des Brotes.
350 ml lauwarmes Wasser: Je nach Mehlsorte kann die Wassermenge leicht variieren.
10 gSalz: Für den Geschmack und zur Stabilisierung des Teigs.
1 TL Brotgewürz (optional): Etwa Kümmel, Koriander oder Fenchel für ein traditionelles Aroma.
So gehen Sie vor:
Teig herstellen: Anstellgut, Mehl, Wasser und Salz in einer Schüssel zu einem homogenen Teig verkneten.
Erste Gärung: Den Teig zugedeckt bei Zimmertemperatur etwa 3 bis 4 Stunden gehen lassen, bis er sichtbar an Volumen zugelegt hat.
Formen: Den Teig auf einer bemehlten Fläche zu einem runden oder länglichen Laib formen.
Zweite Gärung: Das geformte Brot nochmals 1 bis 2 Stunden zugedeckt ruhen lassen, idealerweise in einem bemehlten Gärkorb.
Backen: Bei 240 Grad Ober- und Unterhitze etwa 40 bis 45 Minuten backen, am Anfang gerne mit etwas Wasserdampf für eine knusprige Kruste.
Auskühlen lassen: Das fertige Brot vor dem Anschneiden mindestens eine Stunde auf einem Gitter auskühlen lassen, damit sich die Krume setzen kann.
Mit diesen kleinen Kniffen gelingt der Umgang mit Ihrem Sauerteig noch etwas zuverlässiger:
Wasserqualität beachten: Stark gechlortes Leitungswasser kann die Fermentation hemmen. Lassen Sie das Wasser vor Gebrauch kurz stehen.
Temperatur konstant halten: Ein möglichst gleichbleibender, warmer Standort beschleunigt die Gärung und macht den Sauerteig verlässlicher.
Mehlsorten kombinieren: Ein Mix aus Roggenmehl und Weizenmehl kann die Triebkraft verbessern und den Geschmack ausgewogener machen.
Geduld mitbringen: Gerade in den ersten Tagen kann es sein, dass sich noch wenig tut. Das ist normal und kein Grund, den Ansatz zu entsorgen.
Glas sauber halten: Reinigen Sie das Gefäss gelegentlich, damit sich keine unerwünschten Rückstände am Rand ansammeln.
Häufige Fehler
Auch erfahrene Hobbybäckerinnen und Hobbybäcker stolpern gelegentlich über dieselben Stolpersteine:
Zu kalte Umgebungstemperatur: Liegt die Raumtemperatur dauerhaft unter 20 Grad, verläuft die Fermentation deutlich langsamer, und die Triebkraft entwickelt sich nur schleppend.
Zu seltenes Füttern: Ohne frische Nahrung verhungern die Mikroorganismen, und der Ansatz verliert an Aktivität.
Zu wenig Mehl oder Wasser: Der Ansatz hat dann nicht genügend Volumen, um richtig zu wachsen.
Zu fest verschlossenes Gefäss: Das entstehende Gas kann nicht entweichen, was zum Problem werden kann.
Zu wenig Geduld: Ein neuer Sauerteig braucht seine Zeit – ein etwas langsamerer Start bedeutet nicht automatisch, dass etwas falsch gemacht wurde.
Fazit
Sauerteig ist weit mehr als nur ein Triebmittel – er ist das Ergebnis eines natürlichen Zusammenspiels aus Mehl, Wasser, Zeit und Geduld. Wer einmal einen eigenen Sauerteig angesetzt und gepflegt hat, wird mit aromatischem, bekömmlichem und lange frischem Brot belohnt. Der Aufwand hält sich in Grenzen, sobald die tägliche Fütterung zur Routine geworden ist. Für alle Zutaten und Utensilien rund ums Brotbacken finden Sie in Ihrem LANDI-Laden oder im Online-Shop eine passende Auswahl.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zum Thema "Sauerteig"
Ist Sauerteig gesünder als normales Brot?
Sauerteigbrot gilt im Vergleich zu reinem Hefebrot oft als bekömmlicher, da die lange Fermentation dazu beiträgt, dass Phytinsäuren teilweise abgebaut und Mineralstoffe besser aufgenommen werden können. Zudem wird das enthaltene Gluten durch die Milchsäurebakterien teilweise vorverdaut, was manchen Menschen die Verträglichkeit erleichtert. Ein "gesundes" Brot hängt aber immer auch von der verwendeten Mehlsorte und den weiteren Zutaten ab.
Kann ich Sauerteig mit Vollkornmehl statt Weissmehl ansetzen?
Ja, das ist sogar empfehlenswert. Roggenvollkornmehl enthält besonders viele Nährstoffe und wilde Hefen, was die Fermentation zu Beginn erleichtert und beschleunigt. Auch mit Dinkelmehl in Vollkornform lässt sich ein Dinkel-Sauerteig problemlos starten.
Ist Sauerteigbrot für Menschen mit Glutenunverträglichkeit geeignet?
Nein, klassischer Sauerteig aus Roggen-, Weizen- oder Dinkelmehl enthält weiterhin Gluten und ist für Menschen mit Zöliakie nicht geeignet. Die lange Fermentation kann das Gluten zwar teilweise abbauen, entfernt es aber nicht vollständig. Bei einer diagnostizierten Glutenunverträglichkeit sollten Sie in jedem Fall auf glutenfreie Alternativen zurückgreifen.
Wie lange ist Sauerteigbrot haltbar im Vergleich zu Hefebrot?
Sauerteigbrot bleibt in der Regel deutlich länger frisch als Hefebrot, oft mehrere Tage länger. Verantwortlich dafür sind die während der Fermentation entstehenden Milch- und Essigsäuren, die das Brot auf natürliche Weise vor dem schnellen Austrocknen und vor Schimmelbildung schützen.